GaZ - Gute alte Zeit. Früher war alles ... anders.

  • Nostalgie ist ja legitim und kann ich nachvollziehen. Wenn ich den Competition Pro sehe, wird mir auch ganz anders. Trotzdem ist mir klar, dass das einfach mit der persönlichen Entwicklung verbunden ist. Um es anders auszudrücken: Pro Jugend und gegen das Alter zu sein, hat etwas sehr nachvollziehbares und Bedarf keiner Entschuldigung.


    Aber die 80er zu verklären, finde ich schon pervers. Vielleicht bin ich mal wieder zu undiplomatisch rangegangen, aber da es etwas davon hatte, war mir danach, einen Kontrapunkt zu setzen. Ich könnte das auch begründen, aber nachdem sich niemand dafür interessiert, und ich vor allem gleich wieder so angegangen werde, verzichte ich auch gerne. Bis auf diese kleine Hilfestellung: Die Normalität hieß damals Reagan, Thatcher, Kohl, Lambsdorff, 3. Generation RAF und Geriatrenriege in der UdSSR.


    Florian, schöner Beitrag. ;)

  • Naja, Merkel, Schröder usw. Setz' die Reihe doch fort, und dann vergleiche sie mit der offen psychopathologischen Reihe der 80er.


    Heute ist schlimm, das kann man durchaus vertreten, aber damals war schlimmer. (EDIT: Letzteren Punkt kann man sehr gut vertreten.)

    Einmal editiert, zuletzt von ExilRoter ()

  • In Erinnerung schwelgen ist ja okay, aber muss das überall sein? Und dann immer diese 80er Geschichten mit den Kassetten, C64 und Bonanzarädern... Kassetten, vor allem VHS-Kassetten waren platzfressende Staubfänger, der C64 war tatsächlich gut (wahrscheinlich gemessen an den Möglichkeiten besser als die heutigen PCs) und wenn heute einer ein etwas anderes Fahrrad fährt, wird er gleich wegen seiner Coolheit kritisiert.


    Was mich an diesen Früher war alles besser Artikeln nervt, sind gerade die Erzählungen über ihre ach so coole und nicht verwöhnte Kindheit. Wer sind heute eigentlich die Eltern, dieser gegenwärtig verwöhnten Kinder, die keine Abenteuer mehr erleben und für alles einen TÜV-Siegel brauchen? Wer sind eigentlich die Eltern, die ihre Kinder immer mit dem Auto zur Schule bringen und bei Regen nicht nach draußen lassen?


    Mein Junge ist zwar gerade mal zwei, trinkt Leitungswasser und macht allen möglichen Blödsinn. Ich lass ihn machen und halte ihn nur zurück, wenn es wirklich gefährlich ist. Auf Stadionsitzbänken klettert er auch gerne rum. Dafür, dass ich den Kleinen mit ins Stadion nehme, wurde ich hier im Fanmag-Chat schon getadelt, weil das ja unverantwortlich sei...

  • Exilant:
    Was soll der geneigte Leser denn auch aus einer Aussage à la 'die 80er waren Scheiße' an tiefschürfender Kritik herausziehen?


    Jetzt kommst Du auf einmal mit Namen und Umständen, die in den Thread 'Früher war das meiste genauso Scheiße oder sogar schlimmer' gehören.
    Du bist echt ein komischer Mensch. Hier werden einzelne Punkte einer Zeit verklärt, in der die Beteiligten des Threads Kinder oder Jugendliche waren. Das ist normal! Normaler geht das gar nicht, wenn man nicht während dieser Zeit irgendwo angekettet im Keller saß, also eine beschissene Zeit hatte.


    Ich finde einfach den Abschnitt nicht, wo die 80er hier pauschal verklärt werden.


    //edit:
    Florian:
    Woher weisst Du, dass Du Deinen Jungen anders machen lässt als andere hier?

    Einmal editiert, zuletzt von prickelpit96 ()

  • Das weiß ich nicht, aber Artikel über früher gibt es viele und Klagen über die verwöhnten Kinder auch.

  • Mein lieber Exilant, bei aller berechtigten Kritik an den Knalltüten, die Du in Deinem Post nennst, aber in den 80ern ging es deutlich weniger Leuten in Deutschland sozial so schlecht wie heute nach immerhin 11 Jahren Regierung durch die SPD... also was das Thema angeht, sind die 80er durchaus angenehmer gewesen. Hinzu kommt, dass die Menschen in den 80ern nach meinem Empfinden auch deutlich anspruchsloser waren. Wenn man kein Geld (oder wenig) hatte, dann hatte man eben keinen Videorekorder und kein Kabelfernsehen. Davon ging die Welt nicht unter...


    Florian: Meine Tochter trinkt AUSSCHLIEßLICH Leitungswasser, etwas anderes mag sie gar nicht. Und sie kommt (wie sich das gehört) aus dem Kindergarten nach Hause und erzählt von lauter Abenteuern und sieht aus, als hätte sie den halben Sandkasten dabei. Ich denke nicht, dass die Sache mit dem Verwöhntsein auf Kinder beschränkt ist. Wie gesagt, ich empfinde das so, dass heute die Leute allgemein unzufriedener sind, wenn sie sich eben nicht auch noch den zweiten Flachbildfernseher für das Schlafzimmer leisten können...

    Einmal editiert, zuletzt von Sujo ()

  • prickel: Es schwingt halt mit. Nicht erst, seit die "Früher-war-alles-noch-echt"-Liste gepostet wurde.


    Ein Beispiel. Computerkultur. Auch ich bin damit aufgewachsen, hatte einen C64, hab' Disketten getauscht, habe noch IBM XT und AT bedient, etc. Und klar ist es im Nachhinein etwas schönes, dabei gewesen zu sein, als die Computer in die Alltagskultur kamen.


