• Hm, wer hier durch Corona-Maßnahmen wirtschaftlich draufgeht, der/die hatte hier wohl somit eh nichts verloren und war zudem Klimaschädling? Der gesamte Kultur- und Bewirtschaftungsbereich (der vielleicht nicht in Gänze draufgehen wird, aber definitiv am meisten ächst)? Ernsthaft?

  • Natürlich nicht in Deiner Konsequenz.


    Aber nicht jedes Unternehmen, dass sich jetzt auf Corona beruft, tut dies zu recht. Und dies führt dazu, dass es halt ganz unterschiedliche Entwicklungen in der Pandemie gibt.


    Tatsächlich ist die Veranstaltungsbranche und die Gastronomie besonders betroffen... aber insgesamt ist ja vor dem nun anstehenden Lockdown der Wirtschaftseinbruch in Deutschland moderater ausgefallen als erwartet.


    Das mit dem "Umweltschädling" verstehe ich jetzt nicht so ganz... zB. haben wir in der Pandemie auch gelernt, wie gnadenlos wir die Digitalisierung in allen Bereichen verschlafen haben... und die zB. in Schule, die vorher vorne waren, haben ihren Vorsprung vergrössert, während die, die sich verweigert haben, nun noch weiter zurück sind.

  • Ich wiederhole mich (wieder ;)) einer reibt sich ganz bestimmt die Hände: Jeff Bezos.


    Dass sich einige Unternehmen gerade "gesundstoßen" (ich hasse diesen Ausdruck!), unbenommen.


    Edit: Kai vielen Dank auch für deinen Beitrag. Ich bin hocherfreut, dass Du als bekannt "nüchterner" (im besten Wortsinn), abwägender User so klare Worte findest.

    Einmal editiert, zuletzt von Tobi-Wan 96 ()

  • Digitalisierung, richtig. Ob sich da im Nachgang zu Corona tatsächlich so viel flächendeckend tut, ist aber natürlich nach wie vor abzuwarten. Skepsis ist angebracht, Merkel hat die Digitalisierungsoffensive im Grunde seit ihrer ersten Amtszeit groß angekündigt, im Ergebnis wurde es immer mieser und mieser.


    Und dass hierbei Unternehmen hinten runterfallen, die sich halt nicht so aufstellen wollten, sehe ich entsprechend auch nicht. Die meisten davon schreien auch schon seit Jahren bis Jahrzehnten nach einer besseren Infrastruktur. Verschlafen haben sie dabei selbstverschuldet erstmal weniger. Und falls die Lufthansa gemeint sein sollte - genau der geht es doch eben nicht an den Kragen. Dass dieses Brennglas also tatsächlich dazu führt, dass ein Ausdünnungsprozess hin zum Besseren und Faireren abläuft - ich bin da nach wie vor skeptisch.


    Und der "Klimaschädling" war sarkastisch drüber, sorry dafür.

  • Ah, Herr sasa wieder mit einer Frage. Zum Beispiel kann ich meinen Kumpel nicht gleichzeitig mit meiner Freundin sehen, weil 3 Haushalte. Ebensowenig kann ich mit meinen Kumpel nicht mit seiner Freundin sehen (gut, das ist manchmal vorteilhaft, aber ein Treffen zu 4. Ist auch mal schön.)


    Als jüngerer Mensch wohnt man leider nicht immer zusammen, geschweige denn man ist verheiratet. Und komm mir bitte nicht mit zoom oder ähnlichem. Zwar schon mehrfach gemacht, aber es ist kein Vergleich.

    Legitimer Einwand, an die Kombination Partner plus Freund(in) hatte ich gerade tatsächlich nicht gedacht.

    Ihr dürft euch trotzdem treffen. Wenn ihr in einer Partnerschaft seid, zählt ihr als ein Haushalt.

  • Tübingen beschreitet einen Sonderweg mit einem besonderen Schutz der alten Risikobevölkerung und fährt damit meiner Meinung nach sehr erfolgreich:


    https://m.tagesspiegel.de/poli…faelle-mehr/26698406.html

    Eben, zusätzlich zu den Kontaktbeschränkungen, Masken, Abstandsregeln, Schließungen von Freizeiteinrichtungen und Gastronomie etc., könnte man wahrscheinlich noch mehr tun, um gezielter Risikogruppen zu schützen.


