Hannover 96- Dynamo Dresden, So. 11.09.2016, 13.30 Uhr

  • Tja so war es nunmal aus Dresdner Perspektive. Ob du was damit anfangen kannst, ist mir relativ egal. Ändert ja auch nix. Hauptsache ist doch eh, dass der Wähler im Bereich Mitte aufgeschreckt ist, ob der ausufernden Ausschreitungen im Stadtbereich anno 2012 (wo immer die auch waren)

    Einmal editiert, zuletzt von WDJ_Lasse ()

  • Man verhift einer (unzweifelhaften) unsachlichen Diskussion aber auch nicht durch eigene Unsachlichkeit zum Erfolg. Mehr wollte ich nicht sagen.

  • Meine Erinnerung besagt, dass "sie" wenige 10 von knapp 10.000 waren, die den Einlass deshalb überrannt haben, weil Hilfe zur Selbsthilfe durch Hamburger Gittertreppenbau eine adäquate Möglichkeit zur Entschärfung der damals professionellen Einlasssituation ("wir brauchen keinen Rat, wir haben Europaerfahrung") darstellte. Dämonisierung hilft immer...


    Das habe ich irgendwie anders in Erinnerung.

  • Deine Variante der Geschichte interessiert mich.


    Ich würde gerne mal einen Seniorenmarsch sehen. Aufrechte Menschen, die sich nicht darum scheren was in der Zeitung steht.
    Wird wohl nicht passieren. Aber den Gesichtsausdruck der Dresdner in der Situation stelle ich mir lustig vor.

  • Dynamo Dresden ist DER Prototyp eines Retortenklubs. Dresdens Traditionsverein war der Dresdner SC, den die DDR natürlich verbot. Als die Nachfolgerin SG Friedrichstadt bei der Meisterschaftsentscheidung 1950 vom Schiedsrichter entsetzlich verpfiffen wurde, stürmten 60.000 erboste Dresdner das Spielfeld. Auch dieser Verein wurde daraufhin verboten. Den freigewordenen Ligaplatz durfte kampflos die systemkonforme Deutsche Volkspolizei Dresden einnehmen. Um diesem Klub überhaupt zu einer konkurrenzfähigen Mannschaft zu verhelfen, wurde ein Sichtungstraining mit DVP-Spielern aus dem ganzen Land in der brandenburgischen Stadt Forst abgehalten. Die besten Spieler kamen aus Potsdam. Der Trägerverband Deutsche Volkspolizei ging dann im Trägerverband Dynamo auf. Dieser Trägerverband Dynamo war von nur einer Person nach sowjetischem Vorbild ins Leben gerufen worden, von Erich Mielke, der 32 jahrelang Stasi- und Dynamo-Boß in Personalunion sein sollte. Retortenhafter geht es nicht! Nach der Wende wurde der Dresdner SC aus seinen Spuren neugeschaffen, spielte kurzzeitig mit Dynamo in einer Liga und sogar höher. Doch die Bevölkerung Dresdens wehrte sich gegen den eigenen Traditionsverein, wollte lieber beim inzwischen gewohnten staatlich übergestülpten Konstrukt Dynamo bleiben. Und so ist es bis heute. Eigentlich unfaßbar, daß sich Dynamo Dresden weder per Name noch per Wappen von der eigenen Geschichte distanziert.


    Dynamo Dresden läßt sich gut mit Red Bull Leipzig vergleichen, bis auf den Unterschied Energydrink vs. Stasi. Es ist fatal, daß Dynamo Dresden einfach so ohne jeden Grund als Traditionsverein aus dem Volke angesehen wird. Sich willkürlich nach Gutdünken Wahrheiten zurechtzulegen und fanatisch daran zu glauben, kann doch kein moralisch legitimer Zug sein. Gerade wenn gleichzeitig auf Red Bull Leipzig eingedroschen wird, darf Dynamo Dresden - wie letztens anläßlich des Pokalspiels geschehen - keinesfalls als Vertreter der “Guten” aufgebaut werden. Wer Dynamo in die Reihen der Traditionsvereine aufnimmt, macht sich als Fußballfan mit seinen hochgehaltenen Werten unglaubwürdig und sagt damit aus, daß auch Red Bull eines Tages ein Traditionsverein werden könne. Dieser Entwicklung muß unbedingt Einhalt geboten werden. Von daher ist es höchste Zeit, auch Dynamo Dresden als das zu bezeichnen, was es ist - Stasi und Retorte.

  • Du vergleichst also eine Sportvereinigung mit einem Brauseunternehmen? Nach deiner Theorie gibt es keinen einzigen ostdeutschen Traditionsklub, da zu DDR Zeiten so gut wie jeder "Verein" im Osten einer Sportvereinigung untergeordnet war. Im Endeffekt sagt dein Post aus, das DDR-Fußball nichts mit Tradition zu tun hat, darüber kann man glaube ich intensive Diskussionen führen, ich weiß aber nicht ob wir dazu diesen Thread nutzen sollten.

