Bundestagswahl 2021 (Umfrage "Sonntagsfrage" im ersten Beitrag)

  • Daher ist es auch völlig abwegig, davon zu sprechen, die gesetzliche Rente sei nicht mehr "finanzierbar" und müsse durch eine private/kapitalgedeckte ersetzt werden. Für Rentner gilt immer das selbe: Sie erhalten einen Teil der Güter/Dienstleistungen, die aktuell von dem arbeitenden Teil der Bevölkerung produziert/geleistet werden.

    Das Schlechtreden der gesetzlichen Rente ist eine der größten Propagandaleistungen der letzten Jahrzehnte und dient ausschließlich dazu, von unten nach oben umzuverteilen.

  • Das Umlageverfahren wurde aber für eine steigende Bevölkerung konzipiert. Die Bevölkerung sinkt aber, und das wird für die gesetzliche Rente zum Problem, da immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentenempfänger aufkommen müssen.


    Ich finde es extrem gut dass die Bundesregierung das Thema endlich anpackt. Hätte man aber schon vor 20 Jahren angehen müssen...

  • Die Bevölkerung sinkt nicht, was sinkt ist ggf. der Anteil der jungen Bevölkerung. Das ist allerdings seit 100 Jahren so und kein Problem. Entscheidend ist die Produktivität pro Kopf in der Bevölkerung und die ist höher als je zuvor.

  • \o/\o/\o/

    Nein, das Umlageverfahren hat mit steigender, konstanter oder schrumpfender Bevölkerung nichts zu tun.


    Aber nur mal angenommen, es sei doch das Kernproblem. Nur mal so durchgespielt. Die private Altersvorsorge hat doch dasselbe demographische Problem. Die Demographie wird ja durch das Finanzierungsmodell nicht auf den Kopf gestellt. In welche Wertpapiere willste denn investieren? In deutsche Unternehmen? Die sind ja gerade vom demographischen Wandel angeblich geplagt. In dänische, britische, französische, polnische, japanische, chinesische Unternehmen? Genauso. In der Logik müßte man das Geld in die dritte Welt pumpen. Da sind die Bevölkerungen jung und wachsend. Da gibt's allerdings andere Probleme. Politische, rechtliche, wirtschaftliche Stabiltät etwa. Außerdem wär' man auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, daß die dritte Welt das Geld vermehrt. Also nix mit Krieg, Verwüstung, Diktatorenschaft, Korruption, Unbewohnbarkeit durch Klimawandel, Massenarbeitslosigkeit, Subsistenzwirtschaft oder dergleichen. Die müßten ein Wirtschaftswunder erleben, das unsere Rente und ihren eigenen Wohlstand aufbaut. Ohne echte Einflußmöglichkeit. Denn wir sind ja hier. Wir hatten schon keinen Einfluß darauf, was europäische Staaten mit deutschen Krediten angestellt haben. Ob damit un/vernünftige Investitionen angeschoben wurden oder un/vernünftiger Konsum. Und die Investitionen in die dritte Welt (oder von mir aus doch wieder DAX-Unternehmen) sind nichts anderes als Kredite. Da soll jemand mit fremden Geld was Nettes anstellen. Er soll eine Leihgebühr für das geliehene Geld zahlen. Und das geliehene Geld auch noch komplett zurückgeben. Eines Tages. Sogar, wenn ein Geschäft mal in die Hose gegangen sein sollte.


    Wobei: Die dritte Welt soll ja den Pfad der reichen Länder einschlagen. Die sollen ja ihr Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahrzehnten g-e-n-a-u-s-o stoppen. Mit weniger Kindern. Mit mehr Alten. Dieselbe Entwicklung, nur später. Puh, wie sollen diese Länder das denn in 50 Jahren wuppen? Und das wird so passieren. Die Bevölkerung der Welt wird eher nicht auf 20 Milliarden steigen. Da wird vorher irgendwo Schluß sein. Es wird weltweit ein Ende steigender Bevölkerungszahlen geben. Es wird mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar einen Höhepunkt mit anschließendem Rückgang geben. Das wird noch spannend.


    Wie gesagt, als Zusatz zur gesetzlichen, umlagefinanzierten Rente kann man das machen. Die gesetzliche Rente jedoch zu einem Stummel kleinzuschneiden und die Leute zur privaten, kapitalgedeckten Rente quasi zu zwingen, halte ich für einen Holzweg. Jedes Land, das das im großen Stil gemacht hat, ist ein gebranntes Kind.

  • Johannes Vogel - von ihm kommt sie - sieht die Aktienrente nach schwedischem Modell doch auch nur als einen Bestandteil (kleinen Bestandteil) der gesetzlichen Rentenversicherung an.

    https://www.fdp.de/sites/defau…ienrente-onepager-neu.pdf


    Diversifizierung war schon immer gut.


    Der Vorredner 96Maniac hat doch gerade gesagt, das die Produktivität pro Kopf bei zumindest gleichbleibender Bevölkerung steigt, dann steigen auch die Aktien:-)

  • Pokalheld

    Ich dachte an das schwedische Modell. Also Umlagefinanzierung + eine Art Aktiensparplan. Ich bin mir sicher dass man durch eine Art ETF-Sparplan eine deutlich höhere Rendite rausholen kann als alleine über ein Umlageverfahren.

    Das Umlageverfahren kann man ja eh nicht einfach so abschaffen weil wir ja schon eine Menge Rentner haben.

