Radfahren in Hannover

  • Interessant. Ich hatte vor drei Jahren einen Unfall, als mich der Fahrer eines abbiegendes Fahrzeug mit Hänger übersehen und mitgeschleift hat.

    Erst heute wurde ich wieder übersehen. Habe aber aufgepasst und rechtzeitig gebremst. 😊

    Wäre vielleicht etwas für mich.

  • Kein Vorwurf an dich, Hirschi, aber ich finde diese (leider gebräuchliche Aussage) "wurde übersehen" ganz schlimm. Das vermittelt etwas von kann ja mal passieren. So ist das aber nicht. Du wurdest nicht beachtet, das ist ein immenser Unterschied. Da hat jemand entweder auf alle Regeln geschissen oder kannte sie nicht. Beides ist tödlich im Straßenverkehr.

  • Nein, es kann leider immer wieder vorkommen, dass ein Autofahrer den Radfahrer übersieht, weil er träumt oder was auch immer. Sollte nicht passieren, wird es aber immer wieder geben, weil da auch Menschen am Steuer sitzen. Menschen machen Fehler.


    Nicht beachtet indiziert, dass man den Radfahrer zwar sieht, aber dennoch fährt, ihm eben keine Beachtung schenkt.

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  • Joa, kann dann halt extrem ablaufen, wenn man als Autofahrer jemanden übersieht. Das kann mal passieren, ist menschlich. Allerdings zeigt die Häufigkeit dieses 'Übersehens', dass ein Teil der Autofahrer kein Bewusstsein für die Gefahr hat.

    Zu oft erlebe ich Abbiegende, die einfach abbiegen ohne den Hauch von Schulterblick.


    Gestern:

    Ich freue mich schon auf meinen Besuch beim Urologen und radel die Edenstraße, eine recht schmale Fahrradstrasse (haha, sicher...) in der Oststadt Richtung Celler Straße hinter einem langsam rollenden SUV her. So langsam, dass ich zum Überholen ansetze. Ich bin quasi links neben seinem hinteren Kotflügel, als er das Lenkrad rumreißt und vor mir links in eine Einfahrt fährt, Kein Blinken, kein Gucken.

    Und wer möchte mitraten, wie einsichtig der Fahrer sich zeigte, als ich ihn zur Rede stelle?


    1) Es ist eine Fahrradstraße. Er hat da entweder nix zu suchen, aber zumindest hat er sehr genau auf Radfahrer zu achten, die dort bevorzugt fahren dürfen.

    2) Blinken? Ach, wozu....


    Solche Fehler verletzen oder töten, und es fehlt zu vielen Autofahrern immer noch das Bewusstsein für die Existenz schwächerer und trotzdem gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer. Im Falle der Fahrradstraße sogar Verkehrsteilnehmer mit erweiterten Rechten.


    Und solange in der Presse immer noch so getan wird, als wäre das kaum zu vermeiden, wird sich das wohl auch nicht ändern.

  • Streite ich doch gar nicht ab, erlebe ich genauso auch regelmäßíg. Und mit

    es fehlt zu vielen Autofahrern immer noch das Bewusstsein für die Existenz schwächerer und trotzdem gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer

    bin ich voll bei Dir. Wobei man über das "zu viele" sichtlich streiten kann. Ich würde nämlich behaupten, dass die meissten Autofahrer ein sehr gutes Bewusstsein dafür haben. Aber natürlich ist auch nur ein tötlicher Unfall zu viel.


    Ich würde mich definitiv als sehr umsichtigen Autofahrer im Straßenverkehr betrachten, aber selbst ich war schon Mal in der Situationen, dass ich einen Radfahrer übersehen habe (also ohne Unfall, da noch rechtzeitig gebremst). Und ich bin mir sicher, dass jeder, der Auto fährt, mal in so einer Situation war.


    Die Edenstraße fahre ich auch ab und an lang, finde sie für uns Radfahrer gut. Dass dieser dämliche Fahrer uneinsichtig war glaube ich Dir. Das ist auch oft eine solche Abwehrreaktion ob des eigenen Fehlers und dass natürlich der andere (also Du) hätte aufpassen müssen. Wäre ihm aber sicherlich auch ohne SUV so passiert.

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  • Zitat

    Kein Vorwurf an dich, Hirschi, aber ich finde diese (leider gebräuchliche Aussage) "wurde übersehen" ganz schlimm.