    So wie Palmer in deinem verlinkten Interview es anregt.

    Zitat

    Wir setzen die Regeln des Landes in unserer Stadt eins zu eins um. Abstandsregeln und Masken sind absolut entscheidend dafür, dass die Infektionszahlen nicht explodieren. Aber der große Unterschied zwischen Tübingen und anderen Städten ist, dass wir zusätzlich zu all diesen Regeln oben drauf einen besonderen Schutz für die Älteren etabliert haben.

  • Klingt sehr vernünftig. Das mit den Schnelltests in Heimen wird natürlich auch woanders eingesetzt, allerdings erst wesentlich später. Im Heim meiner Mutter gibt es die z.B. erst seit dieser Woche.

    Bei den anderen Massnahmen weiss ich nicht, ob es die flächendeckend woanders auch schon gibt, die klingen für mich aber durchaus auch sinnvoll.

  • Zackzack

    Ich würde gerne noch mal anschließen an die Gastro- und Veranstaltungsbranche und das vielleicht noch ein bisschen erweitern auf den ganzen Niedriglohnsektor bzw. die Bereiche, in denen die sozialen Sicherungssysteme weitgehend außer Kraft gesetzt sind:


    Ich mache seit knapp 30 Jahren Familienrecht und habe sicherlich mehr als 20.000 Rentenauskünfte gesehen. Der Trend nach meiner subjektiven Einschätzung ist ganz eindeutig: die Altersvorsorge der meisten Menschen entwickelt sich in den letzten Jahren desaströs - leider weitgehend unbemerkt, selbst bei denjenigen, die durch das Scheidungsverfahren mal genau berechnet bekommen, wo sie eigentlich stehen.


    Wir stehen also vor der nächsten Pandemie: derjenigen zu Lasten von Menschen mit mehrfach gebrochener Erwerbsbiographie, mit zu geringen Vorsorgen fürs Alter und damit nicht auskömmlichen Einkünften in der Zeit, in der sie nicht mehr arbeiten wollen... oder können. Und genau Letzteres ist ja das Problem: in der Regel sind das ja keine Arbeitstätigkeiten, bei denen man sich nett schonen kann, sondern solche, bei denen mit 60-65 Jahren einfach der Körper es nicht mehr kann. Und bitte nicht falsch verstehen, die Menschen sind es eben nicht im Sinne der Konservativen (Republikaner im amerikanischen Sinne) selbst schuld, sondern die haben keine Chance auf angemessene Vorsorge.


    Nun ist die derzeitige akute Situation also für diese Bereiche so etwas wie Altersarmut im Schnelldurchlauf und flächendeckend: die Menschen können ihre Arbeitstätigkeit nicht mehr ausüben und haben keine angemessenen sozialen Sicherungssysteme...


    Ich empfinde es da ein bisschen zynisch, wenn gerade diejenigen nun ihre Empathie für die Gastro- und Veranstaltungsbranche entdecken, die sich bisher um diese krasse Fehlentwicklung in der Gesellschaft einen Scheiß gekümmert haben, weil sie mit ungebrochenen Erwerbsbiographien auf sicheren Arbeitsplätzen mit gesetzlicher und betrieblicher Rentenversorgung hocken. Denen geht es doch nicht darum, dass es den Soloselbständigen, Gastwirten, Veranstaltungstechnikern, Aushilfen, Krankenpflegern etc. etc. strukturell besser geht, sondern denen geht es darum, dass die endlich wieder für Party, Bedienung und Versorgung da sind.


    Ich hoffe ja, dass die Menschen, die vor Corona (zumeist unverschuldet, das ist mir ganz wichtig!) in dieser beschissenen Situation waren und deren Situation durch Corona noch beschissener geworden ist, die Zeit dazu nutzen, um zu schauen, ob überhaupt und welche Exitstrategie für sie möglich ist. Viele werden eine solche nicht haben, deswegen müßten eben viele Menschen einen Wandel haben wollen, da es eben nur gemeinsam angegangen werden kan. Gesehen haben wir ja nun offensichtlich, dass eine ganze Reihe von Menschen eben nicht heil durch so eine Krise kommen...