  • Und 96 dürfte eigentlich gar kein Fußball spielen. Die sind doch auch nur irgendwann auf den Hype aufgesprungen...

  • Bekannte Argumentation. Danach ist der 1. FC Köln auch ein Retortenclub.

    Eine solche Verharmlosung politischen Unrechts passt eigentlich gar nicht zu Dir. Deine Beiträge zeugen sonst von einer gesellschaftlich wachen Frau. Dynamo Dresden ist mit dem 1. FC Köln übrigens auch formal nicht zu vergleichen, denn bei "Dynamo" handelt es sich nicht um einen Zusammenschluss aus verschiedenen Fußballvereinen, sondern um eine Neugründung "von oben" aus dem Sicherheitsapparat, wie "Neu" überzeugend nachweist.

  • Du vergleichst also eine Sportvereinigung mit einem Brauseunternehmen? Nach deiner Theorie gibt es keinen einzigen ostdeutschen Traditionsklub, da zu DDR Zeiten so gut wie jeder "Verein" im Osten einer Sportvereinigung untergeordnet war. Im Endeffekt sagt dein Post aus, das DDR-Fußball nichts mit Tradition zu tun hat, darüber kann man glaube ich intensive Diskussionen führen, ich weiß aber nich ob wir dazu diesen Thread nutzen sollten.

    Eine Sportvereinigung unter dem Dach von Volkspolizei und Staatssicherheit ist nicht harmlos. Da unterscheiden sich viele DDR-Vereine davon, die den Umständen geschuldet Betriebsvereine waren. Es gab auch davon weitgehend unabhängige Vereine wie Union Berlin (die stets benachteiligt wurden) oder den 1. FC Magdeburg.
    Dynamo Dresden hat sogar das alte Wappen mit der roten Stasi-Farbe übernommen.
    Zum Schutz der Dynamo-Fans muss ich aber sagen: Der Verein ist für sie Kult, kauzm jemand macht das aus Nostalgie, sondern weil es Dresdens Fußballverein ist (auch in den Farben der Stadt; im letzten Jahrzehnt der DDR auch benachteiligt gegenüber Dynamo Berlin) und zu DDR-Zeiten auch "anständige" Spieler/Trainer mit dabei waren wie Hans-Jürgen Kreische oder Klaus Sammer.

  • Also bei allen Vorbehalten gegen Dynamo - so genau stimmt das nicht Neu. Wie auch immer die Historie aussieht, schon zu DDR-Zeiten hatte Dresden eine große und durchaus aktive Fanszene, die -im Gegensatz zu Dynamo Berlin- weitgehend frei war. Auch wenn sie für mich immer ein Feindbild waren sehe ich sie dennoch als Traditionsklub. Ein echter ostdeutscher Retortenklub ist z.B. Hansa Rostock, die ihren kompletten Kern einer Zwangsumsiedlung aus Sachsen verdanken.


    Und noch ein Fehler: Träger von Dynamo Dresden war meines Wissens das Innenministerium und nicht die Stasi. Natürlich haben die Behörden im Zweifel kooperiert, aber es hieß immer, dass Mielke die Dresdner im Zweifel zugunsten "seiner" Dynamos aus Berlin ausgebremst hat.

  • Bekannte Argumentation. Danach ist der 1. FC Köln auch ein Retortenclub.

    Eine solche Verharmlosung politischen Unrechts passt eigentlich gar nicht zu Dir. Deine Beiträge zeugen sonst von einer gesellschaftlich wachen Frau. Dynamo Dresden ist mit dem 1. FC Köln übrigens auch formal nicht zu vergleichen, denn bei "Dynamo" handelt es sich nicht um einen Zusammenschluss aus verschiedenen Fußballvereinen, sondern um eine Neugründung "von oben" aus dem Sicherheitsapparat, wie "Neu" überzeugend nachweist.


    Na mal langsam. Dieser eine Satz bezog sich auf die Argumentation u.a. der Hoffe-Fans und der Bullen-Fans, durch den Vergleich mit der Historie anderer Vereine Legitimität ihrer Konstrukte herzustellen. Und da wird dann auch der Zusammenschluß zweier Vereine zum 1. FC Köln herangezogen, laut Retorte gerufen und geglaubt, daß damit der Kern der Kritik an den Retortenclubs entkräftet ist.


    Was mir dann aber nicht mehr einleuchtet: ein Verein, der seinen Ursprung in einem politischen Unrechtssystem hat, zum Vergleich und Legitimation des eigenen Konstrukts heranzuziehen.