Beiträge von musketeer54

    Etwas älter aber immer noch aktuell:


    Dieter Schnaas, Chefreporter und Essayist der WirtschaftsWoche:


    „Der Liberalismus hat im Vergleich zu den anderen politischen Angeboten einen entscheidenden Nachteil: Er steht für nichts. Der Konservative bietet einen Rückzug auf Tradition, auf Herkunft an, er bietet ein verlässliches Weltbild an: ‚Hier bitte, das kannst du wählen.‘ Der Sozialdemokrat bietet die Zukunft an, er bietet an, wir wollen gemeinsam, solidarisch einer besseren Welt entgegensehen. Allein der Liberalismus hat den großen Nachteil, dass er dem Wähler gar nichts anbietet. Der Liberalismus gibt dem Menschen einen Stups und sagt: ‚Hier hast du deine Freiheit, mit der musst du etwas anfangen. Wir können dir nichts an belastbaren Inhalten anbieten.‘ Entscheidend ist also: Wie kann man dieses Nicht-Angebot irgendwie politisch attraktiv machen?“

    Mir musste man da nie etwas schmackhaft machen. Ich fand genau das – dass es mr nämlich selbst überlassen bleibt, was ich mit meiner Freiheit anfange – schon immer attraktiv. Eine Freiheit, die mir nur unter der Voraussetzung gewährt wird, dass ich von ihr auch bitte in genehmer Weise Gebrauch mache, verdient in meinen Augen diese Bezeichnung nicht. Soviel auch zu dem Vorwurf der Inhaltsleere im folgenden Zitat – den empfände ich zum Beispiel gar nicht ernsthaft als Vorwurf.


    Unterm Strich aber kann es nicht darum gehen, einheitliches vermeintlich objektiv "korrektes" Verhalten zu generieren, sondern darum, jedem die Entfaltung seiner Persönlichkeit zu gestatten - und zwar grundsätzlich egal, ob sie Dir oder mir gefällt oder nicht. Das ist gesellschaftlicher Pluralismus, neudeutsch Diversity. Da geht es im mehr als (eigentlich bedeutungslose) Dinge wie Hautfarbe oder sexuelle Orientierung, eigentlich geht es um die Akzeptanz von Lebensenwürfen - eben von der jeweils eigenen Persönlichkeit, deren Entfaltung jedem für sich frei steht.

    Da ist sie, die Pervertierung derBegrifflichkeiten zur Umdeutung der eigenen inhaltsleeren Möchte-Gern-Ideologie. Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sind für die, die dafür in unserer Gesellschaft Akzeptanzprobleme haben und für das Gehör in unser Gesellschaft in Bezug auf Ausschluss und Diskriminierung kämpfen, nicht bedeutungslos. Und wenn Kategorien von Menschen bezüglich ihrer Identität ein Ausschlusskriterium sind, ist das nicht nur nicht bedeutungslos für die Betroffenen, sondern für die Gesamtgesellschaft.

    Dem entgegen steht die Einstufung die Lebensentwürfe und Entfaltung der Persönlichkeit nur allein aufgrund der ökonischen Basis und des daraus resultierenden Konsums bedeutungsvoller als die Entfaltung der Persönlichkeit aufgrund von identitätsstiftenden Merkmalen. Wer diese identätsstiftenden Merkmale abwertet, sollte mit mit dem Faschismusbegriff als Vorwurf an kritische, die Gesamtgesellschaft betrachtende Sichtweise, nicht derart lapidar umgehen.

    Denn hier ist die Schnittmenge von AFD und FDP nur noch minimal -> AFDPD.

    AFD, FDP und DPD? :grübel:


    Noch eine kurze Anmerkung zu dieser und anderen Diskussionen: Ich habe für mich festgestellt, dass ich mit Debatten zu vielen politischen Themen deutlich entspannter umgehe, seitdem ich mir klargemacht habe, dass Ideologien immer nur die anderen haben – ich selbst habe natürlich Überzeugungen – und dass das genauso auch umgekehrt gilt. Vielleicht hilft das auch dem einen oder anderen User weiter. Ich habe nämlich den Eindruck, dass hier gerne mal ziemlich heftig reagiert wird, wenn der Debattengegner nahelegt, man würde „ideologisch“ argumentieren. Wenn ich mir so einen Vorwurf übersetze in „Du argumentierst auf der Grundlage deiner Überzeugungen!“, fällt es mir viel leichter, angemessen damit umzugehen.

    Besteuerung von Kapitalerträgen zu erklären hab ich mal täglich gemacht, bin da aber schon länger raus und kenne nicht alle aktuellen Regelungen (zumal ich mit Versicherungsprodukten eh nie zu tun hatte, da gibt es teilweise echt merkwürdige Konstruktionen).


