• Ich denke auch, wir müssen sehr sehr aufpassen, dass zum viralen Wahnsinn nicht auch noch der sozial-gesellschaftliche hinzukommt. Italien verlängert jetzt die Ausgangssperre quasi bis auf Weiteres, also ohne ein konkretes Datum zu nennen. Irgendwann werden aber auch die Italiener jedes Balkonlied gesungen haben und dann wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit und Sozialkontakt bekommen "müssen". Wenn dann immer massiver genau dagegen vorgegangen werden wird, dann hat man sich eine Situation geschaffen, die wirklich niemand wollen kann. Das Ganze hat sich dann genauso perpetuiert wie der Virus selbst.


    Und dem kann man m.E. nur entgehen, wenn man sich - ohne wenigstens relativ gesicherte Indikation genau für diese Maßnahme - gar nicht erst an den Anfang des Kreises setzt. Es ist das letzte Korn, das man verschießen kann, mit ungeahnten, nicht vorausrechenbaren gesellschafts-politischen Folgen - und aktuell eben nicht eben gesichertem Nutzen im Vergleich zu den Einschränkungen, die es ohnehin bereits gibt.

    Einmal editiert, zuletzt von Zackzack ()

  • Gesunder Menschenverstand ist ein Nullwort, da es ja nichts genaues aussagt.


    Mein gesunder Menschenverstand ist z.B. auf Vorsicht konditioniert. Auf Zurückhaltung, minderen Egoismus und höherer Slidaritätsgedanke.


    Die Ängste und Grundeinstellungen meiner Eltern, besonders der Mutter waren die Konditionierungwerkzeuge.


    Ich vermute, Menschen, die immer die Überholspur nehmen haben da komplett andere Ausprägungen in der Kindheit erlebt, die eben ihr Verhalten und Denken noch im Erwachsenenalter steuern.


    Als vorsichtig konditionierte Person fühl ich mich zwar in der derzeitigen Situation gut aufgestellt, traue aber meinem Mitmenschen nicht mehr sehr (schon eit einigen Jahren) und befürchte daher eine Ausgangssperre.

    Ich bin mir sicher, dass unter den Umständen auf jeden Fall das System, in das wir geboren wurden und in dem wir hier die letzten Jahrzehnte gelebt haben tot ist und nie wieder auflebt in unserer noch verbleibenden Lebenszeit.

  • Vielleicht sollten wir einen Forums - Chart einführen, wer wieviele Kontakte am Tag hat.

    Ich würde das als ehrlicher/glaubwürdiger ansehen, als diesen interlektullen Penisvergleich, der sich hier eingeschlichen hat, und immerweiter ausufert.

  • Und jetzt was nicht so Schönes.


    Ich bin seit ein paar Tagen (verstärkt seit gestern) tatsächlich damit beschäftigt, darüber nachzudenken, wie ich damit umgehe, dass ich meinen Mann vielleicht nie wieder leibhaftig erleben werde.

    Zieh dich damit nicht zu sehr runter, etwas mehr Zuversicht wäre schon angebracht. So und nicht anders!

  • ExilRoter & andro96 , ich beziehe mich da auf die Aussagen von Prof. Drosten aus dem gestrigen Podcast.


    (16) Wir brauchen Abkürzungen bei der Impfstoffzulassung


    Und dann dort ab Seite 4, "Umfassende Modellierungsmodelle".

    Jo, danke!


    Dieses Zitat hole ich mal raus, da es sich mit dem langen Wurf beschäftigt:

    Einmal editiert, zuletzt von andro96 ()

  • Ähnlich sieht das bei dem Jugendlichen aus, der jetzt abends am Küchengarten rumlungert. Auf ihn bezogen haben wir vielleicht 98% der erreichbaren Reduzierung der Verbreitungsgeschwindigkeit dadurch erreicht, dass er nicht mehr in die Schule, ins Kino und zum Fußballverein geht. Für die letzten 2% (von denen man davon auch nur die Hälfte erreicht) braucht es Ausgangssperre, Polizeistaat (am besten noch mit Bundeswehr), Handyortung und sowas? Halte ich nicht für sinnvoll.

