Straßenverkehr-Mecker-Thread

  • Ich glaube, ich weiß, was Käptn Frühstück zu loben versucht: Die Verschwenkung, wie Ihr es nennt. Ja, eine Verschwenkung an sich ist auch gut. Aber sie allein macht diese Kreuzung da imho nicht gut.


    Begründung: Die Grundüberlegung bei Vision Zero (also dem Ziel, die Zahl der Verkehrsopfer auf Null zu senken, weil es eben keine duldbare Opferzahl geben kann) ist "systematische Sicherheit", die im Video ab Minute 1:15 erklärt wird. Menschen sind verletzlich und machen Fehler. Daher soll man nicht auf den nächsten Unfall warten und anschließend mit Verhaltensappellen agieren. Stattdessen soll man mit baulichen Mitteln verhindern, daß menschliche Fehler zu Unfällen führen.


    "Ein System, das nur funktioniert, wenn Menschen keine Fehler machen, ist nicht für Menschen geeignet."


    Die Verschwenkung ist ein Baustein, allein aber nicht ausreichend. Meine Ideen dazu: Der Kurvenradius für Rechtsabbieger von der Leinechausee in den Frachtweg ist zu groß, die Kurve fängt zudem ziemlich breit an. Fahrzeuge müssen daher nicht genug abbremsen vor der Kurve. Entsprechend kriegen sie auch nicht ganz den 90°-Schwenk hin, der den Sichtwinkel so viel besser macht. Für Rechts- wie Linksabbieger ist der Radweg auch nicht farblich hervorgehoben, so daß der Autofahrer visuell den Eindruck behalten muß, er würde nie "seine" Straße verlassen oder gar den Weg von anderen kreuzen. Auch scheint mir die Vorfahrtsregelung anhand des Satellitenfotos nicht oder nicht eindeutig genug.


    Not just Bikes zeigt anhand einer innerstädtischen Situation, was es für einen Unterschied macht, ob die Autostraße ununterbrochen weiterführt oder der Bürgersteig. So kann man Autofahrern unmißverständlich mit Straßendesign mitteilen, daß sie "ihre" Straße verlassen und den Weg von schwächeren Verkehrsteilnehmern kreuzen. Das ist imho außerhalb von Ortschaften nicht nötig, aber rote Farbe plus Vorfahrtszeichen sollten drin sein.


    Bicycledutch stellt zudem fest, daß außerhalb der Niederlande Radfahrinfrastruktur oft da endet, wo sie am meisten gebraucht wird: An Kreuzungen.


    Solche Radwege wie von bjk gezeigt, die ja wohl in beide Richtungen von Radfahrern befahren werden sollen, sind nur dort zu empfehlen, wo es keine bis wenige Kreuzungen gibt. Außerorts kann man vielleicht urteilen, daß es nur wenige Kreuzungen gibt. Man könnte aber auch prüfen, ob an der Straße der Radweg nicht generell auf der rechten Seite besser aufgehoben wäre. Dafür müßte man sich die gesamte Strecke vor Ort mal ankucken.


    Wem auf den Tisch zu kacken ist, hat Der Zweilinksfüssler schon passend beantwortet. Mit zu großer Wahrscheinlichkeit würde man entweder von Pontius zu Pilatus geschickt (wir sind hier nicht zuständig) oder eine Behörde schaut in die Unterlagen und vermerkt, da sei kein Unfallschwerpunkt. Wenn da nicht schon fünf Leute umgenietet worden sind, dann will da keiner was machen.


    Denn Vision Zero ist leider zu oft ein Lippenbekenntnis, das zwar unter dem Dach der EU entwickelt worden ist (glaube ich, lese ich jetzt nicht nach), aber nicht von deutschen Planungsbehörden berücksichtigt wird. Das würde Geld kosten, das würde Personalaufwand bedeuten, das würde Bildung in diesem Bereich voraussetzen. Alles schwierige Dinge. Quasi unlösbar. Zumal Radfahrer eh nicht Ernst genommen werden. Das sind Sportler, Lebenskünstler, Freaks. Mit Kopfhörern statt Licht, fahren freihändig auf der falschen Seite und nehmen wahrscheinlich sogar alle Drogen. Außerdem fährt da eh keiner lang. Wo keine Züge fahren, braucht man keine Schienen verlegen. Wo keiner Rad fährt, da muß man nicht die Straße umbauen.

  • Ich fahre über 18.000 Kilometer Fahrrad pro Jahr.

    Du Maschine! :erstaunt:

    Das ist jetzt allerdings die Strecke, die ich mit dem Pedelec zurücklege (hauptsächlich Arbeitsweg). Biobiken ist mittlerweile nicht mehr annähernd so viel, aber da kommen dann wahrscheinlich nochmal 2000-3000 Kilometer jährlich drauf.

    ja, ganz gute idee mit der stadt wustorf. ich glaube aber, das bjk da teilweise nicht befriedigende antworten bekommen wird, eher so in richtung:

    sehr geehrter herr bjk, da können wir leider nix für sie tun , weil es sich hier um eine kreisstraße handelt und nicht unserer obhut unterliegt. zumindest bezogen auf die situation blumenau-liethe.

    ich kann mir bildlich vorstellen, wo du langgschüsselt bist. das ist echt ne katastrophe. von der sternenkreuzung luthe richtung blumenau fahr ich schon gar nicht mehr auf dem gestrichelten radweg auf der fahrbahn. da wirst du von hinten angehupt und ohne abstand überholt.