    Ich habe mich falsch ausgedrückt, Zeitdieb. Ich finde das auch ganz schlimm, besonders seit mir der üble Unfall passiert ist.
    Der hat mich noch einmal sensibilisiert, besonders beim Abbiegen an den Schulterblick zu denken.
    Erschreckt hat mich die Aussage einer Freundin, sie neigt gelegentlich zu Pauschalurteilen, dass man die Radfahrer häufig gar nicht rechtzeitig sehen kann, weil die so schnell unterwegs sind und überhaupt rücksichtslos fahren.
    Dass auch manche Radfahrer rücksichtslos fahren, kann ich bestätigen, aber als abbiegender Autofahrer bin ICH in der Pflicht, auf Radfahrer und Fußgänger zu achten.

  • In den meisten Fällen sind das billige Ausreden der Autofahrer. Wenn man wirklich kuckt, muß man anhalten und kucken. Beispiel von Nebenstraße in Hauptstraße abbiegen: Kuchen, ob da Kinder spielen. Ob da ein Fußgänger kommt. Oder ein Jogger. Von beiden Seiten. Dann kucken, ob ein langsamer Radfahrer kommt. Oder ein schneller. Ob er geradeaus weiterfahren will oder abbiegen. Dann kann man sich weiter vortasten und kucken, ob die Autofahrbahn frei ist. Oder ob ein Auto kommt. Oder ein Motorradfahrer. Oder ein Radrennfahrer. Oder ein Linienbus. Oder ein LKW. Ob die weiterfahren wollen oder parken oder abbiegen oder wasweißich.


    Wenn ich mir ansehe, wie die allerallermeisten an so eine Kreuzung heranfahren, dann kann es für mich nur zwei Interpretationsmöglichkeiten geben:

    - entweder können die alle viel schneller kucken als ich

    - oder sie kucken nur flüchtig


    Deswegen braucht mir keiner kommen mit "nicht gesehen". "Nicht hingekuckt" heißt das. Genau deswegen bringen auch Wahnwesten nichts. Hat man doch alles schon herausgefunden.


    https://www.cyclingweekly.com/…r-passing-distances-23061

    https://www.theguardian.com/en…sibility-safe-fluorescent

    https://www.sciencedirect.com/…abs/pii/S2214140518300045

    https://www.sciencedirect.com/…abs/pii/S0925753518309871

    https://road.cc/content/news/2…lved-collisions-according

    https://aseasyasridingabike.wo…-a-high-visibility-world/

    https://cyclingfallacies.com/e…-wear-hi-viz-when-cycling

    https://cyclingfallacies.com/d…ktierende-kleidung-tragen

  • Es gibt da sicherlich unterschiedliche Ausprägungen. Aber die Welt ist nicht schwarz oder weiß. Sie ist grau!


    Als Fußgänger würde ich mich auch sehr freuen, wenn die Radfahrenden in Hannover mich anschauen, wenn sie mir auf dem Zebrastreifen die "Vorfahrt" nehmen. Bzw. ohne Blickkontakt und Tempo- oder Lenkänderung über den Zebrastreifen rauschen.


    ALLE Verkehrsteilnehmer können mal einen schlechten Tag haben und jemanden übersehen.

  • Aber es ist doch so, dass man als Autofahrer:in beim Abbiegen (weil so konditioniert) sich mehr Sorgen darum macht, den sich hinter stauenden Verkehr weiter aufzuhalten, als jemanden umzufahren.
    Nicht weil letzteres egaler wäre, sondern weil ersteres wahrscheinlicher ist.

    Und der Pseudoblick zur Seite nutzt eben nichts. Siehste nix, musste Dich vortasten.

  • ALLE Verkehrsteilnehmer können mal einen schlechten Tag haben und jemanden übersehen.

    Ah, Whataboutism-Time. Dummerweise bringen die motorisierten Verkehrsteilnehmer beim Übersehen aber dauernd Leute um. Oder sie sorgen für einen längeren Krankenhausaufenthalt.

    Radfahrer tun das sicherlich auch mit Fußgängern, aber unglaublich viel seltener.

  • Ich glaube, im Großen und Ganzen ist hier schon klar, dass mit die Autofahrer nicht sämtliche Personen gemeint sind, die Auto fahren.

    Es würde vielen von uns (Autofahrenden) gut tun, wenn wir uns ein bisschen mehr hinterfragen würden.

