Russlands Angriff auf die Ukraine

  • Die deutsche Welle war in Moskau unterwegs und hat BĂŒrger zu ihrer Meinung zur deutschen Entscheidung, Panzer zu senden befragt.


    Interessant finde ich weniger, dass es auch ein paar Stimmen gibt, die sich offen regimekritisch ausdrĂŒcken, sondern vielmehr, dass diese Russen wissen, dass es keine Verhandlungslösung geben kann, sondern der Ukraine den Sieg wĂŒnschen, oder, wie die junge Frau sagt, Russland aus der Ukraine herausgetreten werden muss, da Verhandlungen nichts bringen.


    Twitter, Video, russisch mit englischen Untertiteln.


  • ich finde es auch prima, dass es kritische stimmen gibt. leider befĂŒrchte ich, dass man ein Ă€hnliches video mit dem kredo "russland muss siegen " genauso schnell, wenn nicht schneller, abgedreht ist.

  • Ist das hier schon mal verlinkt worden? Der junge Mann schafft es ganz toll, richtig gute offene Fragen zu stellen, die interessante Antworten ĂŒber Ansichten verschieden geprĂ€gter russischer Menschen zutage fördert. Gucke ich hĂ€ufiger mal rein.


    Do you remember what people are dying for in Ukraine? It’s been 11 months now.
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    www.youtube.com

  • Zitat

    Wenn man verhandeln will, muss man auch stark sein. Eigentlich muss man sagen: wir liefern 1000 Panzer und auch noch Kampfjets, verlass dich drauf.


    [...]


    Wir mĂŒssen doch Putin das klare Signal geben: du kommst nicht mehr weiter. Appeasement-Politik funktioniert hier nicht.

    Clemens Fuest, Chef des ifo Institutes


    Danke, sehe ich exakt genau so!


  • GrundsĂ€tzlich stimme ich dieser Position ebenfalls zu. Die große Koalition der aktiven UnterstĂŒtzer der Ukraine, welche mittlerweile ĂŒber 50 Staaten (!) in der ganzen Welt umfasst, sollte idealerweise gemeinsam eine Resolution verabschieden, die deutlich und klar erklĂ€rt, solange alle nötigen Waffensysteme - außer A/B/C-Waffen - an die Ukraine zu liefern, welche das Land benötigt, damit es seine von den Russen besetzten Gebiete befreien kann.


    Je eher Russland begreift, dass seine Erwartung, die Ukraine ĂŒber den Winter von seinen UnterstĂŒtzern zu isolieren zu können, völlig gescheitert ist und die Erkenntnis greift, dass den Ukrainern der Waffennachschub nicht ausgehen wird, sondern sich im Gegenteil sogar qualitativ verbessern wird, nur dann wird bei Putin und seine Entourage das VerstĂ€ndnis reifen, dass dieser Krieg nicht mehr zu gewinnen ist.


    Und nur wenn dieser Punkt erreicht ist, wird in Russland die Bereitschaft wachsen, diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden, auch wenn dies am Ende bedeutet, sich aus den besetzten Gebieten zurĂŒckziehen zu mĂŒssen.

  • Und nur wenn dieser Punkt erreicht ist, wird in Russland die Bereitschaft wachsen, diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden, auch wenn dies am Ende bedeutet, sich aus den besetzten Gebieten zurĂŒckziehen zu mĂŒssen.

    Leider kann Russland aktuell und noch eine Weile lang viel Material und Personal nachschieben. Und da es bei der FĂŒhrung des Landes keinerlei moralische oder ethische Kompasse gibt, wĂ€re Putin sicherlich bereit, weitere Hunderttausende dafĂŒr zu opfern.


    100 alte Leoparden sind aus militĂ€rischer Sicht reine Symbolpolitik, zumal niemand weiß, wie die Ukraine die Logistik auf dem Schlachtfeld sicherstellen soll. Entweder man liefert Kampfflugzeuge in ordentlicher StĂŒckzahl oder das Ruder kippt irgendwann in Richtung Russland. Nur mit LuftĂŒberlegenheit wird das langfristig etwas.

  • eine Resolution verabschieden, die deutlich und klar erklĂ€rt, solange alle nötigen Waffensysteme - außer A/B/C-Waffen - an die Ukraine zu liefern, welche das Land benötigt, damit es seine von den Russen besetzten Gebiete befreien kann.

