Politischer Zoff-Thread oder so

  • locke: in Indien und umzu gibt es sicher genug Pharmafabriken, die die nötige Technologie und das nötige KnoffHoff hätten, um Impfstoffgenerika in großer Zahl und kurzer Zeit zu produzieren.


    @all: es ist auch so, dass die Grundlagenforschung häufig von öffentlicher Hand vorgenommen wird, die Ergebnisse, dann aber für einen schmalen Taler von der Industrie gekauft werden, die es dann zur Marktreife entwickelt und damit den Reibach macht. Natürlich ist die Entwicklung zur Marktreife ein kostenintensiver Prozess und nicht ohne (wirtschaftliches) Risiko. Es ist nicht so eindimensional, wie hier teilweise dargestellt.

  • Auch und gerade bei der Grundlagenforschung in staatlichen Hochschulen stellt sich ja immer wieder die Frage, wieweit geht die bzw soll sie gehen, wie hält man es mit der Kooperation mit Privaten, dem Einwerben und Akzeptieren von Drittmitteln usw.

    blue valentine : Mit Grundlagenforschung kann der Staat insofern durchaus in den Bereichen, die wünschenswert sind, aber so ohne Weiteres von Privat nicht bedient werden, Entwicklungen steuern. Und, wie schon gesagt, er kann steuerliche bzw direkte finanzielle Anreize setzen.

    Alter Ego : ich finde, dass gerade Corona ein gutes Beispiel dafür ist, dass Privat durchaus Sinn macht. Natürlich wird damit Geld verdient, vermutlich sehr viel Geld, aber wir sehen doch, dass es hilft, dass verschiedene wirksame Impfstoffe vergleichsweise sehr schnell anwendungsreif entwickelt wurden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass staatliche Entwicklungen ähnlich verschiedene Ergebnisse gehabt hätten. Man darf ja auch nicht übersehen, dass es in diesem Bereich keineswegs sicher ist, dass ein Entwicklungsprozess auch zum Erfolg führt.

  • Zum letzten Absatz: Genau das! Astrazeneca ist da quasi schon die Ausnahme bei den aktuellen Impstoffen - halb privat, halb Universitäts-finanziert.

  • Bronco

    Für solche Fälle können zB Lizenzen vergeben werden, ohne das man den Patentinhaber bzw. Entwickler gleich enteignen muss.


    Sollte das Schule machen befürchte ich, dass die Industrie deutlich vorsichtiger bei der Entwicklung von Blockbustern sein könnte und stattdessen lieber auf bereits eingeführte Präparate setzt, die lindern aber nicht heilen.

    Damit verdienen auch eine Schweinekohle, ob uns das gefällt oder nicht.


    Die Story mit den Patenten ist mMn hochgradig populistisch.

  • AZ verkauft auch ohne Gewinnabsicht.


    Aber der erste Impfstoff weltweit auf dem Markt war doch Sputnik, ist das ein staatliches Produkt, oder freie Wirtschaft?


    (ich mein ja nur. ;))

  • Meine Verwunderung galt eher der Tatsache dass du glaubst dass wir in Deutschland in einem Turbokapitalismus leben würden.


    Blockbuster? So nennt man doch große Kinofilme.

  • AZ verkauft auch ohne Gewinnabsicht.


    Aber der erste Impfstoff weltweit auf dem Markt war doch Sputnik, ist das ein staatliches Produkt, oder freie Wirtschaft?


    (ich mein ja nur. ;))

    genau,und meines Wissens nach wurde AZ sogar ursprünglich als allgemeines open source Projekt von der Uni Oxford entwickelt

  • Bronco

    Für solche Fälle können zB Lizenzen vergeben werden, ohne das man den Patentinhaber bzw. Entwickler gleich enteignen muss.


    Sollte das Schule machen befürchte ich, dass die Industrie deutlich vorsichtiger bei der Entwicklung von Blockbustern sein könnte und stattdessen lieber auf bereits eingeführte Präparate setzt, die lindern aber nicht heilen.

    Damit verdienen auch eine Schweinekohle, ob uns das gefällt oder nicht.


    Die Story mit den Patenten ist mMn hochgradig populistisch.

    Wie schon neulich gesagt... auch dieses Thema ist komplexer als sich beide Seiten es machen wollen. Weder die Privatwirtschaft noch eine Planwirtschaft sind die absoluten Heilbringer in dieser Geschichte. Es ist wie so oft. Die einen können nicht ohne die anderen. Beide Seiten sehen das naturgemäß anders.


