Jan Schlaudraff

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    Die Gerichtskosten sind für die 1. Instanz grundsätzlich mit 3,0 Gebühren­sätzen festgesetzt. Sie unterliegen nicht der Umsatzsteuer bzw. MwSt.

    Eine 1,0-Gebühr bei einem Streit­wert von 500 000,00 Euro beträgt 3 536,00 Euro (§ 34 GKG).

    Somit berechnen sich die Gerichtskosten wie folgt: 3,0 × 3 536,00 = 10 608,00 €.



    Hätte da mit mehr gerechnet.

  • Spielt gern selbst mit dem Prozesskostenrechner (Link zum Anwaltverein) rum. In wirtschaftsrechtlichen Streitigkeiten interessiert normalerweise die Umsatzsteuer nicht so sehr.


    Wobei das hier die Anwaltskosten nach Gebührentabelle sind. Niedrigere darf ein Anwalt nicht vereinbaren, höhere indes schon. Üblich sind Stundensätze zwischen (je nach Kanzlei, Seniorität und Fachgebiet) zwischen 200 und 600 Euro - für Rockstars der Branche auch noch etwas höher (vierstellig ist aber die absolute Ausnahme, habe ich in Deutschland auch noch nicht gesehen, mit einem US-Anwalt mit vierstelligem Dollar-Honorar hatte ich hingegen schon zu tun).

  • Wahnsinn, wenn man dann die ganzen verlorenen 96 Streitigkeiten im Kopf hat ist da RICHTIG Kohle verballert worden.

  • Nun ist das nicht Verdienst. Insbesondere rechnen Anwälte im Gegensatz zu Handwerkern nicht die Arbeitszeit des mit offenem Mund daneben stehenden Lehrlings mit ab ;) Verbrauchsmaterialien werden auch nicht abgerechnet, ebenso wenig Fortbildung, die gegenüber Handwerksbetrieben sicherlich aufwändigere Bürotechnik, sonstige Arbeitsmittel (bei uns z.B. Zugang zu elektronischen Datenbanken >15.000 EUR p.a.), und viele Mandanten stehen auf repräsentative Büros (dem entziehen wir uns). Soll natürlich kein Klagelied sein, aber in der Tasche hat man die Kohle halt nicht.


    Und normalerweise berechnet man das auch nicht durch eine Arbeitswoche durch. In Großkanzleien gibt es Fleißbienchen für abrechenbare Stunden, und die "Besten" liegen über 3.500 im Jahr (ja, einschließlich nicht wirklich abrechenbaren Stunden wie Geschäftsentwicklung und pro bono Mandate). Meine Meinung dazu ist, dass das ohne Abrechnungsbetrug gar nicht geht, aber gut.


    Erstaunlicherweise sind häufig die teuren Anwälte ihr Geld eher wert als die anderen. Ich habe einen deutschen Mandanten gehabt, der in den USA einen "bet the company" Streit führen musste (wir nennen so Rechtsstreitigkeiten, von denen das Schicksal des ganzen Unternehmens abhängen kann). Der Kollege mit dem vierstelligen Dollar-Stundenhonorar war einer der allerbesten Anwälte auf seinem (sehr spezialisierten) Rechtsgebiet in den USA. Der hat am Ende ja nicht das ganze Mandat mit x-hundert Stunden abgerechnet, sondern Expertise und strategische Beratung zugeliefert, am Ende vielleicht 20 oder 30 Stunden. Da war für den Mandanten jeder Dollar gut investiert, weil genau die Kniffe und strategischen Empfehlungen am Ende sehr geholfen haben. Gestritten haben wir uns mit der US-Kanzlei hingegen über die 90 Stunden, die ein Frischling á 250 oder 300 Dollar aufgeschrieben hatte, um ein Memorandum mit zig Seiten zu erstellen, das zur Hälfte am Thema vorbei war und zur anderen Hälfte Dinge enthielt, die ich vorher schon wusste (und für Leute "vom Fach" auch trivial waren).


    Diese Associates sind es aber, die in Großkanzleien den "Hebel" für die Partner darstellen. Großkanzlei-Partner mit einiger Seniorität erwarten in USA eine (mehr oder weniger deutlich) siebenstellige Entnahme. Die können sie nach Abzug der Kostenquote kaum selbst bringen. Deswegen müssen sie die Arbeitsstunden ihrer 5 bis 10 Associates teuer verkaufen, die bekommen nämlich grob ein Zehntel so viel Gehalt, haben aber immerhin den halben Stundensatz des Partners (oder ein Drittel). Und in den USA, wo es keinen wirklichen berufspraktischen Teil der Ausbildung gibt, frisch von der Uni auch überhaupt keine Ahnung von irgendwas.


    Edit: Und das gilt abgemildert, aber im Prinzip genau so in Deutschland.

    Einmal editiert, zuletzt von theMenace ()

  • Nun ist das nicht Verdienst. Insbesondere rechnen Anwälte im Gegensatz zu Handwerkern nicht die Arbeitszeit des mit offenem Mund daneben stehenden Lehrlings mit ab ;) Verbrauchsmaterialien werden auch nicht abgerechnet, ebenso wenig Fortbildung, die gegenüber Handwerksbetrieben sicherlich aufwändigere Bürotechnik, sonstige Arbeitsmittel (bei uns z.B. Zugang zu elektronischen Datenbanken >15.000 EUR p.a.)........

    Und der selbstständige Handwerksbetrieb hat geringere Nebenkosten ?

    Schon mal ein paar Lizenzen spezielle Fertigungssoftware gemietet? Frag mal einen Tischler was der für ordentliches Werkzeug p. a. aufbringen darf. Und Fortbildungen gibt es tatsächlich auch und erst recht bei guten Handwerkern.

    In die Stundensätze und Materialaufschläge rechnen die ihre Nebenkosten und Gewinne genau so hinein wie der Anwalt in seine Stundensätze.


    Bloß bei der Rechnung vom Anwalt wird nur geschluckt und beim Handwerker geschimpft.

  • Um aufs Thema Schlaudraff zurückzukommen, ich habe gehört, das Tischler 19% MwSt einziehen, und nur 7% abführen.

    Ist das richtig?