Segelsport

  • Wenn das Handy Laut gibt, sind so manche nicht mehr aufzuhalten...

    Das kenne ich, solches Verhalten (mit Hinunterstürmen unter Deck, um das quäkende Gerät zu holen) hat mal jemandem den Spitznamen "Schiffsjunge" eingehandelt... und der hat letztes Jahr auch noch seinen SBF See gemacht und will dieses Jahr auf der Ostsee skippern. :wut:


    Hoffentlich nicht zu der Zeit, in der wir unterwegs sind.


    Gerade die oben benannten Unwägbarkeiten lassen mich derzeit nach einem Manöver suchen, welches grössere Sicherheit bietet.

  • Das gehört dann zu guter Seemannschaft dazu, den Leuten (Mitseglern) ihre Jobs klar darzulegen. Wer hat was zu machen (wann), wer gibt die Kommandos, wie wird kommuniziert.

    jeder hat klar zu wissen, was von ihm erwartet wird. Dass immer was schiefgehen kann, ist klar. Auch wir haben als eingespieltes Team manch seltsames Anlegemanöver hingelegt, klar, aber wenn - deutlich vor dem Anlegen (oder jedem anderen Manöver) klar angesagt ist, wer was wann zu tun hat, läuft das in der Regel auch. Und je nachdem, wie unerfahren die Mitsegler sind, gehört dazu auch die Ansage, dass beim Manöver handys egal sind und gefälligst keine Kippe in der Fresse steckt.

  • Ich gebe dir mit allen Aussagen vollumfänglich recht... leider kam mir aber über das Vereinssegeln dieser eine "Schiffsjunge" in die Crew, der mich doch sehr vorsichtig hat werden lassen: sein heftigster Klopfer war übrigens einer aus der Kategorie: "Kannst Du Dir nicht ausdenken!":


    Schönstes Wetter auf der Ostsee samt Ententeich, das Boot "trieb" unter Segeln mit 1-2 Knoten dem Ziel entgegen. Da mir der Kopf schon von der Sonne brummte, wollte ich mich ein paar Minuten unter Deck hinlegen und habe die gesamte Mannschaft noch einmal eindringlich erinnert, dass man nicht von einem fahrenden Schiff zum Baden ins Wasser springt und wir später zum Baden gerne Ankern können. Und natürlich stand jemand am Ruder.


    Kurz danach höre ich beim Dösen eine Leine ins Wasser fallen und denke, dass ich dann wohl gleich die Schot wieder an Bord nehmen muss. Wenige Sekunden höre ich erst ein Trappeln, dann ein Klatschen, dann einen lauten Schmerzenschrei: der Schiffsjunge hatte achtern (im Bereich des Propellers also) eine Leine befestigt und über Bord geworfen, war dann selbst mit einem (wie mir später berichtet wurde) mäßig eleganten Hechtsprung in die Ostsee gesprungen und hatte sich bei Versuch, das Tau zu fassen, die Hände aufgerissen. 1,5 Knoten sind halt mehr als menschliche Rumpfgeschwindigkeit und ein sich bewegendes nasses Tau pellt ziemlich schnell die zarten Hände eines Key-Account-Managers....


    Und so kam ich in den "Genuss" meines ersten (und Gott sei Dank einzigen) realistischen MOB-Manövers - noch heute schlottern mir dabei die Knie, wenn ich mich nur daran erinnere.

  • Okay, also wir legen immer mit Fendern an. Im Zweifel muss einer die Fender kurz hochnehmen. (Allerdings sagt das "wir" natürlich schon, dass wir nicht Einhand segeln.) Nach Möglichkeit wird die Box aber so ausgewählt, dass die mit durchpassen. Unser Skipper ist extrem gut im Manövrieren, aber das Risiko geht er nicht ein. Auch versehentliches oder durch äußere Umstände verursachtes Hafenbillard ist unangenehm, Versicherung hin oder her.


    Und der "Schiffsjunge" würde bei uns wohl am nächsten Hafen ausschiffen müssen. Auf jeden Fall wäre das sein letzter Törn auf der Gerri. :D


    Gute Seemannschaft hängt aus meiner Sicht nicht nur vom Skipper ab, sondern ist auch eine Frage der grundsätzlichen Einstellung eines Crewmitglieds. Spaß darf sein, man ist ja nicht bei Familie Pfeffersack aus Blankenese an Bord, wo Disziplin aus Gründen der Selbstdarstellung zum Selbstzweck wird und an Bord schon gar nicht gelacht werden darf.


    Aber in kritischen Momenten ans Handy zu gehen oder kritische Momente grob fahrlässig herbeizuführen sagt auch etwas über die seemännische Eignung und das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen aus. Einem Erwachsenen sollte ich bei der Einweisung eigentlich nicht mehr extra mitteilen müssen, dass er während des Anlegemanövers auf Position bleiben und sein Handy ignorieren soll; geschweige denn, dass Leinen im Wasser immer schlecht und in Propellernähe dazu noch gefährlich sind und der Sprung vom fahrenden Boot erst recht.