Mobilität - neue Wege oder neue Straßen?

  • Dann auch gerne nochmal hier statt im E-Auto-Thread: Auch ein E-Auto, das sich im Alleinbesitz eines Menschen/einer Familie befindet, bringt 90% der Nachteile eines verbrennermotorbetriebenen Autos mit. Platzbedarf, Staupotenzial, Unfallgefahr, Nichtnutzungszeit, etc. Und das in meinen Augen größte Problem unserer Tage neben einer möglichen Umweltbelastung durch Abgase/Herstellung/Entsorgung ist das Platzproblem. Das E-Auto mag im Hinblick auf einige Umweltaspekte eine Brückentechnologie sein, aber ganz sicher nicht die dauerhafte Lösung. Da bleiben, bezogen auf "Individualverkehrsmittel" für mich nur zwei Alternativen: Entweder viele Menschen besitzen jeweils ein eigenes Individualverkehrsmittel, das deutlich weniger Raum einnimmt und Kosten erzeugt als ein (E-)Auto oder viele Menschen teilen sich bedarfsbedingt ein Individualverkehrsmittel. Variante B ist in meinen Augen definitiv vorzuziehen. Das geht aber in einem sinnvollen Maße nur, wenn jeder einzelne möglichst oft auf Individualverkehrsmittel dieser Art verzichtet und sie nur dann nutzt, wenn es keine sinnvollen Alternativen gibt. Ein "Ich finde mein Auto super und fahre lieber alleine von A nach B, weil ich dann meine Ruhe habe und (natürlich erstmal nur rein hypothetisch) auch noch x Minuten Reisezeit spare." darf da allerdings nur sehr untergeordnete Relevanz haben.

  • Mir fehlt die Fantasie für wirklich grüne Individualmotorisierung.

    Selbst ein E-Auto, welches komplett mit Solarstrom gespeist wird, ist immer noch weit entfernt von umweltfreundlich.

    Und auch, dass 65 Millionen PKW bei 83 Millionen Bürgern ein Problem darstellen (jetzt konkret beim Bedarf an Strasse und Parkfläche), hatten wir schon.

    Aber toll, dass du jetzt mit deinem Stigma von fitten und hippen Stadtbewohnern kommst.

    Wiederholen nervt ein bisschen, aber tut ja nicht weh: Niemand soll bei zukünftigen Verkehrskonzepten von gesellschaftlicher Teilhabe, medizinischer Versorgung usw. abgeschnitten werden.

    Ich kenne auch ehrlich gesagt noch keine Horrormeldungen aus Utrecht oder Kopenhagen, dass die Verkehrsdiktatur der hippen Gutverdiener armen, alten und schwachen Mitbürgern das Leben noch schwerer gemacht hat.

  • Das sieht beim autonomen E-Taxi vielleicht schon anders aus. Oder irgendwas, woran wir alle noch nicht gedacht haben.


    Unterscheidet sich der Platzbedarf von einem Lastenrad (oder Fahrrad mit Anhänger) eigentlich so wesentlich von Kleinst-Pkw wie Smart?


    Ich will gar keine Autofahrer vs. Fahrradfahrer Diskussion aufmachen. Ich fahre sehr gern Fahrrad und freue mich über sichere und gute Radwege. Und wenn Mr. Mo bemängelt, dass jahrzehntelang einseitige Verkehrspolitik zugunsten des Automobils gemacht wurde, stimmt das. Nur man sollte den Fehler jetzt nicht zugunsten (oder zulasten) anderer Verkehrsmittel wiederholen.

    Ein "Ich finde mein Auto super und fahre lieber alleine von A nach B, weil ich dann meine Ruhe habe und (natürlich erstmal nur rein hypothetisch) auch noch x Minuten Reisezeit spare." darf da allerdings nur sehr untergeordnete Relevanz haben.

