• Erstmal vielen Dank Philli für deine ausführliche Antwort, auf die ich gerne nochmal eingehen würde.


    Zitat von Philli

    Ich würde gerne deinen Blick darauf richten, ihn von der Ursache und hin zu verstärkenden Auslösern zu richten. Warum sich eine Depression bemerkbar macht, kann mehrere Gründe haben. Meistens liegen sich zunävhst in der eigenen Biographie, bevor andere "Verstärker" hinzutreten und sich wie Auslöser anfühlen. Du musst nicht öffentlich antworten, aber es ist davon auszugehen, dass dir ein Facharzt das Medikament verschreibt und auch überwacht, ob und inwiefern es seinen Zweck erfüllt Hier wäre eine erste Frage zu beantworten: " Fühlst das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deinem Behandler als gefestigt, kanst du mit ihm über Sorgen und Nöte ehrlich sprechen?

     

    Den Hinweis mit dem Auslöser verstehe ich, gerade auch, weil ich darüber tatsächlich schon mal mit meiner Psychologin gesprochen habe. Da habe ich mich ungünstig ausgedrückt.


    Das Sertralin wurde mir von meiner Psychologin "empfohlen" und letztendlich vom Hausarzt verschrieben. Eine Überwachung findet derzeit nur durch regelmäßige Gespräche mit meinem Hausarzt statt, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis habe. Bei meiner Psychologin habe ich nächste Woche seit 6 Monaten wieder den ersten Termin. Das Verhältnis zu ihr ist eher problematisch, ich fühle mich oft falsch verstanden und in meinen Erzählungen nicht richtig wahrgenommen.


    Zitat von Philli

    Das ist eine recht übliche Vorgensweise, denn dem "Persönlichen Ansprechpartner"fehlen meist die fachkundigen Fähigkeiten und so zieht er Arzt/Psychiater zu Rate. In erster Instanz werden diese Gutachten meistens so gefällt, dass man als voll erwerbsfähig gilt. Welche Nachweise wurden von dir eingereicht und wurden sie berücksichtigt? Welche Maßnahmen zur beruflichen Reha wurden von dir durchgeführt? Hast du die Nachweise dazu vorlgen können?

    Bezogen auf die Depression habe ich keine Unterlagen eingereicht sondern meinen Hausarzt und die Psychologin dem Jobcenter gegenüber von ihrer Schweigepflicht entbunden.


    Maßnahmen zur beruflichen Reha habe ich bisher keine durchgeführt. Wäre das eventuell eine Möglichkeit, eine solche Reha über das Jobcenter in die Wege zu leiten? Oder ist das Jobcenter da der falsche Kostenträger?

    Zitat von Philli

    Kannst du die Unruhe mit deinem behandelnden Arzt teilen? Weiß er um die Unruhe? Der "Strudel" Arbeit hat viele Gesichter. Das JC wird zur weiteren Beurteilung der Sachchlage vermutlich zum einen das Gutachten heranziehen und deine Vorbildung heranziehen, und schauen, ob, und wenn ja, welche Alternativen zumutbar zum Ausprobieren sind. Das ist nach meiner Erfahrung in Angelegenheiten wie deinem Usus

    Das Teilen dieses Strudels ist der Plan für den Termin nächste Woche bei der Psychologin. Mit meinem Hausarzt habe ich öfters schon drüber gesprochen, er schätzt mich derzeit auch als nicht arbeitsfähig ein.

    Zitat von Philli

    Das wäre kein Automatismus, sondern müsste von dir konkret angestoßen werden. Depressionen gelten als "gut behandelbar", und zwschen Erwerb der endgültigen Rente wegen voller Erwerbsminderung stehen den Zeilen. die Zeilen der Teilerwerbsrennte, die auf zwei Jahre befristet werden kann, und die Berufsunfähigtkeirsrentezunächst entgegen.. BU-> Berufsunfähigkeit erforderteine private Vorsorge, hast du diese getroffen?

    Entspricht die (befristete) Teilerwerbsrente von der Höhe her dem bisher erarbeiteten Anspruch auf die normale Rente?

    Nein, private Vorsorge habe ich bisher nicht getroffen.

