Lokalpolitik, -wahlen und so

  • Vollkommen legitim, dass man Scholz vorzieht. Vollkommen legitim, dass man Onay etwas vorbelastet durch die Zusammenarbeit der Grünen mit der SPD sieht, sofern man mit der bisherigen Politik nicht einverstanden war und sich eine komplette Wende gewünscht hat. Nicht ok, dass man irre Behauptungen aufstellt, nach denen Hannover ab morgen pleite, ohne Gewerbe und in Schutt und Asche liegend ist, weil es eine "autofreie Innenstadt" geben soll. Noch irrer, wenn man dafür als Referenz London anführt. Wer einmal in London war, weiß, dass die Innenstadt alles andere als autofrei ist.

    Und ja, natürlich ist das Fanmag ebenfalls eine Blase.

  • Die "Blase Fanmag" scheint mir aber trotz mehrheitlich klar geäußerter Präferenzen differenzierungsfähiger zu sein als manch andere.

    Gerade das Thema Verkehr emotionalisiert natürlich leicht. Aber nochmal: kein (Ober-)Bürgermeister kann das alleine entscheiden, es bedarf Mehrheiten im Rat.

    Und n.b.: ich halte die Fokussierung auf den Verkehr bei aller ökologischer und ökonomischer Wichtigkeit nicht für das alleine zentrale Thema für die zukünftige Entwicklung von Hannover. Mindestens so wichtig sind Wohnen, die Entwicklung der Stadtgesellschaft und das Zusammenleben sowie die komplexen Stadt-Umland-Beziehungen gehören da mit dazu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  • ich halte die Fokussierung auf den Verkehr bei aller ökologischer und ökonomischer Wichtigkeit nicht für das alleine zentrale Thema für die zukünftige Entwicklung von Hannover. Mindestens so wichtig sind Wohnen, die Entwicklung der Stadtgesellschaft und das Zusammenleben sowie die komplexen Stadt-Umland-Beziehungen gehören da mit dazu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

    Ganz genau.

    Wie wollen wir in Zukunft in unserer Stadt einzeln und miteinander leben?

    Verkehr, Wohnen, Grünflächen und andere Gemeinschaftsflächen, dezentrale Einkaufsmöglichkeiten, lokale Wirtschaft, etc. sind drängende Themen einer Stadt.


    Ich bin sehr gespannt, welche Impulse in Zukunft aus dem Rathaus kommen.

  • Ich würde das gerne noch um eines ergänzen:

    Man darf mE auch nicht übersehen, dass eine Großstadt und Landeshauptstadt zwangsläufig auch noch andere Funktionen zu erfüllen hat, die letztlich auch ein Stück weit ihre Bedeutung begründen. Wer in der Stadt selber lebt, sich tagtäglich in ihr bewegt, hat ggf - jetzt bin ich doch wieder auch beim Verkehr :engel:- andere Wünsche (verständlicherweise) , aber ein wirtschaftlich/touristisch/politisch bzw. verwaltungstechnisch sehr weit ins Umland und darüber hinaus wirkendes Oberzentrum muss auch für die Erreichbarkeit Lösungen finden, also neben den berechtigten Belangen der "eigenen" Bevölkerung zumindest ein Stück weit die darüber hinaus gehende Funktion mitdenken, das sind dann auch Inteeressen von Leuten, die in der Stadt nicht an Wahlentscheidungen mitwirken dürfen.

    Gerade da wird das demnächst spannend werden .

  • Ich wollte nichts gegen Onay sagen. Nur etwas relativieren. Ich habe mir die Facebook Kommentare nicht durchgelesen. Weiss aber natürlich was ihr meint, z.B. bei Spiegel Online, wo ich regelmäßig Puls bekomme...


    So übertrieben und lächerlich die Einzelkommentare sein mögen, teile ich ein grundsätzliches Bedenken hinsichtlich "grüner" Politik (Forderungen, z.T. Aber auch mit anderen Parteien realisierte Entscheidungen, z.B. Kohleausstieg). Sie wird vielfach mit dem Charakter etwas Absoluten, Alternativlosen postuliert. Das halte ich für grundfalsch. Ich muss immer in Alternativen denken. Und ALLE Auswirkungen einbeziehen. Was kostet mich Etwas (sowohl ökonomisch als auch ökologisch bzw. an Ressourcenverbrauch)? Was bringt es mir? Was kann ich deswegen nicht realisieren (Opportunitätskosten)?


    Um auf die Verkehrspolitik in Hannover zurückzukommen: Die wäre für mich erfolgreich, wenn sich die Verkehrssituation - umfassender eigentlich sogar die Lebensqualität (unter weiteren Nebenbedingungen) - in Hannover verbessert. Und dafür ist eben weniger Individualverkehr - im Sinne von man beschränkt die Zufahrt zur Innenstadt, man repariert Schlaglöcher oder Brücken nicht oder allenfalls mit zeitlichem Verzug - nicht ausreichend. Ich muss vielmehr auch "positive" Dinge tun. Und da reicht es m.E. nicht aus, Radwege zu bauen oder Straßen in solche unzuwidmen bzw. ein paar Stadtbahnen zusätzlich fahren zu lassen. Es gibt zig Fragen, die man in diesem Zusammenhang diskutieren kann (z.B. Verkehrsvermeidung durch "härtere" Raumplanung oder Fernarbeitplätze bis hin zum besserem Übergang von Individualverkehr in der Fläche in einen Kollektivverkehr in den urbanen Zentren. Die sind natürlich nicht spezifisch für Hannover. Aber da fände ich es eben toll, wenn Hannover unter Unay aktiv an Ihnen arbeiten würde.