    Also ein Freifahrtschein fĂŒr alle Waffensysteme. Ist auch folgerichtig, wenn man bei der Argumentation bleibt, die bei der Forderung nach Panzerlieferungen zu hören war: Die Ukrainer stark machen, die Russen zurĂŒckdrĂ€ngen, eine Verhandlungsposition der StĂ€rke erreichen, weitere Kriegsverbrechen zu verhindern.


    Mit dieser Argumentation kann alle Waffenlieferungen legitimieren und sich gleichzeitig auf der richtigen Seite sehen, denn es geht ja gegen Rußlands Imperialismus, gegen den Kriegsverbrecher und Aggressor Putin und fĂŒr die westlichen Werte und die IntegritĂ€t von souverĂ€nen Staaten.


    Die Kampfjets sind jetzt der nĂ€chste Schritt. ZunĂ€chst undenkbar, dann eher ablehnend und spĂ€ter immer lautere Forderungen. Letztendlich wird die Lieferung als notwendig dargestellt, damit Rußland nicht gewinnt. Nur eine Frage der Zeit, bis auch bei Kampfjets dieser Punkt erreicht wird.


    Und wenn die Ukraine - wie im Zitat von Winsley555 aufgefĂŒhrt - die von Russen besetzten Gebiete befreien will, stellt sich frĂŒher oder spĂ€ter die Frage nach der Krim. Dann kommen Schiffe, so wie es Melnyk, der sich ja wĂ€hrend des gesamten Krieges als Vorbote von Forderungen positioniert hat, schon mal vorsorglich erwĂ€hnt hat. U-Boote wurden auch schon mal angesprochen.


    Ich frage mich nur: FĂŒhrt diese Entwicklung wirklich zu Frieden ? Bin skeptisch.

  • Da bin ich bei dir, Kai. DarĂŒber hinaus, wenn alles nicht zum gewĂŒnschten Ziel fĂŒhrt, kommen folgerichtig Forderungen nach Bodentruppen ins Spiel.

  • Und
Wer weiß schon was fur politisch oder autokratische KrĂ€fte da nach einem eventuellen Sieg vorherrschen werden auf lange Sicht? Und was mit Korruption sein wird? Es wird ja in der Diskussion gerne immer so getan als wĂ€re die Ukraine eine westlich stabile Demokratie.

  • Ich frage mich nur: FĂŒhrt diese Entwicklung wirklich zu Frieden ? Bin skeptisch.

    Es gibt drei Entwicklungen, die zu Frieden fĂŒhren können:


    1.) Russland zieht seine StreitkrĂ€fte vollstĂ€ndig aus der Ukraine zurĂŒck.

    2.) Russlands StreitkrÀfte werden durch das ukrainische MilitÀr vollstÀndig aus der Ukraine verbannt.

    3.) Es gibt eine Lösung auf dem Verhandlungstisch, welche auf Grundlage des Völkerrechts alle Interessen der Ukraine berĂŒcksichtigt.


    Gehen wir die Wahrscheinlichkeiten mal durch. Nummer 1 wird nicht passieren, solange das Regime in Russland an der Macht ist. Selbst nach einem Machtwechsel wissen wir nicht, ob es nicht sogar noch schlimmer wird. Es gibt ziemlich ĂŒble Typen, die unter UmstĂ€nden noch radikaler agieren wĂŒrden, als Putin.

    Nummer 2 ist nur dann realistisch, wenn die ukrainische Armee langfristig ĂŒppig mit modernen Waffen ausgestattet wird.

    Nummer 3 ist wie Nummer 1. Mit diesem Regime gibt es keine Lösungen in Verhandlungen anhand der UN-Charta - das wurde ja bereits tausendfach vom Regime selbst gesagt.


    Also was tun? Eine halbherzige UnterstĂŒtzung der ukrainischen Armee fĂŒhrt zwangslĂ€ufig zu einer Niederlage der Ukraine und eine russische Übernahme der Kontrolle ĂŒber dieses Land. Dann kann man es auch gleich lassen und alle russischen StreitkrĂ€fte bis nach Kiew durchwinken (böse Überspitzung, sollte nur verdeutlichen).


    Sollte Russland sich die Ukraine einverleiben, haben wir auf der Welt nicht nur einen PrĂ€zedenzfall fĂŒr eine neue Weltordnung geschaffen, sondern haben Russland in seinem imperialistischen Wahn gestĂ€rkt. Das Putin weitergehen möchte, hat er bereits gesagt. Zumindest ich persönlich zweifle an seinen Worten nicht.