    Was ich mir vorstellen könnte: Für den bislang aufgelaufenen Betrag profitierst du von irgendeiner Altregelung, weswegen die Auszahlung einschließlich der bisher angefallenen Kapitalerträge steuerfrei bleibt. Aber die Umwandlung der Anlagesumme in die Rente mit monatlicher Auszahlung stellt technisch den Abschluss eines neuen Finanzprodukts dar, so dass die dort anfallenden Erträge nun einer Besteuerung unterliegen. Und weil man die Laufzeit des Produkts im Einzelfall nicht kennt (man weiß ja nicht, wie alt du werden wirst) und daher nicht von vornherein berechnen kann, welchen Anteil während der Laufzeit angefallene Kapitalerträge am insgesamt ausgezahlten Betrag haben werden, setzt man die pauschalen 20 Prozent an.

    Nun, liberal soll in den USA links bedeuten, libertarian dafür unser liberal. Hab ich das richtig verstanden?

    Jein. Grob haut das hin, wobei z. B. "links" natürlich auf den Kontext des dortigen politischen Spektrums bezogen werden muss. Wie schon gesagt wurde, gelten diverse sozialstaatliche Errungenschaften, die hierzulande eigentlich weitgehender Konsens sind, dort als linke Forderungen.


    Für die Entsprechung "libertarian" zu "liberal" gilt das auch: Grob passt das, weil beides die Auffassung beschreibt, dass staatliche Einflussnahme begrenzt werden soll. Insbesondere da, wo ins Spiel kommt, dass man hierzulande mit dem Begriff "liberal" meist eine konkrete Partei assoziiert, wird das ganze aber leicht unscharf. Zumal "libertarian" (soweit ich weiß) ursprünglich mal eher auf gesellschaftspolitische Vorstellungen bezogen war. Wer für einen (sehr) schlanken Staat mit vglw. kleinem Haushalt, dementsprechend niedrigen Steuern und staatlichen Leistungen eintrat, gleichzeitig aber auch gegen Bevormundung bspw. hinsichtlich Abtreibung oder sexueller Orientierung, den bezeichnete man gerne mit der Kombination "fiscal conservative, social libertarian". Solche Leute gab und gibt es in beiden großen Parteien.

    Ich denke zwar nicht, dass ich viel beitragen kann, aber vielleicht solltest du präzisieren: Geht es um eine rechnerische Bestandsverwaltung (die quasi -1 pro registriertem Verkauf rechnet und bei Erreichen von 0 Alarm schlägt) oder um eine wie auch immer geartete sensorische Erfassung des tatsächlichen Vorhandenseins? Im zweiten Fall fiele mir auf Anhieb alleine schon die Tankleuchte im Auto ein.

    Aber dadurch, dass Lindner das auf die Situation beim Bäcker und dort eben nur auf die Menschen bezieht, die aufgrund äußerlich wahrnehmbarer Merkmale als "fremd" empfunden werden, legitimiert er quasi privates Racial Profiling.


    Tatsächlich weiß ich nie, ob sich irgendein mir persönlich nicht bekannter Mensch in der Bäckerschlange möglicherweise illegal hier aufhält, aber die Frage steht halt beim blonden Norweger gar nicht erst im Raum.

    Mal eine positive Erfahrung mit Hermes. Ich habe letzten Montag über das große kleine a ein Geschenk für einen Geburtstag am Mittwoch bestellt. Artikel auf Lager, ich hatte das über mehrere Tage beobachtet, Lieferdatum wurde immer mit dem Folgetag bzw. abends dann mit dem übernächsten Tag angezeigt. Ich wollte nicht zu früh bestellen, damit das Paket nicht ewig beim Geburtstagskind rumliegen muss. Also dann am Montag bestellt, damit das Paket am Dienstag oder Mittwoch eintrifft. Bei der Bestellung dann etwas sparsam geschaut, als mir klar wurde, dass die angezeigte Lieferzeit natürlich immer auf der Annahme einer Lieferung zu meiner gespeicherten Adresse in FFM basierte und die Lieferung zum auf Sylt lebenden Geburtstagskind offenbar etwas aufwendiger ausfällt: Angezeigtes Lieferdatum war dann plötzlich der Samstag. Allerdings lief offenbar alles glatter als erwartet, so dass letzten Endes doch noch am Mittwochnachmittag zugestellt wurde.

    Per hat doch gar nichts von "alles wieder dicht machen" geschrieben. Davon ab bitte ich darum, auf Vollzitate zu verzichten, wenn man sich auf das Posting direkt davor bezieht. Danke.

