Historische Ereignisse / Heute vor xy-Jahren... Erinnert ihr euch an...?

  • Ich erinnere mich so sehr gut. Ein damaliger Kumpel, den ich gerne als "mein kleiner Verschwöhrungstheoretiker" bezeichnet habe, den habe ich damals zwischen den Jahren auf ein Bierchen getroffen. In den Monaten davor drehten sich unsere Gespräche eher um Greta, Klimaschutz, Zweiklassengesellschaft auf dem Arbeitsmarkt, Kommerz im Allgemeinen.

    An dem Abend warf er das Handy auf den Tresen und sagte: "Nun rotten wir uns selbst aus"

    Ich, völlig irritiert, "Häh?"

    Er war damals bei reddit und in diversen Telegram-Gruppen organisiert.

    Dort kursierte die Meldung ebenfalls schon vor dem Jahreswechsel.

    Ich tat das als realitätsfern, wie er sonst eben auch mal war, ab und nahm zwar die Meldungen über China wahr, habe aber noch im Februar mit einem Arbeitskollegen beraten, der Streit mit seiner Frau hatte, ob man das Kind im Februar noch mitlassen könnte nach Ischgl zur Klassenfahrt.

    Als Mitte März die Schulen geschlossen wurden, wurde mir das Ausmaß erst so richtig deutlich. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass man über Wochen ganze Branchen lahmlegen kann.

    Ich rief ihn an, um mit ihm meine Verwunderung zu teilen. Sein einziger Kommentar war: "Ein richtiger Shutdown sieht aber anders aus, alles zu halbherzig."

  • Ich bin noch keine 50 Jahre alt und in meiner Lehre wurde das Wort noch absolut selbstverständlich benutzt.


    (Es hatte aber auch keines der angeredeten Fräuleins ein Problem damit.)


    Da sieht man mal, wie lang es dauert, bis diese Wörter verschwinden.


    Heute höre ich es wirklich nur noch von sehr alten Mitbürgern.

  • Ich wohne direkt hinter dem "neuen" Deich im Stadtteil Francop. Überall auf dem Deich stehen seit letzter Woche Fotos in Übergröße, wie es zur Flut hier ausgesehen hat.Genau ausgerichtet, das man sich ein Bild machen kann und die richtige Perspektive hat Schon sehr erschreckend. auch heute Nacht sind wieder Sturmfluten für Hamburg angesagt.

    Wenn man bedenkt, das die Elbe immer tiefer ausgebaggert wird und man nun auch die alte Süderelbe wieder öffnen will, kann man nur den Kopf schütteln, was das für Mensch und Natur bedeuten könnte.

    https://www.aktionsbuendnis-alte-suederelbe.de

  • Das ist aber, mit Verlaub, eine ziemlich verkürzte Darstellung der Süderelbethematik.

    Im Zuge des Hochwassers in den 60ern hat man einfach die technische Keule ausgepackt und die Deiche noch höher gemacht. Jeder noch so kleine Nebenbach wurde mit einem Sperrwerk versehen. Das hat halt in der Summe dazu geführt, dass der Tideeinfluss gestiegen ist und damit auch die Sedimentfrachten. Das hat aber nur zweitrangig mit dem Interesse zu tun, noch größere Schiffe durch die Elbe zu jagen.

    In Europa ist man mittlerweile zu dem Entschluss gekommen, dass es halt nicht so clever war, den natürlichen Gewässern ihren Retentionsraum zu nehmen und da Häuser hin zu bauen. Deswegen geht es beim vorbeugenden Hochwasserschutz darum die natürlichen Überschwemmungsgebiete wieder anzuschließen um den Druck vom Kessel zu nehmen. Die technischen Mittel sind halt begrenzt und nicht sonderlich nachhaltig, insbesondere auch im Zuge des Klimawandels. Wenn die jetzt im Ahrtal den Fluss in Mauern packen verlagert das das eigentliche Problem einfach nur in flussabwärts gelegene Gemeinden. Ziel muss es aber sein, das Wasser in der Fläche zu halten um die Hochwasserspitzen abpuffern zu können und das bedeutet halt im einfachsten Falle den Wiederanschluss von Altwassern. Aber da haben wir dann auch schon den Interessenkonflikt mit den Eigentümer, zumeist Landwirte. Da kommen dann auch Synergien des Hochwasser- und Naturschutzes zusammen, da die strukturelle Verbesserung der Gewässer sich auch positiv auf den ökologischen Zustand auswirkt. Und der ist europäisch verpflichtend und es werden in Zukunft für die BRD hohe Strafzahlungen fällig, da sie diesen Verpflichtungen mehr sehr schlecht als recht nachkommt.

    Bei der Süderelbe kommt aber noch hinzu, dass da die Wiederherstellung von FFH-Lebensraumtypen (das heißt von europäischen gemeinschaftlichem Interesse) erfolgen soll. Derzeitig haben wir da einen eutrophen Flachsee, der zwar ein geschütztes Biotop darstellt, im Vergleich zum Potenzial zur Herstellung tidebeeinflusster Lebensräume aber das Hannover 96 der geschützten Biotope ist. Und die Sedimente sind stark belastet mit Nährstoffen, Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln. Gut, dass sich organische Schadstoffe im Sediment ablagern, sonst müsste das Aktionsbündnis noch zugeben, dass da doch nicht alles so tutti ist.

    Im Grunde ist es wie immer beim Naturschutz. Wenn die Güllefraktion zetert, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine nachhaltige und sinvolle Maßnahme (Schade, dass der Welfe nicht mehr da ist, um mir diese Aussage verbal um die Ohren zu hauen).