    Von dem unfassbaren Verbrechen und unmenschlichen Vergehen an dem unschuldigen ukrainischen Volk möchte ich erst gar nicht anfangen zu sprechen.

  • Und nur wenn dieser Punkt erreicht ist, wird in Russland die Bereitschaft wachsen, diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden, auch wenn dies am Ende bedeutet, sich aus den besetzten Gebieten zurĂŒckziehen zu mĂŒssen.

    Leider kann Russland aktuell und noch eine Weile lang viel Material und Personal nachschieben. Und da es bei der FĂŒhrung des Landes keinerlei moralische oder ethische Kompasse gibt, wĂ€re Putin sicherlich bereit, weitere Hunderttausende dafĂŒr zu opfern.


    100 alte Leoparden sind aus militĂ€rischer Sicht reine Symbolpolitik, zumal niemand weiß, wie die Ukraine die Logistik auf dem Schlachtfeld sicherstellen soll. Entweder man liefert Kampfflugzeuge in ordentlicher StĂŒckzahl oder das Ruder kippt irgendwann in Richtung Russland. Nur mit LuftĂŒberlegenheit wird das langfristig etwas.

    Deshalb schrieb ich extra alle Waffensysteme (!), die die Ukraine benötigt, um ihre Gebiete zu befreien. Das schließt insbesondere Kampfflugzeuge wie die F16 mit ein. Das Scholz hier mal wieder öffentlich ohne Not eine rote Linie gezogen hat, ist wenig schlau und Ă€ußerst kurzsichtig, da schon jetzt absehbar ist, dass die Ukrainer in einem nĂ€chsten Schritt auch moderne Kampfflugzeuge erhalten werden. Und was die Kampfpanzer betrifft, wird es genau aus dem von Dir genannten Grund auch nicht bei 100 Leopard II bleiben. Das ich es als sicher erachte, dass die Ukraine mindestens 200 Leopard II bis Ende 2023 erhalten wird, habe ich ja bereits mehrfach in vorherigen BeitrĂ€gen erlĂ€utert.


    Mir ging es in meinem letzten Beitrag, auf den Du geantwortet hattest, gar nicht so sehr um die konkrete Lieferungen an Waffen selbst, sondern um eine klare und unmissverstĂ€ndliche Ansage an Russland seitens der ukrainischen UnterstĂŒtzer-Allianz, die mittlerweile aus mehr als 50 Staaten in der Welt besteht. Das ist weit mehr als nur die Nato-Staaten, das ist mehr als ein Viertel aller Staaten dieser Welt. Wenn diese wirklich eindrucksvolle Allianz in einer gemeinsamen Note an Russland betont, sie solange die Ukraine militĂ€risch unterstĂŒtzen wird, bis diese ihr Gebiet bereit haben wird, besteht durchaus die Chance, dass in Russland die Erkenntnis reift, dass der Krieg letztlich nicht zu gewinnen ist.


    Schließlich darf man nicht vergessen: Russland steht im Gegensatzb zur Ukraine weitestgehend allein auf weiter Flur. Abgesehen von dem faktisch bereits annektierten Satellitenstaat Weißrussland stehen nur noch die beiden Paria-Staaten Iran und Nordkorea auf der Liste der militĂ€rischen UnterstĂŒtzer Russlands. Selbst der vermeintlich große strategische Partner China ist trotz aller SolidaritĂ€tsbekundungen gegenĂŒber Russland neutral geblieben und weigert sich, den Russen militĂ€rische Hilfe in Form von Waffenlieferungen zu leisten.


    Hinzu kommen noch die weitreichenden Sanktionen, die auf die russische Wirtschaft mehr und mehr wie ein langsam wirkendes Gift wirken.


    Je eher man Russland die letzten Illusionen nimmt, diesen Krieg zumindest siegreich auf lÀngere Sicht beenden zu können, umso eher besteht die Chance, diesen Krieg möglichst bald zu beenden.

  • Wenn Putin die Ukraine einnimmt, wird es der gesamten Ukraine so gehen wie der Krim. Dazu ein interessantes Interview view zur Lage auf der Krim.