    Was bei Dir immer alles "darf" und "nicht darf". Als müsse die ganze Welt sich der vermeintlichen Rationalität einer zentralen Anordnung unterwerfen. Menschen sollen in allererster Linie das tun, worauf sie Bock haben. Eine Gesellschaft, in der die Wünsche und subjektiven Bedürfnisse der Menschen nur "sehr untergeordnete Relevanz haben", möchte ich nicht leben.

  • Das sieht beim autonomen E-Taxi vielleicht schon anders aus. Oder irgendwas, woran wir alle noch nicht gedacht haben.

    Nochmal: Ich habe hier nicht einmal gelesen, dass "das Auto" von der Bildfläche verschwinden soll. Schon gar nicht in einem wie auch immer gearteten Carsharing-Modell. Das wird ziemlich sicher Teil der Komplettlösung sein. Was aber nicht Teil der Komplettlösung sein kann, ist dass jeder mit seinem Auto in Ballungsgebiete fährt.


    Zum Platzbedarf: Ein Lastenrad (ca. 1,5 bis 2 m²) benötigt ca. 40% des Platzes eines Smarts (ca. 4,5 m²). [Edit: Reine Fläche ohne Manövrierbedarf, etc.]

    Einmal editiert, zuletzt von sasa ()

  • Überhaupt verstehe ich nicht, warum die Frage eines Motors aus einem Superding ein Teufelszeug machen sollte. Das ergibt doch so pauschal gar keinen Sinn. Die allermeisten guten Gründe, das Fahrrad statt ÖPNV zu benutzen, treffen auch auf das Auto und andere motorisierte Individualverkehrsmittel zu.


    Im anderen Thread wird gerade über "alte weiße Männer" also soziologisches Konstrukt gesprochen. Das hier erscheint mir ein ähnliches Phänomen zu sein. Das ganze ist doch eine Ideologie körperlich gesunder Gutverdiener, die sich eine hippe Innenstadtwohnung mit Lastenbike für die Kinder leisten können. Individuelle und selbstbestimmte Mobilität müssen aber für alle verfügbar bleiben.

    Ich schließe daraus:


    1. Du liest meine Beiträge nicht richtig, weil ich nirgendwo etwas verteufelt habe. Als erklärter Liberaler solltest Dir aber das Konzept bekannt sein, dass individuelle Freiheit dort ihre Grenzen findet, wo sie die Freiheit anderer einschränkt. Und motorisierter Individualverkehr schränkt die Freiheit anderer ganz gehörig ein, auf ganz verschiedenen Feldern. Müsste er eigentlich gar nicht, wenn die übergroße Mehrheit der Nutzer ihn mit Vernunft, also Vorsicht, Umsicht und Rücksicht nutzen würde (und das heißt z.B. auch: nicht bei jeder Gelegenheit, z.B. für 500 Meter zum Bäcker oder trotz schonender und ähnlich schneller Alternativen). Diese Einsicht ist aber leider bei vielen Menschen nicht wirklich vorhanden.


    2. Hat Sasa es wunderschön beschrieben: Ein Auto, zumal eines mit nur einem Insassen, hat einen erheblich höheren Ressourcenbedarf. (Sag mir doch bitte eine Ressource, bei der das Fahrrad verschwenderischer ist als das Auto.) Gerechtigkeit hat auch etwas damit zu tun, wie man Ressourcen aufteilt. Und Vernunft etwas damit, wie man mit Ressourcen umgeht. Also nein, die meisten guten Gründe, das Fahrrad oder den ÖPNV zu nutzen, treffen auf das Auto eben nicht zu. Zumindest dann nicht, wenn man nicht allein in seiner Gemeinde und auf der Welt ist.