    Der Jugendliche am Küchengarten ist dort mit acht oder zehn oder 12 anderen Jugendlichen zusammen, ohne dass der nötige Abstand da ist. Vielleicht hat er sich am Mittag mit acht bis 12 Jugendlichen getroffen, die er von einem anderen Kontext her kennt, und am Vormittag nochmals mit einer anderen Gruppe. Im Kino ist er vielleicht sogar weniger Leuten nahe als in diesen Grüppchenbildungen. Die in den 20ern machen dann Abends noch Privatfeten.

    Gerstern habe ich auch Leute gesehen, die sich in Grüppchen, die sich zufällig auf der Straße trafen, gegenseitig umarmten.


    Bei dem schönen Wetter hat sich das in den letzten Tagen alles potenziert und auf die Grünanlagen konzentriert, es war soviel los wie an einem schönen Wochenende, vielleicht sogar mehr, weil da auch Leute shoppen gehen (was wegfällt) oder einen Ausflug in die Umgebung machen. Jeder direkte Sozialkontakt über die notwendigen hinaus ist angesichts der Ansteckungefahr und der mangelnden Therapiemöglichkeiten (und angesichts der Tatsache, dass die Klinikkapatitäten begrenzt sind) einer zuviel.


    Ich denke, Merkels Rede war die letzte Chance, die man diesen Leuten zum Umdenken gegeben hat, letztlich wird man, sollten sich die Verhaltensweisen nicht ändern, zu schärferen Maßnahmen greifen müssen.

    Einmal editiert, zuletzt von Dahl ()

  • [...]Ich denke, Merkels Rede war die letzte Chance, die man diesen Leuten zum Umdenken gegeben hat, letztlich wird man, sollten sich die Verhaltensweisen nicht ändern, zu schärferen Maßnahmen greifen müssen.

    Die laut Experten aktuell nichts bringen und sogar kontraproduktiv sein können. Warum nimmt das denn keiner zur Kenntnis? Das ist ja zum Mäuse melken. Zumindest hat da noch keiner was belastbares gebracht von Euch in die Richtung.

  • juk96, mein Mann!


    Wenn das alles vorbei ist und ich wieder trinke, müssen wir unbedingt einen trinken!


    @andro: Sowas hat die noch nie aufgehalten. Das sage ich als Sozialwissenschaftler.


    Zu den Maßnahmen ein Hintergedanke: Wir diskutieren noch bei weitem nicht alle denkbaren Maßnahmen. Da werden noch sehr fürchterliche Vorschläge kommen, die ernsthaft diskutiert werden. Wenn schon mir was einfällt, was noch nicht in der Diskussion ist, und was zu inhuman ist, als dass ich es überhaupt zur Sprache bringen würde, dann müssen wir uns auf was gefasst machen.


    Nerven bewahren! Wir werden weder jetzt noch später eine abschließende Lösung finden, weil es keine gibt. Wir müssen in Modellen denken, gleichzeitig vereinfachen Modelle auch immer unzulässig.

  • Kleine Anmerkung am Rande: Das Imperial College meint, dass das Verbieten von Großveranstaltungen keinen signifikanten Effekt hat. Weil die Kontaktdauer hier typischerweise zu kurz ist.

    Ist zwar nicht die klassische Großveranstaltung, aber wie passt da der Virenherd Ischgl mit quasi einer gut gefüllten Après Ski-Bar als Epizentrum zu dem Denkmodell? Außerdem halte ich "Kontaktdauer" immer noch für einen sehr theoretischen Wert. Man kann sich in der ersten Sekunde ebenso gut anstecken wie in der zehnten Minute des Kontakts, daher dürften die 15 Minuten doch nur ein statistisches Mittel aber keine Absicherung gegen irgendwas sein.

  • Klarstellung:


    Ausgangssperren könnten durchaus den Virus eindämmen, sind vielleicht auch das einzige Mittel dagegen, wer weiß das schon, aber sie werden hier in Deutschland nicht funktionieren.

  • Euer Problem ist Euer Anspruch, ein Stichwort zu bekommen und immer und sofort alles verstehen zu wollen.


    Die Realität hat mit dem gesunden Menschenverstand absolut nichts zu tun. Der gesunde Menschenverstand ist eine praktische Lösung um in einer chaotischen Welt handlungsfähig zu bleiben und somit systematisch verzerrt. Meistens spielt das keine Rolle, aber hier schon.