    „Das ist ein Krieg um unsere Zukunft – gegen Werte und Ideen aus dem vergangenen Jahrhundert“
    Seit dem Jahr 2014 ist die Krim von Russland besetzt. Im RND-Interview spricht der Menschenrechtler und Vizechef des Ukrainian Institute, Alim Aliev, ĂŒber die

    www.rnd.de


    Wie soll man mit so einem Mensch/Regime ĂŒber Frieden verhandeln? Ich sehe da kein Möglichkeit.

  • Frieden wird erst dann erreicht werden, wenn Russland sich zu echten Friedensverhandlungen bereit erklĂ€rt. Das wird Russland aber erst tun, wenn es realisiert hat, dass jeder weitere Tag Krieg ihren eigenen fundamentalen Interessen mehr schadet als nutzt. Solange Russland aber glaubt, diesen Krieg zumindest auf lĂ€ngere Sicht gewinnen zu können, wird der Kreml nicht bereit sein, in ernsthafte Friedensverhandlungen einzutreten.


    Solltest Du einen besseren Weg sehen, diesen Krieg auf Basis des Völkerrechts zu beenden, so bin ich ernsthaft interessiert, diesen von DIr zu erfahren.

  • Wenn Putin die Ukraine einnimmt, wird es der gesamten Ukraine so gehen wie der Krim. Dazu ein interessantes Interview view zur Lage auf der Krim.

    https://www.rnd.de/politik/ukr
HZYNEINKXKKCB5SAY3DQ.html


    Wie soll man mit so einem Mensch/Regime ĂŒber Frieden verhandeln? Ich sehe da kein Möglichkeit.

    Sollte Russland ernsthafte Signale geben, dass es bereit wĂ€re, diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden und seine Truppen aus den besetzten Gebieten zurĂŒckzuziehen, so wird die Ukraine und ihre UnterstĂŒtzer-Allianz eine solche diplomatische Initiative Russlands nicht ignorieren. Denn damit hĂ€tte die Ukraine faktisch den Krieg gewonnen. FĂŒr Russland wĂŒrde eine solche Beendigung des Krieges nichts anderes sein als eine militĂ€rische Niederlage ohne formelle KapitulationserklĂ€rung.


    Damit hat Russland aber bereits große historische Erfahrung. Der Krim-Krieg wurde 1856 so beendet und auch der RĂŒckzug der Roten Armee aus Afghanistan erfolgte auf diese Art und Weise.

  • Ich bin da hin und her gerissen. Es wĂ€re ja schonmal eine diplomatischer Schachzug eine Note der allierten UnterstĂŒtzer auf den Weg zu bringen, um den Druck hochzuhalten.


    Schauen wir auf das Ende des 2. Weltkrieges hat Deutschland bedingungslos kapituliert und dennoch ein auf viele Jahrzehnte betrachtet gutes Verhandlungsergebnis erzielt. Viel Land wurde abgegeben, aber endlich hat man sich auf akzeptierte Grenzen geeinigt. Uns wurde in den Nachkriegsjahren finanziell massiv unter die Arme gegriffen und wir wurden wieder in die Gemeinschaft der Welt aufgenommen, sogar unsere Erzfeinde nennen uns heute Freunde.


    Nun wird es aus meiner Sicht keine bedingungslose Kapitulation einer Seite geben, d.h. man mĂŒsste tatsĂ€chlich ĂŒber Land, Geld, Perspektiven und Grenzen sprechen, man mĂŒsste ĂŒber schrittweise Szenarien nachdenken können, die fĂŒr beide Seiten schmerzhaft werden. Dennoch sollte es fĂŒr den Aggressor natĂŒrlich wesentlich schmerzhafter werden. Die territoriale IntegritĂ€t, die festgelegten Grenzen und die SouverĂ€nitĂ€t beider Staaten sollte dann natĂŒrlich selbstverstĂ€ndlich sein. Ein Weg könnte sein, dass es nicht Krim und Donbass sein können, sondern höchstens ein Teil. Die dortige Bevölkerung muss dabei reichlich Zeit bekommen, ob sie dann dort bleiben möchte. Eine Garantie der NATO keine Atomwaffen in der Ukraine und Finnland zu stationieren gĂ€be es nur, wenn Russland beide Gebiete vollstĂ€ndig rĂ€umt. Ebenso die Aussicht auf Lockerung der Sanktionen nur im Gegenzug fĂŒr Reparationen. Ich sehe weltweite Sanktionen nach einem Krieg aufrecht zu erhalten als schwierig an. Diese Drohkulisse wird in wirtschaftlich schweren Zeiten als Erstes zusammenbrechen, befĂŒrchte ich.