    übrigens: wenn du die strecke bis ende liethe überlebt hast: welcher honk hat eigentlich die reifenspur im frischen beton auf dem radweg richtung bordenau/poggenhagen hinterlassen?:D

    So ist es. Normalerweise fahre ich da nur in die andere Richtung. Bis Luthe da, wo es erlaubt ist, auf der Straße und in Luthe bis zu der oben erwähnten Kreuzung auf der Straße, wenn nicht zu viel Verkehr ist. Dann weiter Richtung Bahntrasse am Nahkauf vorbei auf dem Fußweg.


    Das mit dem Radweg war ich nicht, ich komme von Poggenhagen und fahre direkt am Fliegerhorst vorbei über die kleine Bahnüberführung und komme dann erst in Liethe am Hofladen auf die Straße.


    An der B6 zwischen Frielingen und Neustadt war allerdings damals auch so ein Spezialist unterwegs.


    Pokalheld Musst Du mir alles nicht auseinanderklamüsern. ;) Ich habe das alles mehrfach schon in der Praxis erlebt. Große Radien bei T-Kreuzungen an Autobahnabfahrten oder Gewerbegebieten, besonders schön gewürzt mit linksseitigen Radwegen. Die "Kurve" wird als Beschleunigungsstreifen genutzt, der Blick des Kraftfahrers geht nur nach links. Es ist übrigens absolut schnurzpiepe, ob unter dem Dreieck noch ein Zusatzschild mit einem Fahrradsymbol ist und zusätzlich die Fahrradfurt rot markiert samt Fahrradpiktogramm und zwei Pfeilen. Trotzdem wirste da bei fünf Fahrten pro Woche durchschnittlich ein bis zwei Mal über den Haufen gefahren, wenn Du nicht anhältst. Aber Fehler sind ja so menschlich und man muss dafür Verständnis aufbringen.

    Einmal editiert, zuletzt von bjk ()

  • :ja: Sonst würde ich dort auch nicht fahren. Auf dem Fußweg fahren ist bei mir gleichbedeutend mit Fahren auf einem Fußweg mit Zusatzzeichen ("Radfahrer frei").

  • Donnergott, sach mal - du bist ein U-Boot, oder ein bot, wie man heute sagt?

    Immer wenn ich gerade denke - hach schön, den Trump haste fast vergessen, dann erklärst du Laschet, oder das Geile am Gehwegparken.

    Das sind bei dir ja keine Fettnäpfchen, oder Blödheit - bei dir ist das immer politischer Wille, und echte Überzeugung.


    Irgendwie ist das deine Überzeugung, dein Weg, dafür trittst du ein - Toleranz nennst du es - richtig?

  • Donnergott fährt einfach gerne Auto und ist vielleicht einer von denen, die, wenn sie an einer Ausfahrt stehen, vor der Radfahrer kreuzen, irgendwann losfahren, weil man sonst ja nie von der Stelle kommt, wenn man auf das Ende des Stromes an Radfahrern wartet.


    Es gibt immer noch das weit verbreitete Denken, dass am Ende des Tages der Autofahrer der 'echte' Verkehrsteilnehmer ist, während die anderen eher so halbe sind.

    Die Linksabbieger konzentrieren sich auf den Gegenverkehr und haben den Radweg nicht im Hauptblickfeld, bevor sie abbiegen.

    Das ist dann die Basis für jede Entschuldigung, dass ein Radfahrer oder Fußgänger zu Schaden gekommen ist. Natürlich sind sie daran irgendwie selber Schuld, schließlich musste der Autofahrer ja auf den Gegenverkehr im 'Hauptblickfeld' (was bitte?) achten. Muss man als Radfahrer aber auch mal Rücksicht nehmen, oder?

    Diese Verschiebung der Verantwortung für eine Gefährdung oder einen Unfall ist symptomatisch für die alte Denke, dass die Straße eben doch dem Auto gehört.


    Um es klar und deutlich zu schreiben, Donnergott: Wenn Du nicht in der Lage bist, die Radfahrer mit zu berücksichtigen bei Deinem Abbiegen, dann hast Du nix in einem Auto auf der Straße zu suchen.

  • Vor allem frage ich mich, wie er dann jemals an einer Kreuzung links in eine Vorfahrtstraße einbiegen will. Da muss man dann gleich auf drei Richtungen auf einmal achten.

  • Das "Argument" hatte ja sogar mal ich vor einiger Zeit angebracht, weil es mir in Dänemark mal so gegangen ist, dass das monotone Tempo gefühlt meine Aufmerksamkeit beeinträchtigt hat. Ich halte das aufgrund meiner persönlichen Erfahrung immer noch für teilweise valide, aber in Summe der Pros und Cons für absolut irrelevant.

  • Wenn ich beim Autofahren ermüde, mache ich eine Pause.


    So habe ich es gelernt und wer das nicht kann, sollte nicht Autofahren.

  • Ich schrieb von einschlafen, Du von "das "Argument" ".


    Ich mache übrigens auch dann eine Pause, wenn ich merke, das meine Aufmerksamkeit nachlässt.


    Ich glaube, wir sind uns grundsätzlich einig, dass das kein Argument gegen ein Tempolimit ist

  • Sind wir. Mein Empfinden ist, dass ich generell aufmerksamer bin, wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung variiert, anstatt über hunderte von Kilometern unverändert zu bleiben. Dagegen würde keine Pause helfen. Aber das sind tatsächlich Marginalien.

  • Ich dagegen würde vermuten, daß eine kontinuierlich eingehaltene Geschwindigkeit weniger ermüdend ist, als häufiger Wechsel.

  • Grundsätzlich reden wir hier von langen Strecken (für mich wären das 500+).


    Es ist ja nicht umsonst gesetzlich geregelt, das ein Lkw-Fahrer, der meist konstant 90 fährt, nach viereinhalb Stunden Pause machen muss.