    Aber was dabei unter den Tisch fällt, ist, wie häßlich das damals alles konkret war. In der Tat waren diejenigen, die sich für Computer interessierten, dreckige, unpopuläre Nerds. Heute ist es eher sexy als abstoßend, ein Nerd zu sein, damals war das - in Amerika, hier gab es das noch nicht - ein echtes Schimpfwort. (Hier waren das "Computerfreaks" oder was?) Und es war ja in gewissem Sinn auch was Schmieriges, dieses sich treffen und in dunklen Zimmern Disketten austauschen und Demos gucken, während die anderen mit den Mädels Eis essen gegangen sind.


    Tatsächlich könnte man sagen: Computer ohne Netz ist wie wichsen ohne Ständer. Damit tue ich natürlich zwei extrem kleinen Randgruppen unrecht, die es damals schon gab: Diejenigen, die tatsächlich damals schon wirklich mit der Hardware was anfangen konnten, und diejenigen, die damals schon per Akustikkoppler in den Mailboxen unterwegs waren. Aber gerade sowas zu tun, war doch eben nicht, wie heute verklärt wird, nur toll und cool, sondern hatte seinen Preis, und war irgendwie auch dreckig und beschränkt.


    Sujo, es ging mir weniger darum, wie gut oder schlecht es objektiv ging, sondern eigentlich um die Kultur. Heute wird vieles an den 80ern in goldenem Licht gesehen, die Rahmenbedingungen aber ausgeblendet. (Ein klassisch solches Beispiel wäre Punk.) Ich habe also die Reihe oben als politische Rahmenbedingungen zitiert, eine Diskussion über die tatsächliche Kultur der 80er wäre möglich, aber kam mir weitaus schwieriger vor. Das war die Zeit, wo der Finger offen am Abzug des nuklearen Arsenals lag, eine durch und durch kranke Zeit meiner Meinung nach, und wenn ich das als "Normalität der 80er" angeführt habe, dann deswegen, weil diese Schizophrenie zwischen Normalität (Yuppies etc.) und Willen zur Vernichtung wegen Nichts meiner Meinung nach quer durch das gesellschaftliche Bewußtsein ging. Aber ich glaube, das wird ein zu schwieriges Thema für dieses Forum, vielliecht habe ich mich übernommen, und wir müssen uns das für'ne Sause aufheben.

  • Die 80er waren also das Jahrzehnt, in dem der Finger am nuklearen Abzug war??? :grübel: Mag für den Anfang der 80er, NATO-Doppelbeschluss etc. gelten. Aber die 80er waren in Wirklichkeit das Jahrzehnt, in dem der kalte Krieg beendet wurde, die Mauer gefallen ist und Gorbatschow und Reagan die größten Abrüstungen seit Bestehen der nuklearen Aufrüstung beschlossen haben ;) Nicht immer nur die negativen Punkte anführen, mein Lieber.

  • Reagan wird heute gerne genauso verklärt, wie Punk auf der anderen Seite. Ich weiß nicht, wie ich das in einem Satz auf den Punkt bringen soll, aber Reagan hat mit dem Feuer gespielt, indem er Politik mit nuklearem Druck gemacht hat. Sowas hat es seit der Kuba-Krise nicht mehr gegeben, und wir waren nie so dicht dran, wie in den 80ern. Und in den 80ern saß man auf einem ganz anderen Arsenal als 62. Manöver Able Archer 83 wäre fast schiefgegangen.

  • Was mich bei dem Nostalgiekram sogar deprimiert, ist die permanente Präsenz von 80er Jahre-Musik, Mode und anderen Dingen, dass sogar die Jugendlichen von heute darauf abfahren. Ich habe Schüler, die laufen in Maiden, Slayer, Sex Pistols etc T-Shirts rum. Schrecklich ist sowas, denn das ist die Musik der Eltern, nicht der Jugend. Der Jugend wird der Platz für eigene Provokationen genommen. Da lobe ich mir diese "Manga-Kids" (Visuales heißen die hier), die sich wie japanische Comicfiguren und Puppen anziehen.

  • naja, durch sachen wie internet und fernsehen wird einem aber auch fast die möglichkeit zur rebellion genommen. wer regt sich den heut zu tage noch auf wenn ein punk, metaller oder gothic durchs dorf läuft. kennt man alles, unspektakulär.


    ausserdem hat bzw. rebelliert die jugend doch noch immer. über den ganzen aggro-berlin-atzen-hip-hop hat sich doch auch jeder aufgeregt. dagegen rebelliert man mit nem maiden-shirt ja fast schon wieder.

  • Ja, heute ist alles Mode geworden, alles Attitüde. Früher war es eine Lebenseinstellung ob lange Haare etc.


    Aber ich verorte diesen Transformationsprozeß genau in der ersten Hälfte der 80er, dass also aus Rebellion Mode wurde. Die 80er haben sich gegen die 70er gerichtet, die ein Echo einer wirklichen Gegenkultur waren, haben aber das überzeugend "Gegen etwas sein" noch früher ausverkaufen müssen, als die 70er. Darin liegt die Armut der 80er.


    Jetzt gehe ich aber wirklich zu weit. Ich möchte noch erwähnen, dass ich den Threadtitel wahrhaft meisterlich gewählt finde mit dem "... anders".


    Außerdem habe ich absolut nichts gegen Cassetten-Diskussionen, auch wenn ich nur Leser bin.

  • Sony hat seinen Walkman auch verbessert. Die Version von heute nutze ich wesentlich häufiger, als den Walkman aus den 80ern und 90ern.