Arbeitsmarkt/Jobs etc...

  • Was geht euch auf die Nerven? Oder Lächeln-Thread? Ich tu's mal hier rein:


    Ich habe mehr als ein Vierteljahrhundert beim selben Arbeitgeber verbracht - erste Arbeitsstelle nach dem Studium, dann die ganze Reise mitgemacht, vom kleinen Kommunalbetrieb zum Standort eines der größten deutschen Konzerne seiner Art. Im Rahmen meines Fachs habe ich dort viele verschiedene Jobs ausgeübt, auch in Führungspositionen. Jeder hat mal Phasen, wo man über einen Wechsel nachdenkt, die Waage ist bislang immer auf der "bleiben" Seite runtergekommen.


    In den letzten Jahren ging dann die Spirale aber krass nach unten: unter der neuen Leitung wurde die Abteilung konsequent personell runtergekürzt bei steigenden Anforderungen, quantitativ und qualitativ. Die letzten 4 Jahre habe ich durchgehend erhebliche Überstunden gemacht. Die Burnouts der Beschäftigten nimmt man so hin, Hey wenn die Lohnfortzahlung endet spart das schließlich auch. Kompensation der Kürzungen durch REorganisation und Digitalisierung bleibt ein schönes Wort, eine Rettung, die ja "schon bald kommt". In den letzten 12 Monate konnte ich dann auch noch hautnah rausfinden, dass es das Wort Bossing gibt und was es bedeutet. Als ich mich dann endlich dazu durchgerungen habe, dass ein Wechsel zwingend ist, ging es blitzschnell, die erste Bewerbung war in 14 Tagen unter Dach und Fach. Selbstredend ist man mir beim Austritt keinen einzigen Tag entgegengekommen, die letzten Monate waren begleitet von eisigem Schweigen der Leitungsebene und einer exquisiten Auswahl von Aschenputtel-Aufgaben. Zuletzt hab ich nicht mal mehr die Mails mit den Updates zu den internen Corona-Maßnahmen bekommen.


    Jetzt habe ich den letzten Tag hinter mir. Das war ziemlich emotional, die direkten KollegInnen werden mir sehr fehlen. Auf sie kommt eine harte Zeit zu, denn ich bin nur eine von vielen, die sich in den letzten Monaten entschlossen hat zu gehen.


    jetzt Resturlaub, im Januar beginnt der neue Job - diese Zwischenwelt fühlt sich seltsam an. Total erschöpft, der Kopf brummt, die Gestalt im Badezimmerspiegel kenne ich gar nicht. Freude auf den Neuanfang, natürlich auch gemischt mit Unsicherheit. Puh was für ein Jahr, dieses 2021.

    Einmal editiert, zuletzt von McConren ()

  • Ich habe ja was ähnliches hinter mir, wenn auch nicht ganz so krass (Entzug von Corona-Mails...). Beim Austritt ist man mir nur deswegen um 14 Tage entgegen gekommen, weil ich ja sonst hätte "krank machen können".

    Seit September arbeite ich nun im neuen Job, und das einzige, was mich nervt, ist, dass ich mich halt in komplett neue Strukturen hineinfinden muss. (Ein Beispiel: Gestern in der Hildesheimer Zeitung, Auflistung alle bestehenden und geplanten Testmöglichkeiten "Im ehemaligen H&M-Markt". Wie zum Donnerdrummel soll ich sowas ohne Adressangabe finden und anderen erklären, wie sie es finden...?)


    Ich wünsche dir für deinen Neustart alles, alles Gute, ich gehe davon aus, dass du von deiner Entscheidung profitieren wirst, selbst wenn es sich aktuell noch seltsam anfühlt.

  • Ja, ganz sicher die richtige Entscheidung, reiflich überlegt :ja:

    Die Kalkulation mit dem "krank machen" hat man ganz sicher durchgeführt, das kenne ich von anderen Abgängen. Es gab auch Phasen in denen ich jederzeit einen Schein bekommen hätte. Ich wollte "denen" aber einfach nicht zugestehen, mich kleinzukriegen mit der Scheiße. Habe aber volles Verständnis, wenn man zum Selbstschutz die Reißleine zieht! Und habe auch oft gehört, warum ziehst Du das durch. Die reine Sturheit ;-)

  • Ich ziehe meinen Hut vor euren Entscheidungen!


    Es ist ein Zeichen großer Stärke, wenn man selbst die Entscheidung trifft, dass man neue Wege gehen möchte, muss oder will.


    Ich wünsche euch viel Glück und Lebensfreude im neuen Job!