  • Solltest Du einen besseren Weg sehen, diesen Krieg auf Basis des Völkerrechts zu beenden, so bin ich ernsthaft interessiert, diesen von DIr zu erfahren.

    Der Kissinger-Plan hat mir gefallen.


    Wenn beide Parteien nicht eher die Waffen ruhen lassen, bis ihre Ziele komplett erreicht sind, werden wir noch einen langen Krieg mit vielen Toten erleben und mit einer Partei, die tatsĂ€chlich kapitulieren muss. Wie sich dieser Krieg dann noch weiter ausbreitet, lĂ€ĂŸt sich schwer ausrechnen. Und ob nicht am Ende das jetzige Tabu, nĂ€mlich der Einsatz von ABC-Waffen, fĂ€llt, ist auch nicht in Stein gemeißelt.


    Das bedeutet, dass beide Seiten ein StĂŒck weit von ihren Zielen abzurĂŒcken haben, will man das oben beschriebene Szenario vermeiden. Dass das Ergebnis dann ungerecht oder völkerrechtswidrig sein könnte, ist der Preis dafĂŒr, dass hunderttausende Menschen nicht sterben mĂŒssen. Wenn man keinen Kompromiss will und das Völkerrecht bedingungslos schĂŒtzen will, dann muss in der Tat mit allen Waffen bis zur letzten Kugel und bis zum letzten Mann gekĂ€mpft werden. Das ist dann so, wie KU8A beschrieben hat, mit seinem Hinweis auf den 2. Weltkrieg. Da hat auch keiner einen Kompromiss gemacht.


    Wie auch immer: Mir gefĂ€llt es gar nicht, wie hier und auch anderswo mit leichter Hand, vom sicheren und wohligen Sofa aus immer neue, schwere Waffensysteme in die Diskussion eingebracht werden und nicht mit einem Sterbenswörtchen erwĂ€hnt wird, dass dies auch Konsequenzen fĂŒr die ĂŒbrige Welt (incl. Afrika, Asien, SĂŒdamerika) haben könnte. Ich denke, dass Konsequenzen gar nicht absehbar sind. Und genau das ist der Punkt, der mich beunruhigt.

  • Es wird ja in der Diskussion gerne immer so getan als wĂ€re die Ukraine eine westlich stabile Demokratie.

    Genau diesen Eindruck habe ich bei der generellen Diskussion eher nicht. Dieser Punkt wird m. E. insbesondere von den Gegnern der Waffenlieferungen und Putinisten angefĂŒhrt.

  • Wie auch immer: Mir gefĂ€llt es gar nicht, wie hier und auch anderswo mit leichter Hand, vom sicheren und wohligen Sofa aus immer neue, schwere Waffensysteme in die Diskussion eingebracht werden und nicht mit einem Sterbenswörtchen erwĂ€hnt wird, dass dies auch Konsequenzen fĂŒr die ĂŒbrige Welt (incl. Afrika, Asien, SĂŒdamerika) haben könnte.

    Naja, ich sage mal so. Sollte das Ganze auf NATO-Land ĂŒberschwappen, wĂ€re ich z.B. persönlich sehr schnell mit meinem eigenen Leben dabei, welches ich einsetzen wĂŒrde und mĂŒsste. Trotzdem fordere ich diese Waffenlieferungen, weil es nichts gibt, was an ihnen falsch sein könnte. Russland muss den grĂ¶ĂŸtmöglichen Druck bekommen.

  • Ich bin da hin und her gerissen. Es wĂ€re ja schonmal eine diplomatischer Schachzug eine Note der allierten UnterstĂŒtzer auf den Weg zu bringen, um den Druck hochzuhalten.


    Schauen wir auf das Ende des 2. Weltkrieges hat Deutschland bedingungslos kapituliert und dennoch ein auf viele Jahrzehnte betrachtet gutes Verhandlungsergebnis erzielt. Viel Land wurde abgegeben, aber endlich hat man sich auf akzeptierte Grenzen geeinigt. Uns wurde in den Nachkriegsjahren finanziell massiv unter die Arme gegriffen und wir wurden wieder in die Gemeinschaft der Welt aufgenommen, sogar unsere Erzfeinde nennen uns heute Freunde.


