Politischer Zoff-Thread oder so

  • Nur kurz: ich denke, es wird der Problematik mehr gerecht, statt traditionell von "Klassenkampf " von Verteilungsgerechtigkeit, Teilhabe, Wohlstandsverteilung zu sprechen.

    Selbstverständlich lässt sich darüber trefflich diskutieren. Aus meiner Sicht hat blue valentine den entscheidenden Hinweis gegeben: Hierarchie.


    Die von dir vorgeschlagenen Begriffe entwickeln ihre volle Kraft auf der ethischen Ebene. Gerechtigkeit als stärkster Begriff zielt darauf ab, wie eine Gesellschaft sein soll.


    Der Begriff Klassenkampf entwickelt seine volle Kraft auf der politischen Ebene. Er impliziert, dass den oberen 10% der Bevölkerung etwas weggenommen werden muss, um

    sicherzustellen, dass die Existenz aller Bürger*innen abgesichert wird. Da die oberen 10% allerdings freiwillig nichts abgeben werden, werden wir wohl darum kämpfen müssen.


    Dazu kommt noch, dass Vermögensanhäufung auch eine Anhäufung von Macht bedeutet. Wer mehr hat, hat auch mehr Einfluss. Wozu das führen kann, sehen wir doch aktuell bei 96.

  • "Klassenkampf" bedingt doch aber auch zunächst einmal ein Klassenbewusstsein. Wenn ich mit "Unten" operiere, kann ich mich, wie bei blue valentine eingeordnet, natürlich als Teil dieser ich nenne die jetzt mal "Unterklasse" sehen und ihr zuordnen. Diese Selbsteinordnung sehe ich in den europäischen Gesellschaften in der relevanten Menge aber so nicht, zumal wenn wir von der 10 zu 90- Verteilung ausgehen. Dieses fehlende Bewusstsein, zumindest in der Breite der Bevölkerung, spiegelt sich mE ja auch in den zumindest durch Wahlen geäußerten Präferenzen wieder (weshalb ich auch ganz persönlich denke, dass die SPD taktisch gesehen ihren Kurs nicht zu weit links im herkömmlichen Sinne setzen sollte, ist jetzt aber ein anderes Thema).

    Das Stichwort Hierarchie ist schon richtig, das sehe ich auch so.

    Die Mehrzahl der Leute, die eigentlich von einer systematisch anderen Verteilung des Wohlstands (der freilich weiterhin irgendwie erarbeitet werden muss) profitieren würde, ging aber zuletzt dss Thema doch eher anders, weniger grundsätzlich an. Da sehe ich auch eher keine Veränderung, man müsste sich da sich selber gegenüber eingestehen, dass grundsätzliche Änderungen so nie für einen Selbst erreichbar sein werden. Da ist dann der selber empfundene Leidensdruck evtl nicht groß, zumindest nicht in der Mehrheit.

    Oder, ganz schlicht und evtl je nach Betrachtungsweise etwas resignativ: es geht Stand jetzt vielen eben doch "zu gut" für diese Überlegungen bzw Einsichten, Also auch kein Klassenbewusssein... :???:

  • Meine Einblicke in das senegalesische Dorf haben mich gelehrt, im Heute hast du nur die Chance auf ein besseren Leben, wenn du gegen andere arbeitest.

    Übervorteilen, Angst machen, hetzen, gewalttätig sein bis zum Mord.


    Hier funktioniert das alles dank gut verschleiernder Bürokratie subtiler, aber auch nicht mehr viel anders, wenn aus verschiedenen Gründen der Schleier mal durchscheinbarer oder löchrig wird, wie Corona z.B., könnte man viel erkennen, muss man aber zulassen.


    Die Hierarchien haben gewahrt zu bleiben.


    Hier ist eine der Hauptursachen für mich, dass die Menschen in der Selbsteinschätzung bezüglich ihrer eigenen Positionierung in diesem Spiel maximalen Fehlannahmen unterliegen. Das hat man sie gelehrt, ich nenn das Indoktrination des "Normalen". Man kann aber auch simpel von Konditionierung sprechen. Erzielt auch durch Korrumpierung. (Eigentlich geht es dir beschissen, kauf dir was, dann wird's besser. z.B.)


    Die meisten sind nicht in der Lage, ihre "Schichtzugehörigkeit" realistisch einzuschätzen.

    Einige schätzen sich allerdings bewusst falsch ein, zielstrebig, wie z.B. ein Merz (ok, Unterstellung meinerseits, ich weiß nicht, was er innen wirklich denkt, nach außen sehe ich es aber so).

  • Politik aus einem Guss, wenn ich an das Interview mit Frau Esken und die Perspektive eines Bündnisses mit der Linken denke. Ist aber aller Voraussicht nach ja eh egal, wer bei der SPD den Kandidaten macht.

  • Heute morgen wird noch erzählt daß man Scholz nicht verheizen will und eine Nomierung erst später im Jahr bekannt geben soll und jetzt sowas. Mal sehen, hoffe er stolpert nicht über Wirecard.

  • Und weiter in der Bedeutungslosigkeit ...


    Wirecard wurde ja schon genannt. Hier ein paar Schmankerl von seiner Wikipediaseite.


    Der macht jetzt aber sicher eine glaubwürdige sozialdemokratische Politik ... ganz sicher!

  • Auch wenn es fast bedeutungslos ist, wer da als Kandidat versagt... Ein "Wir haben verstanden" sieht anders aus. Die hätten mal bei 96 nachfragen sollen, wie das geht :kichern:

  • Lustigerweise kommen schon aus der CDU Anerkennungen, Scholz sei ja eigentlich in der falschen Partei. Ich würde ja sagen, wer Scholz will kann auch gleich Union wählen, aber die haben außer dem Bayern ja nun wirklich nur Klappsköppe im Lostopf.


    Naja, wie auch immer. Man braucht sich beim SPD-CDU-Einheitsbrei zumindest nicht zu wundern, wenn es die Wähler nach außen zieht, inkl afd. :sauer:

  • Es macht auf jeden Fall die Entscheidung leicht, was man nicht wählen will. Ist doch schon mal was.

    Was ich nicht wählen will weiß ich schon lange. Die Frage ist eher: Was kann ich, mit meinem Gewissen vereinbarend, wählen?

  • Man kann ja über die Merkel sagen, was man will.


    Aber neben Trump hat auch der Wladimir wieder eindrucksvoll bewiesen, dass wir es hier noch vergleichsweise gut getroffen haben.


    Seine eigene Tochter mit einem unausgereiften Impfstoff vollzupumpen...

  • Man kann bezüglich des Impfstoffes in Russland auch einfach mal die Kirche im Dorf lassen und abwarten was am Ende dabei rauskommt.

    Kann sein das es der gesuchte Impfstoff ist und auch hilft, kann aber auch sein das er nicht wirkt. Wir wissen es nicht.


    Und auch wenn man Putin nicht mag, ihm zu unterstellen er würde seine Tochter zwingen sich impfen zu lassen ist schon ein bisschen schräg.

  • Genau, erstmal abwarten was passiert.


    Halte ich gerade im medizinischen Bereich für eine äußerst kluge Strategie.

  • Naja, was ist denn die Alternative?


    Das hat keine Auswirkung auf uns, von daher kann man da ganz entspannt mit umgehen.


    Anders laufen doch die anderen Studien auch nicht ab, nur dass die es nicht an die große Glocke hängen.