  • Das kann durchaus sein, dass die Aktien auch steigen. Allerdings bildet der Aktienmarkt eben nur einen Teil des Wirtschaftssystems. Die gesetzliche Rente mit ihrem Umlageverfahren trägt die größtmögliche Diversifizierung bereits in sich: Die Partizipation der Rentner am allgemeinen Wohlstand bzw. der Leistungsfähigkeit der Gesamtwirtschaft.

  • Ein generelles Problem ist auch, daß Geldgeber händeringend Geldnehmer brauchen und suchen. Sparen will jeder, denn Sparen ist gut. Schulden aufnehmen will keiner oder soll keiner, denn Schulden sind böse.


    In Deutschland sparen die Haushalte, die Unternehmen und ab 2023 auch wieder der Staat. Nur das Ausland nicht. Das böse, bereits verschuldete Ausland, das nach Deutschlands Idee aber gleichzeitig auch Sparer werden soll. Wir werden einfach alle Verkäufer.


    Toi, toi, toi!

  • Das mir der größtmöglichen Diversifikation stimmt nicht. Mit einem MSCi World streust du breiter.



    Ich verstehe ja eure Argumentation und finde es toll wie sorgfältig ihr argumentiert ( mir fehlt grad etwas die Muße), aber ich bin immer noch nicht eurer Meinung.

  • Ich bin mir unschlüssig, ob ich das gut finde. Worin ich bei einer breit gestreuten kapitalgedeckten Rente einen Vorteil sehe ist die teilweise Lösung von der wirtschaftlichen Entwicklung im eigenen Land. Ein weiterer könnte(!) je nach Ausgestaltung in einer größeren Gerechtigkeit (besser: geringeren Ungerechtigkeit) liegen. Bisher haben die einkommensschwächeren Teile der Gesellschaft keine Chance angemessen zu partizipieren. Das könnte(!) sich dadurch zumindest für die Altersvorsorge ändern. Und ja, da gäbe es auch ganz viele andere Möglichkeiten. Ist mir klar.

  • Vor allem, es doktern da immer Leute dran rum, die es nicht betrifft.

    Johannes Vogel ist ein Sozialpolitiker der FDP. Nach dem er 2013 aus dem Bundestag geflogen ist, ist er bei der Bundesagentur für Arbeit tätig gewesen. Die Rente betrifft generell Bundestagsabgeordnete nicht, sofern sie lange genug ein Mandat besessen haben. Aber ich glaube, dass er zu den Politikern gehört, die das Rententhema wirklich bewegt.

  • Johannes Vogel hat sich selbst gegen die kosmetischen und keineswegs grundsätzlichen Verbesserungen der Rente für jahrzehntelange Beitragsszahhler mit geringem Einkommen durch die SPD ausgesprochen. Der Vertritt zumindest in der Rentenfrage glasklar die Interessen der oberen 5% der Bevölkerung, die keine Rente brauchen und kämpft dagegen, dass es armen Menschen besser geht. Gibts leider nix zu beschönigen.

    Bloß weil er für den Themenbereich "Sozialpolitik" zuständig ist, bedeutet das nicht, dass er soziale Positionen vertritt. Und warum es politisch für ihn sprechen sollte, einen sich für ihn lohnenden Posten bei der Bundesagentur für Arbeit bekleidet zu haben, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

  • Okay, und da er das "Gießkannenprinzip" nicht wollte, also die Gefahr sah, dass viel zu wohlhabende Menschen (Die gibts bestimmt in gigantischer Anzahl unter der Gruppe derjenigen, die durch die Grundrente besser gestellt werden sollten...) hat er auch die Besserstellung derjenigen abgelehnt, die es "wirklich nötig hatten". Lass mich raten: Die Sorge, dass zu wohlhabende profitieren, hat er nur bei diesem einen Gesetz gehabt, nicht aber bei all den Steuererleichterungen, die die FDP von vorneherein für Besserverdiener vorsah bzw. vorsieht.

  • Wir werden wohl politisch nicht auf ein Standpunkt kommen:-) Ist klar. Anrechnungsfreie 20% der Rente auf die Grundsicherung, ist aber so schlecht nicht (Basisrente).


    https://www.fdp.de/basis-rente-faire-und-zielgenaue-hilfe


    Das er parteipolitisch arbeitet und der Leistungsgedanke immer Einfluss hat, ist doch selbstverständlich.


    Welche Steuererleichterungen schafft denn die neue Koalition jetzt für Besserverdienende?

  • Man hätte ja mal an die Gründung von staatlich kontrollierten Unternehmen zum Aufbau von PV und Windkraft denken können, an denen sich dann die Bürger*innen zur Altersvorsorge beteiligen können, gerne auch genossenschaftlich organisiert.


    Aber Halt, die hübsche und sichere Rendite überlassen wir lieber Großunternehmen...

  • Man hätte ja mal an die Gründung von staatlich kontrollierten Unternehmen zum Aufbau von PV und Windkraft denken können, an denen sich dann die Bürger*innen zur Altersvorsorge beteiligen können, gerne auch genossenschaftlich organisiert.


    Aber Halt, die hübsche und sichere Rendite überlassen wir lieber Großunternehmen...

    Du kannst dich doch, sofern als Aktiengesellschaft organisiert am Gewinn beteiligen lassen?

    Zur Altersvorsorge wären allerdings höhere Freibeträge und geringere Steuern auf Kapitalerträge notwendig.