Mobilität - neue Wege oder neue Straßen?

  • Schau Dich mal auf der Seite von Copenhagenize um. Da gibt es praktisch keine neuen Artikel mehr, weil Colville-Andersen jetzt Bücher schreibt und eine Fernsehdokuserie über Städte dreht. Aber es ist ein Riesenarchiv, kostenlos, ohne Registrierung. Copenhagenize ist eine Agentur, die Städte in der Verkehrsplanung berät.

    Colville-Andersen war ja vor ein paar Jahren mal zu einem Vortrag in Hannover (und ich Arsch war nicht da). Er hat sich auch etwas in der Stadt umgesehen und einige kopenhagenisierbare Aspekte aufgezeigt.
    Die hiesige SPD sagte daraufhin sinngemäß, das sei ja schön und gut mit der Kopenhagenisiererei, aber dies hier sei eine Autostadt. Da könne man so einen Hokuspokus natürlich nicht machen. 🤷

  • Die Parteispenden aus der Autoecke zeigen den Weg, der hier noch weitgehend gegangen wird.


    Leider gibt es nur einen kleinen Ausschnitt von Andersens Vortrag in und über Hannover bei Youtube. Sein Vergleich mit einem Videospiel (a la Super Mario) finde ich sehr treffend. Mit dem Fahrrad durch eine deutsche Stadt zu fahren, ist ein lächerliches Videospiel. Mal auf einem Radweg, mal auf der Straße, mal nix, mal kaputt, mal nicht geräumt, mal zugeparkt, mal mit durchgezogener Linie, mal mit gestrichelter Linie, mal absteigen und schieben. Radfahrer werden nicht ernst genommen. Sie werden hier leider immer noch weitgehend als Freaks behandelt, die ein extremes Hobby haben. Lebenskünstler sind. Ihr Spielzeug ausfahren. Dabei ist es ein integratives Verkehrsmittel für alle Altersklassen, Geschlechter, Berufsgruppen und alles.


    Das zieht sich durch alles durch. Sogar die StVO ist immer noch autozentriert. Sie ist nur entstanden, um die Stadt und ihre Bürger autokompatibel zu machen. Vor Erfindung des Autos gab es keine StVO. Und auch kein Bedürfnis für sie.

  • Schau Dich mal auf der Seite von Copenhagenize um. Da gibt es praktisch keine neuen Artikel mehr, weil Colville-Andersen jetzt Bücher schreibt und eine Fernsehdokuserie über Städte dreht. Aber es ist ein Riesenarchiv, kostenlos, ohne Registrierung. Copenhagenize ist eine Agentur, die Städte in der Verkehrsplanung berät.

    Colville-Andersen war ja vor ein paar Jahren mal zu einem Vortrag in Hannover (und ich Arsch war nicht da). Er hat sich auch etwas in der Stadt umgesehen und einige kopenhagenisierbare Aspekte aufgezeigt.
    Die hiesige SPD sagte daraufhin sinngemäß, das sei ja schön und gut mit der Kopenhagenisiererei, aber dies hier sei eine Autostadt. Da könne man so einen Hokuspokus natürlich nicht machen. 🤷

    Quasi die Autohauptstadt eines Autobundeslandes.

    Denkt denn auch mal einer an die Arbeitsplätze in der niedersächsischen Autoindustrie?

    ...

    Arbeitsplätze!

  • Können die keine Volksfahrräder bauen? Und Nutzfahrräder. Und Fahrradanhänger. Und Velomobile. Und Busse. Und Züge. Und Wagen. Was man dann stattdessen braucht.

  • Wie willst Du denn bei einem Fahrradanhänger eine illegale Abschalteinrichtung einbauen? Junge, Junge. :schraube:

  • (...)

    Und in der Tat kann man Pokalhelds Argumentation sehr schwer begegnen. Denn seine ist bis zu Ende gedacht.

    (...)Wenn ich von meinen Argumenten überzeugt bin, dann vertrete ich diese auch gegen Widerstände. Das macht eine konstruktive Debatte aus.

    1. Unterstütze ich mit der Einschränkung: wenn ich in der Stadt wohne und verlässlich planbare und miteinander koordinierte Arbeitsverhältnisse habe. Bei einem Leben außerhalb einer Stadt mit täglich unter Umständen mehrfach wechselnden Arbeitsorten in zum Teil unterschiedlichen Städten und Gemeinden ist das dann - nicht immer reproduzierbar.


    2. Ist vielleicht nicht immer so, insbesondere beim Pflegen von Vorturteilen.

  • Ich sage ja auch immer, dass es hier auf dem Land nicht ohne Auto ginge. Was aber natürlich so nicht ganz richtig ist. Es geht schon. Es ist halt "nur" mühseliger, als in der Stadt.

  • Die Verkehrsinfrastruktur in der Stadt steht kurz vor einem Kollaps. Für die Entlastung gibt es nur eine Lösung: der individualisierte Autoverkehr muss reduziert werden. Das heißt - auch und gerade für die Stadtbewohner - attraktive Alternativmöglichkeiten. Diese wiederum können nur verbessert werden - z.Bsp. mit einem besseren Radwegenetz - indem man dem Autoverkehr Platz wegnimmt. Auch der Ausbau der ÖPNV führt zu einer Reduzierung von Raum für den Individualverkehr.

    Die Situation für den motorisierten Individualverkehr wird so oder so nicht besser.

  • Gerade Durchgangsverkehr hat innerhalb des Cityrings nichts verloren. Essentiell ist m.M.n., dass der Cityring uneingeschränkt befahrbar bleibt und auch nicht in der Breite, sprich hinsichtlich der Fahrspuren reduziert wird. Der Ring muss zentraler Verteiler für den Ziel-/Quellverkehr für die Innenstadt sein und zugleich auch den wohl nicht gänzlich vermeidbaren Durchgangsverkehr aufnehmen.

