Diskussionskultur im Forum

  • Persönlich kann ich noch ein Beispiel aus Zeiten nennen, als die SPD noch ein Profil hatte. In der Zeit habe ich von mehreren grünen Kommunalpolitikern persönlich gehört, daß es erheblich leichter wäre, mit CDU-lern über Fakten zu diskutieren und zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen, als mit den "ideologisch verbohrten" SPD-lern.

    Hier im Forum ist es dann noch einmal eine ganze Stufe schwerer, denn es muß ja überhaupt nicht ergebnisorientiert diskutiert werden. Jeder kann ja einfach stumpf auf seiner Meinung beharren.

    Stimmt, das ist sicherlich ein Punkt. Wir sind hier nicht dazu verdammt, eine Lösung zu finden. Gleichzeitig werden Debatten teilweise so verbissen geführt, als würde hier darüber entschieden werden. Was mit etwas Abstand manche Verbissenheit noch absurder erscheinen lässt.


    Generell ist es aber nicht Ziel einer politischen Diskussion, unbedingt zu einem Ergebnis zu kommen. Sei dies ein Kompromiss (den wir hier nicht brauchen), oder eben dass der eine den anderen "überzeugt". Diese Erwartung schlägt sich jedoch gerade in dem Missionarseifer nieder, den wir hier manchmal erleben.


    Und trotzdem kann eine Diskussion weiterführend und gewinnbringend sein, weil man - worauf Bronco sehr zu recht hingewiesen hat - Meinungen, Argumente und (im Sinne des Wortes) auch Standpunkte mit Menschen austauscht, mit denen man das sonst vielleicht nicht so täte. Sonst könnte ich ja auch öfter zum FDP-Stammtisch gehen.


    Vielleicht muss man sich dessen auch einfach bewusst(er) sein, und sich fragen: Wenn ich jetzt etwas schreibe, bringt das die Diskussion noch voran, weil ich einen neuen Aspekt hereinbringe? Oder drehen wir uns nur noch im Kreis und könnten es eigentlich gut sein lassen? Will und werde ich mit meinem Beitrag die Diskussion vertiefen oder den Graben?


    Wobei es manchmal auch nicht einfach ist, es "gut sein zu lassen", wenn verhörmäßige Fragen gestellt werden, gefolgt von etwas wie "ach, da kommt wohl nichts mehr". Wenn man sich friedlich "unentschieden" aus einer Diskussion trennen will, muss man das auch ermöglichen, und nicht im Fall des Gutseinlassens den "Sieg" für sich reklamieren.


    (Gilt übrigens alles auch für mich, klar)

  • Ich mag den Anstoß dieser „Aussprache“, denn was mich in den ideologischen Fäden stört, ist eine grundsätzlich fehlende Bereitschaft, von der eigenen abweichende Positionen verstehen zu wollen.

    Ich pack mich selbst da mal gleich an die eigene Nase, denn ob das jetzt tM oder ob das Blue Valentine schreibt, erfordert es doch meine Zeit, verstehen zu wollen, was der treibende Gedanke ist. Ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.


    Dieses Forum lebt, neben dem eigentlichen Austausch über Fussball, davon, Menschen unterschiedlichster Bildung und Interesse zusammenzubringen und Ihnen Ausdruck zu verleihen. Ich lese gerne wohlformuliertes und hab Spaß daran auch mal quer zu denken, im Rahmen meiner soziologisch geprägten Einschränkungen. Andere suchen Antworten, noch weitere wollen sich eben einfach mitteilen.

    Was im realen Leben leichter zu durchschauen ist, wird hier schwieriger, denn es steht das geschriebene Wort. Vielleicht täte uns allen etwas Wohlwollen dem anderen gegenüber ganz gut.