    Aber ich denke, dass würde ein schwerer Kampf, denn diejenigen, die in den letzten 20-30 Jahren unser Sozialsystem zu ihren Gunsten ausgehöhlt haben und dadurch massivste Vorteile besitzen, die werden sich das nicht so kampflos wegnehmen lassen - und derzeit sehe ich tatsächlich keine ernstzunehmende gesellschaftliche Kraft, die das auch nur überlegt.


    Da bleibt dann nur "Rette sich, wer kann": ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich damals vor 30 Jahren, als ich mit meinen Eltern und meiner heutigen Frau die Diskussionen geführt habe, ob und wie ich mit dem Aufbau einer Altersvorsorge über das Mindestmaß hinaus beginnen sollte, weniger störrisch, beratungsresistent und unreflektiert war als heute... so wird mir wenigstens das gut ausgehen. Ich weiss aber, dass das für viele andere Menschen nicht so sein wird - und dass die heutigen Rahmenbedingungen es halt auch viel zu schwer für viele junge Menschen machen, heute und morgen finanziell unter einen Hut zu bekommen.

    3 Mal editiert, zuletzt von stscherer ()

  • Der Punkt des Interviews ist doch nicht das lockern sondern der Ausblick auf den jetzt anstehenden Lockdown.

    Zitat

    Bei den über 75-Jährigen haben wir zuletzt überhaupt keine Fälle mehr gehabt. Deshalb hat auch unsere Uni-Klinik nur sehr wenige Corona-Patienten.

    Vielleicht wäre der ja in der Form nicht nötig .... Tübingen wendet ja anscheinend Konzepte an, die von Schmidt-Chanasit, Streeck etc. vorgeschlagen wurden und scheint damit aktuell ganz gut zu fahren. Selbst die haben aber nie davon gesprochen auf die Kernmaßnahmen zu verzichten.

  • Wäre vielleicht nicht nötig gewesen, wenn man das früher fächendeckend hinbekommen hätte, das mag sein. Aber auch Palmer spricht ja von der Notwendigkeit des harten Lockdowns jetzt.

  • ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich damals vor 30 Jahren, als ich mit meinen Eltern und meiner heutigen Frau die Diskussionen geführt habe, ob und wie ich mit dem Aufbau einer Altersvorsorge über das Mindestmaß hinaus beginnen sollte, weniger störrisch, beratungsresistent und unreflektiert war als heute... so wird mir wenigstens das gut ausgehen.

    Ein sehr guter Beitrag !

    Meine langjährige Erfahrung hat mich zu dem Schluß kommen lassen, dass auch ein allgemeines gesellschaftliches Symptom ist. Junge Leute haben oft ganz andere Prioritäten. Diese Prioritäten stehen dem Aufbau einer Altersvorsorge im Wege. Geld für eine Altersvorsorge zurückzulegen ist eher uncool. Cooler ist da z.B. schon das jeweils neuste Smartphone mit entsprechendem Vertrag. Es ist scheinbar auch für Geringverdienende ( dazu gehören ja auch Azubis) kein Problem, um die 50,-- p.M. für einen Mobilfunkvertrag incl. Gerätekosten zu zahlen. Aber es scheint schier unmöglich zu sein, 30,-- EUR für eine Altersvorsorge zurück zu legen.


    Immer ist irgendwas: Erst will man mal leben, dann die eigene Bude, dann Heirat mit Kindern und dann die teure Baufinanzierung (natürlich ohne oder mit geringem Eigenkapital). Darf gerne etwa mehr sein, denn man baut/kauft ja nur einmal. Ehe man sich versieht, ist man 40+ und stellt plötzlich fest, dass es nur noch gut 20 Jahre bis zur Rente sind. Dann wird sich gewundert, dass der finanzielle Aufwand für eine zusätzliche Altersvorsorge so hoch ist. Das kann man sich dann ja gar nicht leisten und tröstet sich damit, dass man ja wahrscheinlich gar nicht so alt wird.


    Selbst wenn eine Altersvorsorge in jungen Jahren begonnen wird, bezieht die sich größtenteils auf den Ehemann. Die Frau braucht ja nichts, da wir gemeinsame Kasse haben. Regelmäßig haben dann im Scheidungsfall die Frau die A-Karte.


