Russlands Angriff auf die Ukraine

  • Was hat Russland bisher mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine erreicht?


    Sehr gutes Resümee des finnischen Präsidenten Alexander Stubb:


  • Tatsächlich hat Russland seit 2022 lediglich 11% des ukrainischen Staatsgebietes erobert, zusammen mit den vorher besetzten Gebieten kommt man dann auf 20%.


    Diese 11% widerum wurden größtenteils direkt zu Beginn des Krieges ohne nennenswerten Widerstand besetzt, da das ukrainische Militär große Gebiete vor allem in Luhansk als nicht-verteidigbar designierte.

  • Stimmt, insofern war Stubb noch sehr gnädig mit der Beurteilung der Landgewinne von Putins Armee.


    Auch bewegen sich die Verlustzahlen der russischen Armee nach Einschätzung des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 mittlerweile schon bei deutlich mehr als 1.2 Millionen toten bzw. schwerverletzten Soldaten.


    Aber dennoch gefällt mir die nüchterne und unprätenziöse Art, mit der Stubb das desaströse Scheitern von Putins Armee in der Ukraine beschreibt.


    Anstatt eines wiedererstarkten russischen Imperiums ist das heutige Russland nur noch ein großer Koloss auf tönernden Füßen, dessen Einflusssphäre weiter am Schwinden begriffen ist und der wirtschaftlich kurz vor dem Abgrund steht.


    So paradox es klingen mag: Putin muss mittlerweile den Frieden mehr fürchten als eine Weiterfühung des Krieges.

  • Deutliche Worte eines bedeutenden amerikanischen Militärexperten:


  • Neue Zahlen und Fakten von WELT ONLINE zum Niedergang der russischen Wirtschaft.


    Fazit:


    Die russische Wirtschaftskrise verschärft sich dramatisch.


    Sinkende Rohstoffexporterlöse und fallende Steuereinnahmen sowie steigende Kriegskosten werden kompensiert durch deutliche Steuererhöhungen sowohl für die russische Wirtschaft als auch für die einfachen Bürger und durch die fast komplette Ausplünderung der russischen Rentenkasse (Nationaler Wohlstandsfonds).


    https://www.welt.de/politik/au…ins-kriegswirtschaft.html

  • Russland und das vom Kreml verfügte TELEGRAM-Verbot.


    Die Spannungen innerhalb der russischen Gesellschaft nehmen deutlich zu und sind nunmehr auch für außenstehende Betrachter deutlich wahrnehmbar.


  • Dazu:


    - Russland versucht, alle Messenger-Apps durch eine eigens entwickelte App abzulösen, MAX.


    - Die funktioniert aber bei weitem noch nicht so, wie Telegram von z.B. russischen Soldaten verwendet wird.


    - Die Teilabschaltung von Telegram führt dementsprechend zu großen Problemen für die russische Front, so schreiben zumindest unterschiedliche russische Kriegsblogger.

  • Es ist schon völlig irre, dass sich die russische Armee bei ihrer militärischen Kommunikationsstrukturen offensichtlich nahezu vollständig auf nicht-russische Provider verlässt.


    Apropos: Falls hier jemand glauben sollte, dass Telegram ein russisches Unternehmen sei, liegt damitfalsch. Telegram wurde zwar von den Gebrüdern Durow in Russland gegründet, ist aber heute ein global operierende Weltkonzern mit Firmensitz in Dubai und damit außerhalb der Kontrolle des Kreml.


    Die nächsten Tagen könnten ziemlich spannend werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Winsley555 ()

  • Telegram ist nicht nur meinem Eindruck nach durchaus noch unter gewisser Kontrolle des Kremls. Durov stellt sich als Regime-Kritiker dar, war aber wohl auch in den letzten Jahren in Russland und ihm werden, auch wenn ich jetzt nichts zur Hand habe, FSB-Kontakte nachgesagt.