    Diese Antwort gilt sowohl sasa spezifisch, als stscherer etwas allgemeiner.

  • sasa und stscherer :

    Warum blendet Ihr die Meinung komplett aus, die oben zitiert wurde? Was disqualifiziert eine Aussage von einem Chefepidemiologe und der Weltärtzeorganisation mit der Meinung "Ausgangssperre hilft nichts und macht Probleme die wir nicht brauchen" und qualifiziert Euch und Euren gesunden Menschenverstand genau das besser zu wissen?

    Weil ich vermute, dass die Grundannahme dieser Aussage ist, dass weniger strikte Maßnahmen funktionieren. Dann bin ich absolut dabei, wenn gesagt wird, dass eine Ausgangssperre nicht (weiter) hilft. Meine Annahme hingegen ist die, dass erst eine Ausgangssperre die Wirkung hat, die man sich von den aktuellen Maßnahmen schon verspricht. Dann wäre sie in meinen Augen leider bitter nötig, um die Ansteckungsrate in handhabbaren Größen zu halten.

    Hier wird meine Aussage übrigens exakt von einem Experten bestätigt. Die jetzigen Maßnahmen würden reichen, wenn sie eingehalten werden würden. Dann wäre der Zusatzeffekt einer Ausgangssperre zu klein, um diese sinnvoll einzuführen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die aktuellen Maßnahmen nicht eingehalten werden. Dann hätte eine Ausgangssperre einen spürbar positiven Effekt. Nun kann man sehr wohl anderer Meinung über das (Nicht-)Einhalten der aktuellen Maßnahmen sein. Nur wird es zu spät sein, um zu reagieren, wenn wir fundierte Daten dazu haben.


    "Theoretisch würden die aktuellen Maßnahmen mit geschlossenen Schulen, Bars und Geschäften auch ausreichen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen, sagt der Epidemiologe Timo Ulrichs von der privaten Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Entscheidend sei aber, dass die Menschen auch wirklich auf den persönlichen Kontakt zu ihren Freunden verzichten, sagt Ulrichs. Eine komplette Ausgangssperre hätte laut Ulrichs dann nur noch einen minimalen Zusatzeffekt."

  • Hat jemand Zugriff auf den HAZ+ Artikel zur Schließung einiger Hotels, u.a. Luisenhof


    Gerne per PN, vielen Dank!

  • Meine Kinder haben seit sechs Monaten keinen geregelten Schulalltag mehr. Von Oktober bis Dezember brachten die Unruhen alles durcheinander, danach gab es Sommerferien und jetzt ist Corona-Rumhocken angesagt. Wir machen zwar viel Home Schooling, aber das zerrt auch an den Nerven aller beteiligten.

    Seit heute ist das Militär wieder auf der Straße und das erste, was dieser Haufen in der Nacht gemacht hat, ist Graffitis und Installationen der Rebellion zu übermalen. So nah, wie die aber nebeneinander in ihren Lastern sitzen, werden sie nicht lange durchhalten. Das Land ist gerade auf einem guten Weg, einen neuen Corona-Rekord aufzustellen. Von Reisen nach Santiago rate ich vorerst ab.

  • [...]Ich denke, Merkels Rede war die letzte Chance, die man diesen Leuten zum Umdenken gegeben hat, letztlich wird man, sollten sich die Verhaltensweisen nicht ändern, zu schärferen Maßnahmen greifen müssen.

    Die laut Experten aktuell nichts bringen und sogar kontraproduktiv sein können. Warum nimmt das denn keiner zur Kenntnis? Das ist ja zum Mäuse melken. Zumindest hat da noch keiner was belastbares gebracht von Euch in die Richtung.

    Es gibt immer irgendwelche Experten, die das Gegenteil einer wissenschaftlich begründeten Mehrheitsmeinung behaupten. Außerdem gehst Du nicht darauf ein, dass es verschiedene Varianten von Ausgangssperren gibt - mehr Experten sind mit Recht gegen das ganz restriktive Modell, bei dem österreichischen sieht das anders aus. Vielleicht solltest Du das mal zur Kenntnis nehmen.