    Nun wird es aus meiner Sicht keine bedingungslose Kapitulation einer Seite geben, d.h. man mĂŒsste tatsĂ€chlich ĂŒber Land, Geld, Perspektiven und Grenzen sprechen, man mĂŒsste ĂŒber schrittweise Szenarien nachdenken können, die fĂŒr beide Seiten schmerzhaft werden. Dennoch sollte es fĂŒr den Aggressor natĂŒrlich wesentlich schmerzhafter werden. Die territoriale IntegritĂ€t, die festgelegten Grenzen und die SouverĂ€nitĂ€t beider Staaten sollte dann natĂŒrlich selbstverstĂ€ndlich sein. Ein Weg könnte sein, dass es nicht Krim und Donbass sein können, sondern höchstens ein Teil. Die dortige Bevölkerung muss dabei reichlich Zeit bekommen, ob sie dann dort bleiben möchte. Eine Garantie der NATO keine Atomwaffen in der Ukraine und Finnland zu stationieren gĂ€be es nur, wenn Russland beide Gebiete vollstĂ€ndig rĂ€umt. Ebenso die Aussicht auf Lockerung der Sanktionen nur im Gegenzug fĂŒr Reparationen. Ich sehe weltweite Sanktionen nach einem Krieg aufrecht zu erhalten als schwierig an. Diese Drohkulisse wird in wirtschaftlich schweren Zeiten als Erstes zusammenbrechen, befĂŒrchte ich.

    Dein Beispiel mit dem Ende des 2. Weltkrieges halte ich - verzeih mir - fĂŒr nicht gut gewĂ€hlt, da dies gerade ein Paradebeispiel fĂŒr ein Kriegsende ist, dass nicht auf dem diplomatischen Parkett vereinbart wurde, sondern eben durch uneingeschrĂ€nkte Kapitulation und damit mit einer totalen militĂ€rischen Niederlage des Aggressors, einer jahrelangen Besetzung von dessen Staatsgebiet sowie mit dem Verlust von bedeutenden Teilen seines Staatsgebietes endete. Eines kann man heute mit Sicherheit schon sagen; So wird der Ukraine-Krieg nicht enden. Weder hat die Ukraine das Ziel, in Russland einzumarschieren noch wĂŒrden das die Staaten der Ukraine-UnterstĂŒtzer-Allianz zulassen.


    Es kommt viel eher ein Szenario in Betracht, wie der 1. Weltkrieg endete. Da erklĂ€rte die deutsche ArmeefĂŒhrung Ende 1918 der Reichsregierung, dass der Krieg nunmehr nicht mehr zu gewinnen sei und das deshalb unverzĂŒglich und ohne Vorbedingungen Waffenstillstandsverhandlungen mit den Alliierten gefĂŒhrt werden mĂŒssen. Formal betrachtet endete der 1. Weltkrieg also nicht mit einer militĂ€rischen Niederlage des deutschen Kaiserreichs, sondern mit einem Waffenstillstand.


    Was wie ein Unentschieden klingt, war aber letztlich nichts anderes als eine totale und bedingungslose Niederlage, wie man schon dem Wortlaut der Waffenstillstandsvereinbarung entnehmen konnte. Die Friedensverhandlungen fanden im Übrigen erst mehr als 1 Jahr spĂ€ter statt und waren letztlich in ihren Bestimmungen noch viel hĂ€rter und demĂŒtigender als die Bedingungen der Waffenstillsstandsvereinbarung, weil man Deutschland gemeinsam mit Österreich-Ungarn die alleinige Kriegsschuld zuschob und dem daniederliegenden Deutschland neben großen Gebietsverlusten auch gewaltige Reparationszahlungen auferlegte.


    Russland wird im Falle der ErklĂ€rung eines bedingungslosen Waffenstillstands mit Sicherheit erheblich gnĂ€diger behandelt werden als das deutsche Kaiserreich. Dennoch wird ein solcher Waffenstillstand nur akzeptiert werden können, wenn Russland sich in der entsprechenden Vereinbarung verpflichtet, sĂ€mtliche seiner Truppen innerhalb einer festgesetzten Frist aus der Ukraine zurĂŒckzuziehen. Zudem ist das Problem der Krim und die Frage der Höhe der KriegsschĂ€denreparationen zu klĂ€ren. Wie auch immer die Regelungen dazu im Detail aussehen wĂŒrden, so wĂ€re das Ergebnis faktisch nichts anderes als eine klare Niederlage Russlands.