    Dennoch ist gerade die russische Kriegsblogger-Szene, die eben auf Telegram haust, für Putin schon länger ein Problem, gleichzeitig ist er auf sie angewiesen. Das sind also quasi die Enthusiasten dieses Krieges, aber Enthusiasmus wirft ein Kontrollproblem für Putin auf.


    Also so ähnlich wie die Prigozin-Sache oder eben Girkin.


    Hinter dem Versuch, letztlich alle Messenger-Dienste zu bannen außer dem eigenen (MAX) steht also in erster Linie der Versuch, die Kommunikation in der russischen Gesellschaft - kriegsbezogen oder nicht - komplett in der Hand zu haben.


    So zumindest mein Eindruck von der Sache.

  • Das sehe ich ein wenig anders.


    Fraglos hat Du zwar durchaus recht, dass es zumindest anfangs eine erhebliche Einflußnahme des Kreml auf die Durow-Brüder gab, zumal diese in den Gründerjahren ihres schnell wachsenden IT-Konzerns quasi unter direkter Kontrolle des FSB standen.


    Pawel Durow, der prominentere der beiden Brüder, hat Russland allerdings bereits schon im Jahr 2014 den Rücken gekehrt, nachdem er sich standhaft geweigert hatte, den Forderungen des russischen Geheimdienstes FSB nachzukommen, persönliche Daten von Nutzern an den Staat zu übermitteln. Dies betraf insbesondere Informationen über Teilnehmer an Protesten wie der Euromaidan-Bewegung in der Ukraine. Die Durchsuchung seiner Wohnung und der Zentrale von VKontakte im April 2014 markierte den endgültigen Bruch mit Russland.


    Mittlerweile hat sich deren Konzern durch die komplette Verlagerung Ihres Firmensitzes nach Dubai der direkten Einflußnahme durch die russischen Behördern und Geheindienste weitestgehend entzogen, was der aktuelle Konflikt recht eindrucksvoll beweist.


    So, wie Pawel Durow heute öffentlich auftritt, wirkt er mehr und mehr wir ein führender Vertreter der russischen Exil-Opposition.



    https://de.investing.com/news/…aus-russland-93CH-3338906

  • Nun, nach Ansicht diverser ukrainischer Quellen ist das alles Show gewesen. Will das nur nochmal deutlich sagen, es kann sich natürlich jeder selber ein Urteil bilden.


    Selbst wenn das in Bezug auf Telegram stimmt, sehe ich den Aspekt, dass der Kreml versucht, den russischen Kommunikationsraum weitergehend zu kontrollieren, als etwas komplett russisch-domestisches.


    Natürlich sagt der Kreml, er täte das, um ausländischen Einfluss zu beschneiden, das würde er völlig unabhängig von den Umständen sagen, das sind wir beide wahrscheinlich einer Meinung.


    Desweiteren - und das ist eigentlich ganz interessant, wenn man drüber nachdenkt - werden in Russland überhaupt keine Meinuingskampagnen von außerhalb gefahren, ganz anders, als bei uns. Das zeigt implizit, dass alle Akteure, inklusive Ukraine, erkannt haben, was hier soviele nicht sehen wollen: Die russische Bevölkerung trägt diesen Krieg mit, es hat gar keinen Zweck, zu versuchen, auf sie einzuwirken.


    '22 hatte die Ukraine das noch getan, mit dem ausführlichen Interview von Selenskij auf russisch, z.B. Das wurde nach zwei, drei Monaten aufgegeben.

  • Moscow Times, russische Exil-Journalisten, über existierende Verbindungen der Telegram-Infrastruktur nach Moskau:



    https://www.themoscowtimes.com…nks-to-russias-fsb-a89400



    Außerdem:


    Zitat

    In particular, according to leaked FSB records, Durov made over 50 trips to Russia between 2015 and 2021.


    Quelle: https://militarnyi.com/en/news…-owned-by-fsb-contractor/


    Wenn man nach "Durov" und "FSB" googelt, wird man sehr schnell fündig, was eine Zusammenarbeit weit über 2014 hinaus angeht.