  • Das mit der BU ist so nicht ganz richtig. Es gibt sie noch für (ich meine) vor 1962 geborene. Sie sagt aus, das man nicht einfach als Wachmann arbeiten muss, wenn man einen Beruf gelernt hat, den man nicht mehr ausüben kann.

    Für eine Reha ist die Rentenversicherung zuständig. Man kann den Antrag auch über die Krankenkasse einreichen, das vereinfacht eventuell die Antragstellung. Das Jobcenter hat mit Reha (ausser einer beruflichen Umschulung ) nix zu tun.

  • Alte_Liebe Ja, da gibt es Altersgrenzen. Da stillallive aber sein Alter im Posting mit 35 angegeben hat, habe ich darauf verzichtet, diese mit in meine Ausführungen einzubeziehen, der Beitrag war eh schon lang genug. (Und das alles ohne Maus, da ich seit Tagen mauslos im Krankenhaus lag)


    stillalive96 Du bist auf dem absolut richtigen Weg, Gerne können wir dazu auch telefonieren.

  • stillalive96: Kostenträger der beruflichen Reha können verschiedene Institutionen sein, auch das JobCenter. Du musst nur nach einer Fachberatung zur Teilhabe am Arbeitsleben fragen. Dort erhältst du entsprechende Infos. Du kannst aber auch eine Infoveranstaltung beispielsweise eines Berufsförderungswerkes besuchen, dort wirst du bezüglich der Antragstellung in der Regel auch gut beraten.

  • Raus aus dem Krankenhaus habe ich wieder ein Maus, juhu.


    Ist völlig korrekt, verschiedene Institutionen können Träger einer Reha sein. Die passendsten Angebote macht meist deine zuständige BG, vor allem, wenn du in einem "ähnlichen" Bereich wie bisher tätig sein willst. Sie pflegen auch Kontakte zu anderen Arbeitgebern, wenn du dir zunächst nicht VZ zutraust, da ist vieles aufgrund jahrelanger, tragfähiger Kontakte verhandelbar.


    Wenn du dir mit dem Jobcenter einig bist, dass eine Umschulung in einen "ganz anderen" Beruf sinnvoll ist, wird das JC diese auch fördern. Das JC arbeitet mit unterschiedlichen Trägern der beruflichen Weiterbildung zusammen, die alle eine Zertifizierung nachweisen müssen, da hängt es aber oft vom Engagement der einzelnen MA ab, wie sehr sie dich weiterbringen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeitsliste darfst du dir den Träger frei wählen, nach deinen Kriterien.


    Die Rentenversicherung wird eine Reha tendenziell eher tragen, wenn sie sich "dazwischen" entscheiden muss, eine Teilerwerbsunfähigkeitsrente oder eine Reha zu gewährleisten. ( Ich kenne einen Fall, wo die Diagnose einer Depression 1984 gestellt wurde und der positive Bescheid zur endgültigen Zustimmung der Vollerwerbsunfähigkeitsrente stammte aus dem Jahr 2004. Das geht heute sicher schneller. )


    Hängt aber auch immer vom jeweiligen Sachbaerbeitentenden ab, und davon ob du als ehrlich, zuverlässig, absprachefähig und termintreu auftrittst. Genau das fällt Depressiven oft schwer, ich weiß.


    Hat sich einer deiner Behandler zu einem GdB (Grad der Behinderung geäußert?) Auch das spielt eine Rolle, insbesondere, wenn durch neue Diagnosen Verschlimmerungen eintreten. Dann wird ein anderes SGB zuständig.


    Die Schilderungen stellen meine knapp 20-jährige Erfahrung im Großraum Niedersachsen dar, sie haben keinen juristischen Anspruch.

  • … und noch zur Ergänzung. Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“.

  • Bitte entschuldigt meine späte Antwort.


    Erstmal vielen vielen Dank euch für die Antworten und auch für das Angebot, dazu mal telefonieren zu können. Das weiß ich wirklich zu schätzen und es kann gut sein, dass ich da zeitnah drauf zurück komme. Danke!