    Ich kann gut verstehen, dass man gerade in einem stark frequentiertem Thread wie diesem hier die Möglichkeit berücksichtigt, dass sich noch ein oder mehrere neue Beiträge dazwischenschieben, während man seinen schreibt.

    Ich picke mal nur ein Beispiel raus: Schulschließungen. Ja es kann sein, daß sich irgendwann rausstellt, daß es eine der Maßnahmen war, die unnötig waren. Wußte man aber nicht, als man die Maßnahme verhängt hat. Es kann aber auch sein, daß die Maßnahme sogar sehr sinnvoll war, wenn sich rausstellt, daß man dadurch die Kinderkrankheit verhindert hat die gehäuft in New York und auch in anderen Ländern aufgetreten ist. Das kann man aber heute und auch in ein paar Wochen absolut nicht beurteilen. Da hilft auch kein energisches Diskutieren und es hilft auch nicht, im Nebel sitzend im statistischen Kaffeesatz herumzudeuten.

    "Kann sein, dass es was bringt" ist halt für die verfassungsrechtliche Verhältnismäßigkeitsprüfung ein ziemlich dünnes Argument.

    Wer Distanzierung will, kann die doch gerne haben. Tatsächlich gefällt es mir sehr gut, dass derzeit im Alltag (z. B. beim Einkaufen) auf etwas Distanz und Rücksichtnahme geachtet wird. Und wie die Vorredner muss auch ich mir wohl vglw. wenig Vorwürfe machen, was die Einhaltung der aktuellen Verhaltensgebote angeht.


    Tatsache ist aber auch, dass ich lieber heute als morgen wieder auf Konzerten verschwitzt und biergeduscht andere Menschen anspringen will. Wenn das auch morgen nicht klappen sollte, wird es halt übermorgen, aber ich werde mich nicht dauerhaft mit einer "neuen Normalität" abfinden, die die Unterbindung sozialer Kontakte und des Zusammenkommens in Gruppen zum Wesenskern hat.

    Sowas hier?
    ACHTUNG BÖSES AMAZON:

    https://www.amazon.de/dp/B00NZ4DKRI?tag=szv-21

    Nein, das mit den Scheiben war schon einigermaßen wörtlich gemeint. Ich schaue mal, ob ich den online finden kann.


    EDIT: Der hier kommt dem optischen Eindruck schon recht nahe. Hier ist das Muster natürlich nur aufgemalt, aber wenn man sich vorstellt, dass nur da Kunststoff ist, wo hier die hellgrünen Streifen verlaufen, und die schmalen dunkelgrünen Streifen die Aussparungen sind, dann kommt es ungefähr hin. Das ganze Teil dann in Mattschwarz.

    Vielleicht sollte ich zur Abwechslung mal auf meine alte Mutter hören und mir jetzt auch einen Fahrradhelm zulegen.

    Mir gefallen optisch die Skaterhelme besser als diese futuristisch geformten...

    Aber wahrscheinlich schwitzt man unter den Skaterhelmen mehr als unter den anderen, oder?


    Hat jemand eine Kaufempfehlung für mich?

    Ich habe neulich einen Radfahrer gesehen, der eine Art Kombination aus beidem trug. Sah aus fast allen Perspektiven aus wie so ein Skaterhelm, nur direkt von vorne oder hinten sah man, dass es quasi ein "längs in Scheiben geschnittener" Skaterhelm war (weiß nicht, wie ich das besser beschreiben soll). Dadurch sollte also eine gewisse Belüftung gegeben sein. Marke o. ä. kenne ich natürlich nicht, aber vielleicht kann im Fachhandel jemand was mit der Beschreibung anfangen.

    Über die Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft unter dem Eindruck der Corona-Unsicherheit


    Ist auf Englisch und man sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen, aber ich habe es gerne gelesen.


    Zitat

    [...] More than twenty years ago, Bruno Latour announced a transition from the culture of science to a culture of research. He believed people had ceased to expect certainty from science, having instead begun to accept that they must share risk in a much more uncertain, evolving, many-sided enterprise, which he gathered under the rubric of “research.” Latour spoke of a “New Deal between research and society” that testified to a fundamental change in public expectations of science: “Science does not enter a chaotic society to put order into it anymore, to simplify its composition, and to put an end to its controversies. It does enter it, but to add new, uncertain ingredients . . . to all the other ingredients that make up the collective experiments.”


    It seems that Latour’s observation was a little too early. In times of crisis, the demand for scientific certainty is still high. This recently became apparent in Germany [...]