    Zu den Lizenzen: das Prinzip der Generika ist dir geläufig? Mit teuren Lizenzen wirst du die dritte Welt nicht bedienen können. Auch nicht mit den Almosen, die "wir" denen irgendwann gewähren. Diesen Kampf kannst du nur gewinnen, wenn es billige Nachahmerprodukte geben wird. Der Westen wird dies aber - auf legalem Wege - nicht zulassen und daher nahezu die komplette Welt weiter in die Abhängigkeit autoritärer Regime (China, Russland) treiben, die "freizügig geben", während wir die Marktwirtschaft huldigen. Muss jeder selbst wissen, ob das der Weg sein soll.

    Btw... teure Aids-Medikamente werden seit Jahren in Asien raubkopiert. Anders wäre der südamerikanische und afrikanische Markt auch gar nicht zu bedienen. Meist - nicht immer - hält der Westen die Füße still. Eine weitere Eskalation dieser Seuche ist halt auch nicht im westlichen Sinne...

  • Aber entscheidend ist da ja, das AstraZeneca sich von vornherein bereit erklärt hat zum Selbstkostenpreis die Welt (mit-) zuretten.

    Das ist ja normal kein Spaßverein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, und seinen Aktionären verpflichtet ist.

  • Die entscheidende Frage ist nun, ob die Produktion von Impfstoffen und Medikamenten dem profitorientierten Markt bzw. den Konzernen überlassen werden soll oder nicht. Meines Erachtens ist die Gesundheit zu wichtig, um zum Spielball von Gewinnmaximierung und Streben nach Marktmacht zu werden. Es sollte nicht derjenige versorgt werden, der es sich leisten kann, sondern derjenige, der es am Nötigsten hat.

    Übrigens zeigt Kuba gerade, dass auch eine staatlich dominierte Forschung und Produktion trotz der begrenzten auf der größten Antilleninsel zur Verfügung stehenden Mittel und den Einschränkungen durch das jahrzehntelange US-Embargo gute Ergebnisse im Gesundheitsbereich erzielen kann. Kuba hat aktuell zwei COVID-19-Impfkandidaten in Phase III und weitere in der Pipeline.

    https://blogs.lse.ac.uk/latamc…-plus-abdala-and-mambisa/

  • Sorry, das sind jetzt aber zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Wir kommen von Patenten und Produktentwicklungen. Die unmittelbar die Patienten betreffende medizinische Versorgung über die Leistungserbringerseite ist etwas völlig anderes, genauso könnte man die Frage Zugang zu Krankenversicherungen anführen, etc.

  • Das Gemeinsame sind die Funktionsweise und die Zielsetzung der Privatwirtschaft. Die Produktentwicklung und die Leistungserstellung dienen in erster Linie der Gewinnmaximierung. Bei der Entwicklung und Herstellung von Flipflops mag das noch angehen, nicht aber in Bereichen, die die existenziellen Bedürfnisse der Menschen betreffen.


    Du gehst davon aus, das ein Staat Impfstoffe nicht genauso schnell herstellen kann wie Unternehmen. In diesem Zusammenhang ist der Post von Donnergott interessant.

  • Schön wäre es ja, wenn die Befürworter mal erklären könnten, wie so eine einzige Impfdosis mehr verabreicht werden kann.


    Vermutlich kommen die Impfdosen dann aus den geheimen Produktionsstätten in Simbabwe oder dem Senegal.

    Weder Senegal noch Simbabwe habe behauptet, das zu können.


    Aber was ist mit Indien und Südafrika?

    Beide Länder sagen, sie besitzen diese Kapazitäten.


    Aber vermutlich weißt Du sicher, dass die lügen.

  • Brexit!


    Briten wollen aus Schottland abschieben.

    Schottische Bürger wehren es ab.


    Behörden stoppen Abschiebung in Glasgow nach massiven Protesten


    Zitat

    Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon und ihr Justizminister Humza Yousaf kritisierten die Aktion des britischen Innenministeriums heftig. Das «feindselige Umfeld» der britischen Regierung sei in Schottland nicht willkommen, twitterte Yousaf.


    Die schottische Polizei, die nicht an der Abschiebung beteiligt, aber mit zahlreiche Kräften im Einsatz war, ordnete schliesslich die Freilassung der beiden Männer an.

  • Simbabwe und Senegal waren natürlich nur Platzhalter, ich hätte auch Ruanda und Mauretanien sagen können.


    Indien? Sind das die, die es nicht mal geregelt bekommen Sauerstoff in ausreichender Menge zu organisieren? Oder meinst Du die internationalen Multis, die dort Produktionsstätten unterhalten?

  • Katalonien ick hör dir trapsen?