    3. Schöner Ablenkungsversuch, das mit den "Hipstern". Im Übrigen verstehe ich die Debatte schon deshalb nicht, weil man Lastenräder bei Bedarf z.B. auch leihen kann. Genau wie übrigens Autos und Fahrräder. Speziell bei Autos könnte das dazu führen, dass das einzelne Fahrzeug eben nicht > 90% des Tages irgendwo herumsteht und als "Stehzeug" irgendwo 12 qm Platz verbraucht. Selbstbestimmte Mobilität heißt ja nicht, dass ich das Mobil auch besitzen muss. Ich frage mich echt, warum man solche simplen Konzepte im Jahr 2020 immer noch erklären muss. Zumal Eigentum laut unserer Verfassung auch verpflichtet,

  • um mal das "aus Prinzip gegen Auto" etwas rauszubringen ...

    Wichtig sind Konzepte! Eine Geschichte sind beispielsweise fehlende Fahrrad-(schnell)-Verbindungen mitten durch die Innenstadt. Dort ist man blind auf Fußgänger fixiert. Vom Raschplatz zum Niedersachsenstadion oder aus der Nordstadt zum Aegi wären auch für mich als Gelegenheitsradler super Entfernungen für Malebenerledigungen. Da kriegste mich aber nicht aufs Rad, weil man fast nur schiebt. Also fährt man (ich) doch lieber mal eben mit dem Auto.

  • Zum Platzbedarf: Ein Lastenrad (ca. 1,5 bis 2 m²) benötigt ca. 40% des Platzes eines Smarts (ca. 4,5 m²). [Edit: Reine Fläche ohne Manövrierbedarf, etc.]

    Pah! Wenn du den Manövrierbedarf wieder mit berücksichtigst, dann sieht das für das Lastenrad aber ganz finster aus!

  • Da es auf einmal so viele negative Meinungen zu Autos gibt wollte ich mal wissen wie sich die Anzahl derer bei uns entwickelt hat.


    PKW Bestand


    Werden tatsächlich jedes Jahr mehr, aber nicht so viel wie ich dachte. Einwohner technisch bleiben wir ungefähr gleich.


    Wer hat jetzt Autos die er/sie früher nicht hatte? Welche Schicht, welcher Typ?

  • Carsharing wäre ein Stichwort für TheMenace und eine Lösung für die Stadt.

    Individuell motorisiert mobil.

    Und das schöne ist: du hast die Wahl:

    Den Van für die Fahrt zum Baumarktparkplatz oder den Toilettenpapiereinkauf

    Oder Kleinwagen, wenn du schnell in ein entlegenes Viertel musst zum Entenessen

    Oder oder oder...

    Geholfen wird dir hier:

    https://hannover.stadtmobil.de/privatkunden/
    Bei Fragen kann ich Kontakt zu meine Famile herstellen. Dr. Hitlermann steuert sicher noch was an Erfahrungen dazu bei. (Und der ist wirklich dem Hipsterismus nicht verdächtig!)

  • Wir haben 6 Jahre Stadtmobil genutzt und waren begeistert.

    Wie Bambi schon ausgeführt hat, ist einer der Vorteile, dass man das richtige Auto für den konkreten Zweck nutzen kann, das geht vom Kombi für den Einkauf / kleinen Transport über das Bulli-Format für den großen Transport / Umzug bis zum Cabrio, um im Sommer ein wenig Spaß am Wetter zu haben.


    Dazu kommen die enorm hilfreichen Stadtflitzer, die man spontan nimmt, wenn sie vor einem stehen, bzw. in einem kleinen Zeitfenster für sich reservieren kann.


    Grundsätzlich klappt das Buchen mit einer App ganz hervorragend und zuverlässig; auch die Entfernungen zu den Parkplätzen sind immer überschaubar und werden ständig verbessert, weil die Anzahl der Fahrzeuge wächst.


    Ausprobieren und zufrieden sein!

  • Danke Prickel.

    Kannst du oder jemand anderes noch etwas zu den Kosten sagen?

    Gibt es ein Vergleich SUV vs Stadtmobil oder E-Auto vs Stadtmobil?

    Manchmal überzeugt ja die Kohle.