    Das hat die SPD, sofern ich das richtig verstanden habe, richtigerweise in ihrem Konzept drin, und ich bin sehr sehr positiv überrascht, dass das nun scheinbar auch die Grünen begriffen haben, hätte ich persönlich nicht erwartet.

    Innerhalb des Cityrings kann man sich dann - bei Erreichbarkeit der Parkhäuser/Tiefgaragen - vieles zur Neuaufteilung des Strassenraumes vorstellen.

    Ganz schön viel Text für jemanden, der eigentlich nur sagen möchte, dass alles bleiben soll, wie es ist. Zu Ende gedacht, läuft Dein Ansatz auf hier eine kleine Verbesserung, da ein kleiner Umbau hinaus. Immer schön mit Rücksicht auf den Autoverkehr. Und dafür lassen sich dann Leute als fortschrittlich feiern, obwohl sie strukturell nichts geändert haben.


    Parkhäuser -- auch innerhalb des Rings und überhaupt Parkflächen -- sind Verkehrserzeuger. Das ist jetzt nichts Neues, sondern seit über einem halben Jahrhundert Stand der Stadt- und Stadtverkehrsplanung. Das Problem ist nicht, dass es zu wenig Parkflächen, sondern zu viele Autos gibt. Innenstädte sind nun mal eng, also plant man am besten vom verfügbaren Raum aus und dann wiederum für alle, mit Priorität auf die platzsparendsten Verkehrsteilnehmer. Beginnend mit den Fußgängern. Die Innenstadt gehört schließlich allen, nicht nur den Autofahrern. Gemessen an ihrem Platzverbrauch sind sie aber extrem überprivilegiert.


    Und bevor wieder ein beliebtes Totschlagargument folgt: Menschen mit eingeschränkter Mobilität wird man trotzdem berücksichtigen können. Die stellen schließlich eine Minderheit dar, die sich relativ geräuschlos, aber effektiv integrieren lässt. Und auch das zweite Totschlagargument, nämlich die prophezeite Verödung der Innenstädte, ist mehrfach in der Praxis widerlegt worden. Wenn die Aufenthaltsqualität steigt (und das tut sie bei weniger motorisiertem Individualverkehr), kommen auch Menschen. Siehe Kopenhagen, siehe Groningen. Natürlich sollten sich parallel auch andere Dinge verändern, z.B. Ladenmieten (geringer) oder Orte zum Verweilen (mehr). Aber das ist jetzt keine Raketenwissenschaft.


    ("Mainstream", ich lach mich tot.)

  • Wo leben Menschen


    Nun, für 70% der Bevölkerung dürften die urbanen Konzepte eher so semi sein - weil sie in Städten unter 100.000 Menschen leben.


    Allerdings wird über Konzepte für diese Menschen praktisch nicht gesprochen - oder die dort ansatzweise diskutierten Konzepte, die einen wesentlich höheren Anteil an Individualverkehr vorsehen, werden negiert.


    Mich erinnert diese Diskussion ein wenig an die aktuelle zum Thema Kaufprämie: der gut verdienende VW-Arbeiter, der Verbrenner produziert, scheint wesentlich systemrelevanter zu sein als die Pflegekraft oder die Kindergärtnerin.

  • Mr. Mo : ganz schön viel Text für jemanden, der eigentlich nur sagen will, dass eine differenzierte und verschiedene Interessen berücksichtigende Argumentation halt sch... ist, weil sie nicht ins eigene ideologische Weltbild passt. Sag doch einfach: ich will das nicht, ich will keine Autos sehen, basta. So wie mustermann.

    Und jetzt lies nochmal alles das, was auf meine erste Äußerung von gestern gekommen ist, außer stscherer war da nirgends eine differenzierte Betrachtung.


    Das meine ich mit Mainstream hier im Forum.


    Meine Argumente, 96mettbrötchen , gehen mir noch lange nicht aus. Aber da weder individuelle noch ökonomische Argumente hier differenziert erörtert werden, sondern sinngemäß mit "gilt nicht" oder "ist nicht so" abgebügelt werden, ist die "Diskussion" hier jetzt verschwendete Zeit.

  • stscherer


    Von den 70 % Menschen, die außerhalb der großen Städte wohnen, sind wieviele % Autofahrer?

    Konzepte müssen die Bedürfnisse aller (!) berücksichtigen, auch derjenigen, die kein Auto haben oder nicht mehr in der Lage sind gefahrlos für andere ihr Auto zu fahren.


    wutzi96

    Von den "Autofahrern" kenne ich keine Argumente, kein Konzept was über ihre eigenen Bedürfnisse hinaus geht. Autofahrer nur als Teil (!) der mobilen Gesellschaft, ist für viele in ihrer Wahrnehmung nicht vorhanden. Und ein großes Stück weit, wurde das in den vergangenen Jahrzehnten so anerzogen.

    Ein Beispiel: stereotyp, aber Alltag; parken verbotenerweise an der Ecke,

    Rechtfertigung: "wo soll ich denn sonst parken, hier ist doch nirgendwo Platz". Das ist der Problemlösungsansatz derjenigen, denen lange Jahre ihre Probleme aufgrund ihrer individuellen Mobilität gelöst wurden.

    Das ist die Kommunikation eines Kindes in der Trotzphase.

  • Wie willst Du denn bei einem Fahrradanhänger eine illegale Abschalteinrichtung einbauen? Junge, Junge. :schraube:

    :kichern:

    Mann, so ein Beitrag ist kennzeichnungspflichtig. Jetzt hab ich mich am Kaffee verschluckt.