  • Wie Du selbst erwähnst, fanden diese Reisen nach Russland zwischen 2015 und 2021 statt, somit vor dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Zwischenzeitlich hat er sich mittlerweile - so zumindest mein Eindruck - vom Kreml und seinem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg deutlich diestanziert.


    Das Problem der meisten Ukrainer ist allerdings, dass sie heute generell keinem Russen mehr über den Weg trauen und selbst denen zutiefst misstrauen, die mittlerweile eine deutlich kritische Haltung zum Kreml eingenommen haben. Das ist zwar durchaus nachvollziehbar und menschlich verständlich, trübt aber den Blick auf die Russen, die sich gegen Putin und sein Regime gestellt haben.


    Selbst bedeutende Repräsentanten der russischen Milbloggerszene wie beispielsweise der prominente Neo-Stalinist Maxim Kalschnikow kritisieren heute offen und absolut schonungslos die aus seiner Sicht gescheiterte russische Kriegsführung in der Ukranie.


    So etwas hätte noch vor einem Jahr - Igor Girkin mal ausgenommen - kaum einer der russischen Kriegs-Ultras gewagt.


    Hierzu ein Beispiel:


    Fazit:


    Ja es ist wohl so. Rund 80 % der Russen unterstützen mehr oder minder überzeugt den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass 20 % der Russen dies nicht tun.

    7 Mal editiert, zuletzt von Winsley555 ()

  • Nein, 20% können auch keine Meinung haben.


    Den Russen nicht über den Weg zu trauen, ist kein Problem, sondern Voraussetzung für sämtliche ernsthafte Analyse. Ich bin doch sehr überrascht, sowas von Dir zu hören und dazu noch ukrainische Quellen anzuzweifeln. Die haben sich aus meiner Sicht über die Jahre absolut bewährt. Ich habe schon Fehlmeldungen gesehen, getrieben von Enthusiasmus, und irreführung zur Deckung laufender militärischer Operationen, aber nie Desinformation. Jegliche Äußerung aus Russland hingegen muss abgeklopft werden darauf, ob sie Desinfo sein könnte.


    Bin sehr überrascht, dass Du dieses grundlegende Verhältnis hier tatsächlich in gewissem Sinne umdrehst. Was Durov öffentlich sagt ("distanziert") ist vor dem Hintergrund der diskutierten Fragestellung doch auch offensichtlich irrelevant.

    Vorhin hast Du noch von einem Bruch 2014 geschrieben. Alles Show, das zeigen die Daten. Und das war das Vulcan-Leak von 2021, deswegen enden die Daten da. Leider habe ich noch keinen laufend aktualisierten Zugriff auf die FSB-Server. ;)

    Was ich hingegen zuerst zitierte, und wo Du nicht drauf eingingst, ist

    a) von Russen (und ja, ich bin hier immer skeptisch, aber Moscow Times halte ich neben Meduza für überwiegend vertrauenswürdig.)


    b) bezieht sich auf "jetzt".


    Edit: Der vollständigkeit halber: Kritik an der russischen Kriegsführung durch Milblogger gab es von Anfang an. Es sind bestimmte Kreise, die sich auf Girkin konzentrieren und da geht es immer um "Publikumseffekte", nicht um Beobachten oder Verstehen der Milblogger-Szene. Das waren nie Jubelperser. Diese Kritik war sogar bis zu einem gewissen Grad erwünscht, zur Verbesserung, man durfte halt nur nicht mächtig werden, wie Prigozhin oder - deutlich weniger, sagen wir lieber: Einflussreich - Girkin.

    Einmal editiert, zuletzt von ExilRoter ()

  • Seitdem die Russen keinen Zugang zu Starlink mehr haben, hat die Ukraine über 200 Quadratkilometer von ihrem Territorium zurückerobert und das ohne eine groß angelegte Offensive.