    Philli : Zu deiner Frage bzgl. des GdBs: Aufgrund einer Gehbehinderung besitze ich bereits einen Schwerbehindertenausweis (G, B, 60%). Lt. telefonischer Auskunft vom Nds. Landesamt würde sich die Depression bzw. sich daraus ergebende Einschränkungen nicht weiter auf den GdB auswirken, da immer nur die "schlimmste" Krankheit als Grundlage für die Einstufung genommen wird.


    Die Einstufung von 60% wurde bereits vor ungefähr 15 Jahren vorgenommen, verglichen mit dem damaligen Stand bin ich heute deutlich schlechter zu Fuß unterwegs und würde bei einer neuen Begutachtung bzw. Prüfung sicherlich mehr Prozente bekommen. Diesbezüglich habe ich bereits einen Termin im Anna Stift angefragt um einen aktuellen Bericht eines Facharztes zu haben. Der Termin wird sicherlich noch ein bisschen dauern, dort gibt es momentan eine Warteliste für die Terminvergabe :wut:

  • Alter Ego Das hatte ich tatsächlich als bekannt vorausgesetzt, Entschuldigung, wenn das falsch rüberkam.


    stillalive96 Dranbleiben :-) GdB und dessen Zusammensetzung ist komplex. Aber du weißt ja, wo du andocken kannst.

  • Kein Ding, Philli, wir ergänzen und doch gut 😊.


    stillalive96: So ganz aus der Ferne und mit rudimentärem Wissen über deine Situation schätze ich die Chance auf berufliche Reha als recht gut ein. Grundsätzlich brauchst du einen langen Atem, da nicht selten erste Anträge zurückgewiesen werden. Eine andere Tendenz besonders der JobCenter ist es, für die berufliche Reha Bildungsgutscheine anzubieten, sozusagen eine 2. Klasse Reha mit eingeschränkten Leistungen. Wie Philli schrieb, hängt auch viel vom Sachbearbeiter ab. Kopf hoch und dran bleiben.

  • Kleines Update: Ich war gerade bei meiner Psychologin um mit ihr über die aktuelle Situation zu sprechen. Auch wenn das mit viel Überwindung verbunden war, da ich mich in der Vergangenheit oft nicht richtig verstanden gefühlt habe.


    Heute hatte ich ein ganz gutes Gefühl. Auch wenn sie mir erklärt hat, dass es momentan nicht möglich sei, die Therapie weiter zu führen, da die letzte Therapie bei ihr im Januar beendet wurde und es nun eine Wartezeit von zwei Jahren geben würde, bis die Krankenkasse einer erneuten Therapie zustimmt.


    Sie hat mir nahegelegt, eine Tagesklinik zu besuchen und schien sehr überzeugt davon, dass das das genau richtige ist in meiner Situation. Dafür hat sie mir auch eine Art Empfehlungsschreiben ausgestellt. Ich muss das mal sacken lassen, bin dem aber nicht abgeneigt.


    Inwieweit muss so etwas mit dem Jobcenter abgesprochen werden? Und habe ich in der Zeit Anspruch auf ALG2? Weiß das wer?

  • Ich würde dem Jobcenter eine Kopie des Empfehlungsschreibens zukommen lassen. Sobald du eine Therapie in einer Tagesklinik angetreten hast, lassen sie dich eh in Ruhe.


    Priorität hat in jedem Fall deine Gesundheit. Ich wünsche dir gute Besserung!

  • Tagesklinik ist was, was man ausprobieren sollte. Sie bringt Struktur, Hilfestellung und Orientierung. Wenn es "nicht dein Ding ist", kann das jederzeit beendet werden, auch durch dich, unabhängig von Geld,


    Was das Jobcenter angeht, es gibt dort sozusagen zwei Abteilungen: Die eine ist für die Vermittlung in den Arbeitsmarkt zuständig, die haben das Kürzel "pAP" (Persönliche Ansprechpartner), die anderen, die sich damit beschäftigen, genauer hinzusehen, warum du dich nicht in der Lage siehst, heißen Fallmanager, abgekürzt "FM". Ist eine Fallmanagerin für dich tätig? Wenn du eine solche hast, die schaut genau hin, was dir guttut, und schickt die keine SteaS für Stellen, die du dir nicht zutraust.