  • Zum Platzbedarf: Ein Lastenrad (ca. 1,5 bis 2 m²) benötigt ca. 40% des Platzes eines Smarts (ca. 4,5 m²). [Edit: Reine Fläche ohne Manövrierbedarf, etc.]

    Pah! Wenn du den Manövrierbedarf wieder mit berücksichtigst, dann sieht das für das Lastenrad aber ganz finster aus!

    Und ein Auto -- selbst ein Smart -- muss nicht manövrieren? ;)


    Meine Werte zum Platzverbrauch rechnen übrigens mit ein, dass man in ein Auto ja auch noch hineinkommen muss und nicht Stoßstange an Stoßstange parken kann.

  • Letzteres meinte ich mit Manövrierbedarf. Den gibt es freilich tatsächlich auch beim Fahrrad, aber natürlich in ganz anderem Ausmaß.


  • Aus persönlichen Erfahrungen kann ich sagen, daß der Anteil an Autos unter Studenten in Hannover sicherlich in den letzten 20 Jahren ganz erheblich abgenommen hat. Einerseits bedingt durch das Semesterticket und andererseits durch die Möglichkeit, den gelegentlichen WG-Groß-Einkauf mit dem Stadtmobil zu machen. Die Überkompensation dieser Entwicklung mache ich an den Zweit-(SUV)-Fahrzeugen fest, die im Vergleich zu vor 20 Jahren heutzutage wohl zwingend notwendig sind, um die lebensfremde Brut zur Schule und zurück zu kutschen.

  • Um dem Thema Platzverbrauch noch mal eine andere Dimension zu geben: m³ finde ich übrigens nicht uninteressant. Grundfläche ja, aber ein unangenehmes Gefühl vermittelt mir vor allem auch das Gesamtvolumen eines Fahrzeuges.


    Sprach's, und setzte sich in seinen Dacia Lodgy :lookaround:

  • Schade wegen der Kosten (hätte mich auch sehr interessiert) und


    Warum wegen des Autos?


    (...)


    Auch ein E-Auto, das sich im Alleinbesitz eines Menschen/einer Familie befindet, bringt 90% der Nachteile eines verbrennermotorbetriebenen Autos mit.

    Steile These!

    2 Mal editiert, zuletzt von stscherer ()

  • Die Kosten lagen bei ca. 90,-/Monat bei mir, wenn ich richtig erinnere.

    Enthalten waren die Grundgebühr und die genutzten Fahrzeuge mit ihren jeweiligen Kosten für Zeit und Entfernung. Das variierte natürlich, aber im Mittel sollte das passen.

    Wichtig dabei zu wissen ist, dass in der Grundgebühr auch die Kosten für eine Bahncard 25 und die Nutzung des ÖPNV für Zone 1 enthalten waren.


    Grundgebühr war die der MobilCard (ich glaube, dass das so hieß) abgerechnet. Der Anteil der reinen Autos lag zwischen 15,- und 50,- im Monat.


    Warum wegen des Autos?

    Wurde mit Rolli zu nervig.

  • Ich schließe daraus:


    Als erklärter Liberaler solltest Dir aber das Konzept bekannt sein, dass individuelle Freiheit dort ihre Grenzen findet, wo sie die Freiheit anderer einschränkt. Und motorisierter Individualverkehr schränkt die Freiheit anderer ganz gehörig ein, auf ganz verschiedenen Feldern.

    Das ist die moderne simple Version des Liberalismus. Der beinhaltet eben nur die individuelle Freiheit des Einzelnen. Und diese definiert sich an der ökonomischen Stärke. Da muss die individuelle Freiheit des ökonomisch Schwächeren zurückstehen.

    In der stadtverkehrsalltäglichen Praxis bedeutet das u.a.: Inanspruchnahme von jeder freien Flächen als Parkraum für das eigene Auto. Da muss der Rollifahrer und die alte Dame mit dem Rollator dann halt schon mal auf die Straße ausweichen oder einen längeren Umweg in Kauf nehmen.