    Sorry für OT.

  • Wäre vielleicht nicht nötig gewesen, wenn man das früher fächendeckend hinbekommen hätte, das mag sein. Aber auch Palmer spricht ja von der Notwendigkeit des harten Lockdowns jetzt.

    Hier in der Forumsblase und auch anderswo war man doch der Meinung überwiegend der Meinung, es würde gar nicht gelingen, alle alten Menschen effektiv zu schützen.


    Tübingen zeigt: Es geht sehr wohl.

  • Kai: Scheidung ist der große Wecker für viele. Wenn Frau und Kinder Unterhalt wollen, wird ganz plötzlich ein Betrag x dafür verwendet, damit dieser nicht in die Hände der Ex gerät.

    Die Anwältin klärt darüber auf, dass man 4 % über dem Satz der gesetzl. Rentenversicherung (eigentlich 4,3 %) anlegen sollte, da der Betrag dann in Abzug gebracht werden kann (im Mangelfall immerhin nicht). Und schon fällt der Groschen....


    Edit: Bei der Scheidung werden auch die Lebensversicherungen geteilt, sei es im Versorgungsausgleich, sei es im Zugewinnausgleich (es sei denn, man hat Gütertrennung vereinbart) . Insofern erhält auch die Frau in Deinem Beispiel was. Tricks gibt es da aber leider auch.....


    Zurück zu Corona: Soeben war eine Anwältin bei mir, die ich, weil sie aus einem anderen Bezirk kommt, länger nicht mehr gesehen hatte. Sie wirkte sehr angegriffen und verändert. In der Verhandlung erwähnte so an einer Stelle, sie habe im November Covid gehabt. Sie sei wieder negativ, leide aber unter den Folgen und sei sehr eingeschränkt.

    Einmal editiert, zuletzt von 4no1 ()

  • Wenn ich die Entwicklung in Europa so verfolge, sind die Aussichten für meine Ecke an März wohl auch eher düster. Momentan ist Concepcion der Hotspot in Chile und wir haben wie gewohnt unseren mittelharten Lockdown (keine Schule/ Uni, Nachtleben etc. seit März. Ausgangssperren am Abend und komplett am Wochenende usw.) Eine klare erste Welle hat es zumindest in der Bio-Bio Region nicht gegeben, denn das fließt hier wie ein beständiger Fluss herunter. Momentan sind die Zahlen etwas höher, weswegen ich nach Weihnachten mit der erneuten totalen Quarantäne rechne und der Sommer für den Popo sein wird. Nun ja, da muss man wohl durch.

    Ich stelle bei mir inzwischen fest, dass ich absolut keine Lust mehr auf Schlange stehen und Masken tragen habe. Ich bin kein Gegner, doch bei uns ist das seit März überall Pflicht, deshalb gehe ich mittlerweile nur noch im Park, im Wald und am Strand spazieren, wo die Masken nicht kontrolliert werden. Die Weihnachtseinkäufe erledige bei lokalen Anbietern online und auch die Sachen vom Wochenmarkt lasse ich mir liefern. Eine Sache werde ich mir heute aber gönnen: Seit gestern haben die Kneipen wieder auf, zwar nur bis 18 Uhr, aber auf ein gezapftes Bier warte ich ebenfalls seit März.

  • Wäre vielleicht nicht nötig gewesen, wenn man das früher fächendeckend hinbekommen hätte, das mag sein. Aber auch Palmer spricht ja von der Notwendigkeit des harten Lockdowns jetzt.

    Hier in der Forumsblase und auch anderswo war man doch der Meinung überwiegend der Meinung, es würde gar nicht gelingen, alle alten Menschen effektiv zu schützen.


    Tübingen zeigt: Es geht sehr wohl.

    Vielleicht hast es ja falsch verstanden?

    Was schwer bis unmöglich ist, wäre das Modell "Risikogruppen schützen und gleichzeitig hat der Rest wenig bis keine Einschränkungen".

    Tübingen zeigt: Neben den Maßnahmen die gerade bundesweit greifen, kann man noch darüber hinaus gezielt einen großen Teil der Risikogruppen besser schützen.