    Wenn ich mir die Verkehrssituation in und um Hannover ansehe, ist die A2 ein Riesenproblem. Aktuell und schon seit Jahren. Da mag regionaler Verkehr eine Rolle spielen. Aber die A2 ist eben auch eine extrem belastete Strecke mit hoher gesamtdeutscher und europäischer Bedeutung, insbesondere im Bereich LKW. Für eine Lösung benötigt man das Land Niedersachsen, den Bund und ggf. EU. Bei Sperrungen, aber auch schon bei normalen Staus und z. T. sogar regulärer Lage sickert auch Fernverkehr auf die Schnellwege und das weitere Straßennetz in Hannover. Insbesondere weil es keinen Autobahn"ring" um Hannover gibt, es fehlt eine Südwesttangente, so ungefähr von östlich Bad Nenndorf bis nördlich Hildesheim. Und da - das ist jedenfalls meine feste Überzeugung - weder den transkontinentalen Verkehr noch den regionalen Individualverkehr aus der Fläche ins urbane Zentrum ökonomisch und ökologisch sinnvoll als alleinige Lösung auf der Schiene gestaltet werden kann, ist auch ein Straßenneubau erforderlich. Eine Entlastungsautobahn parallel zur A2 südlich von Hannover. Mindestens aber eine Südwesttangente (Bad Nenndorf - Hildesheim). In einer Stadt wie z.B. München hätte man schon lange - und sehr laut - auf die unhaltbar und zu einem erheblichen Teil durch überregionalen Verkehr verursachte Situation hingewiesen und Abhilfe gefordert. Meine Erwartung an Unay (aufgrund der Erfahrung mit Grünen insgesamt) ist, dass er keine neuen Straßen bauen lässt. Und überhaupt nicht prüfen lässt, ob ein Straßenbau im Einzelfall insgesamt (ökonomisch wie ökologisch) sinnvoll ist. Eben weil es eine übergeordnete Ideologie "Straßen sind schlecht" gibt. Das ist der (zugegeben kleine) Kern, wo ich die "andere" Blase nachvollziehen kann.

  • Ist Ecki eigentlich kein CDU Mitglied? In der Wahlwerbung der HAZ stand er sei parteilos und es war auch kein CDU Logo zu sehen. Das fand ich für einen Kandidaten der CDU doch etwas komisch.

  • Nicht unüblich.


    Offensichtlich ja auch ein absoluter Ehrenmann, der Ecki. Zumindest zeigt er sich als fairer Verlierer. Ich küsse sein Auge.

  • Ganz genau.

    Wie wollen wir in Zukunft in unserer Stadt einzeln und miteinander leben?

    Verkehr, Wohnen, Grünflächen und andere Gemeinschaftsflächen, dezentrale Einkaufsmöglichkeiten, lokale Wirtschaft, etc. sind drängende Themen einer Stadt.


    Ich bin sehr gespannt, welche Impulse in Zukunft aus dem Rathaus kommen.

    Ja, wird spannend. Als Umlandbewohner habe ich schon mal aufgemerkt, als ich heute morgen in der HAZ las: "Große Wohnungsbaugebiete will er im Umland erschließen, damit im Stadtgebiet mehr Raum für Grünflächen bleibt."


    Hannover wird grün, dafür Flächenfraß ins Umland, wo sich schon jetzt in manchen Ecken Logistikzentrum an Logistikzentrum reiht? Das hielte ich für eine mindestens so unattraktive Idee wie Giftzwergs Vision von der Südautobahn oder Hochgeschwindigkeitsbahntrassen durch das Calenberger und das Schaumburger Land.

  • Der hannoversche OB kann genauso wenig wie der hannoversche Rat Baugebiete im Umland, dh in anderen selbständigen Gemeinden wie zB Isernhagen, Neustadt usw ausweisen und erschließen. Das liegt allein in der Hoheit der jew. Kommune und braucht "nur" die Abstimmung mit der nächsthöheren Planungsbehörde, welche aber die Region Hannover ist, nicht die Stadt Hannover.

    Denke, da hat unsere Superpresse unpräzise formuliert, oder B.O. hat es im Eifer irritierend formuliert.

    Gemeint sind wohl eher die Randbereiche der Stadt, dann aber hoffentlich mit Stadtbahnanschluss (s. Diskussion Wasserstadt Limmer) - für den ist dann aber wieder die Region als ÖPNV-Trägerin zuständig...;)

  • Du hast vollkommen recht, zum Glück, aber die Haltung hinter seiner Aussage (so sie korrekt wiedergegeben und nicht verfälscht wurde) wäre dennoch bemerkenswert.

  • Ja, stimmt, er hatte meine ich ja im Wahlkampf auch vom 365 € ÖVTicket gesprochen - das kann die Stadt so nicht einführen, weil der Zuständigkeitsbereich der Region...

  • Offensichtlich ja auch ein absoluter Ehrenmann, der Ecki. Zumindest zeigt er sich als fairer Verlierer. Ich küsse sein Auge.

    Die Neue Presse schreibt heute, Belit könnte Ecki ins Rathaus in sein Team holen. Die beiden können wohl gut miteinander.