    Das Beispiel von Stephan erlebe ich häufig, wenn ich mit dem Auto in Hannover unterwegs bin:

    Warte ich beim Abbiegen auf Radfahrende wird regelmäßig gehupt. :doh:

  • "Übersehen" trifft es meiner Meinung nach schon gut. Grund für das Übersehen ist, nicht richtig hin zu schauen.


    Ich bin in der Stadt sehr viel als Radfahrer unterwegs, ein wenig als Fußgänger und kaum als Autofahrer.


    Meiner Wahrnehmung nach verhalten sich "die Radfahrer" (ja, das ist sehr pauschal) am schlimmsten. Rotlichtverstöße, enges Überholen, telefonieren, kein Abbiegezeichen etc. Highlight war ein Typ, der mir an einer rot gewordenen Ampel von hinten aufs Rad gefahren ist, weil er bei Rot halt einfach weiterfahren wollte.


    Trotzdem halte ich Fehlverhalten von Autofahrenden für wesentlich gefährlicher, einfach weil viel mehr Masse und Geschwindigkeit im Spiel ist. Deshalb sind auch meine persönlichen Anforderungen an das Verhalten vom Autofahrenden höher.

  • ...

    Trotzdem halte ich Fehlverhalten von Autofahrenden für wesentlich gefährlicher, einfach weil viel mehr Masse und Geschwindigkeit im Spiel ist. Deshalb sind auch meine persönlichen Anforderungen an das Verhalten vom Autofahrenden höher.

    Danke!

    Das erinnert mich auch wieder an einen Dozenten im Studieninstitut, der der Ansicht war, dass man im Straßenverkehr als Autofahrende*r eine Art Waffe führt und dementsprechend vor- und umsichtig handeln müsse (und auch er war hauptsächlich Autofahrer).

  • Ich bestreite ja nicht, dass ein PKW im Straßenverkehr das höhere Risiko darstellt und umsichtiger Betrieben werden muss.


    Und nicht nur beim Abbiegen gilt - je größer mein Fahrzeug ist, um so vorsichtiger muss ich damit umgehen.


    Was ich in der Debatte zu undifferentiert finde: Der pauschale Vorwurf "Übersehen ist Ignoranz / Vorsatz".


    Und ich denke im Straßenverkehr kann es nur mit "wir" und nicht mit "ICH" funktionieren.


    Meinen Kindern versuche ich aber beizubringen, dass sie sich nicht darauf verlassen können / dürfen, dass sie jeder sieht. Es gibt eine Stelle bei uns im Ort, da können Autos sich nur blind AUF den Radweg vortasten um auf die Kreisstraße abzubiegen.

  • Ich nehme als Radfahrer ab und an auch "Rücksicht" auf die Autos, aber einfach um mich selber zu schützen.


    Man entwickelt doch auch so etwas wie Intuition, sammelt Erfahrung und hat ein Gespür dafür, ob der Autofahrer mich gerade sieht. Ich rege mich auch nicht künstlich auf, wenn es dann mal knapp war, sondern fahre entspannt weiter.


    Es gibt auch sehr viele Radfaher, da spürt man förmlich, wie Sie nochmal extra in die Pedalen hauen, um diese Konfrontation mit dem abbiegenden Auto zu suchen, um sich dann wild aufzuregen.


    Arschlöcher gibt es auf der Nord, aber auch auf der Ost, West und Süd.

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  • Dummerweise bringen die motorisierten Verkehrsteilnehmer beim Übersehen aber dauernd Leute um.

    Zur Versachlichung der Debatte tragen solche Äußerungen aber auch nicht unbedingt bei. Solche schlimmen Unfälle sind eher selten. 2020 starben in der LHS sieben Personen bei Verkehrsunfällen. Wie viele davon durch Schuld eines motorisierten Beteiligten verstorben sind, kann ich der Statistik nicht entnehmen.

  • Helfen würde wenn einige Autofahrer auch mal das Rad in der Stadt nutzen würden

    (anders herum macht das wohl wenig Sinn da oft kein Auto zur Verfügung steht)

    So würde man mal die andere Sichtweise auf den Verkehr einnehmen.


    Da ich beides in der Stadt recht gleichmäßig nutze (berufl. / privat) bilde ich mir ein das

    ich mich mit einem anderen Verständnis im Verkehr bewege - ob nun im Auto oder auf dem Rad.