• Für den unteren Türspalt gibt es eine Art Bürstenleiste zum ankleben / anschrauben. Habe ich bei mir auch installiert, weils im Winter da immer durchgezogen hat. Nun ist Ruhe.

  • ich bin auf Entzug...und es ist die Hölle!


    seit vielen Jahren nehme ich Antidepressiva...angefangen hat es vor Jahren als ich noch berufstätig war, in einem verantwortungsvollen und stressigem Job, den ich aber immer gern gemacht habe.


    dann änderte sich soviel:(


    andere Geschäftsführung, viele neue Kollegen und bei mir die andere oder andere gesundheitliche Baustelle. ich hab nicht viele Freunde und von den paar die ich habe/hatte starben innerhalb kurzer Zeit mehrere z.b. der Welfenprinz :herz: und überhaupt, ich hatte Sorgen und Nöte...wollte/sollte aber funktionieren, also verschrieb man mir Antidepressiva.


    die ich brav nahm, ohne dass sich viel änderte...vielleicht war ich nicht mehr so unbequem für die Firma und die Kollegen?


    ich hielt die Fresse, schleppte mich jeden Tag zum

    Dienst und tat mein Bestes, wunderte mich manchmal z.b. über die kollektive Betroffenheit bei Enkes Tod und der fast geschlossenen Teilnahme am Trauermarsch (ich konnte nicht mit, weil ich noch in meinem Steri zu tun hatte und es sich niemand bemüßigt fühlte, mir zu helfen, damit ich auch mitkonnte:misstrauisch:) und auch dieses großes Verständnis, die Krokodilstränen warfen Fragen bei mir auf...


    Hallo? hier war jemand, der Hilfe brauchte, gleich nebenan, eine Kollegin, "Freundin" seit über 20 Jahren...aber ne, das war zu nah, das wollte man nicht, bloß nicht schmutzig machen, vielleicht ist es ja ansteckend?


    irgendwann kam dann der große Zusammenbruch, aus körperlichen Gründen übrigens!, aber die Psyche kam natürlich dazu...lange Wochen Klinik, aus der Firma kickte man mich raus wie einen räudigen Hund....niemals werde ich die letzte Dienstbesprechung vergessen an der ich teilnahm...man wollte im großen Kreis Lösungen finden, wie es mit mir, dem Problemfall, weitergehen sollte..ich saß auf der einen Seite, ca. 20 Personen auf der anderen...ich war allein, so allein....


    schlich aus der Tür, wollte mich vor die Bahn werfen, wieder Klinik...


    dann kam DJ, der mir auf einem Bahnsteig in die Hand gedrückt wurde...was ich wohl auf diesem Bahnsteig wollte? ich weiss es nicht mehr und das ist wohl auch besser so:)


    DJ war es egal, er liebte mich so wie ich war...traurig, komisch, nicht der Norm entsprechend.


    DJ starb 2 Jahre später und ich war wieder am Abgrund...frass aber weiter brav mein Sertralin. ich machte weiter, immer weiter...


    gut ging es mir nie, aber ich war "gedämpft", fiel nicht weiter auf, verzweifelte nur zu Hause unterm Tisch:)


    richtig gelebt habe ich diese Jahre nicht, ich war viel zu zugedröhnt, bekam nicht viel auf die Reihe, war aber auch niemanden lästig.


    bis vor 3-4 Wochen...da beschloss ich nicht mehr gedämpft sein zu wollen, sondern ich wollte leben, unbequem, komisch, heulend, aber lebendig.


    ich setzte das Sertralin ab!


    seitdem war ich einmal in der Notaufnahme, mehrmals bei der Hausärztin , usw.


    die Symptome sind die Hölle...ich schreie, kotze, weine, krampfe....aber ich lebe!!!


    und es geht mir besser, ich nehme etwas in Angriff, bin aktiver, schaffe etwas, mache Pläne.


    weiter immer weiter...



    übrigens sagt einem niemand etwas über diese Hölle des Entzugs nach langer Einnahme von SSRI!


    diese Pillen werden total verharmlost, ne, machen nicht süchtig!


    man will ja weiter verdienen, nech :anmachen:


    gerne und bevorzugt werden diese Medikamente


    Frauen um die 40 und dann wieder ab 60 Jahre verschrieben, aber gegen Einsamkeit, Existenzängste, Sorgen und berechtigte Nöte helfen sie nicht!



    so, habe lange überlegt, diesen Text hier zu schreiben...man weiss ja nicht...wie wird reagiert werden??


    aber es gehört zu meiner Befreiung und Gesundung.


    wünsche allen irgendwie Betroffenen oder Mitfühlenden viel Kraft, Mut und Stärke!


    Danke fürs Zuhören:bussi:

  • Uff! Ich bin gerade etwas überfordert mit einer Antwort.

    Es tut mir unendlich leid, was du erlebt hast und wie es dir gerade geht. Ich drücke alle Daumen, dass es die richtige Entscheidung war die Medikation zu beenden! Fühl dich gedrückt!

  • Uff! Ich bin gerade etwas überfordert mit einer Antwort.

    Es tut mir unendlich leid, was du erlebt hast und wie es dir gerade geht. Ich drücke alle Daumen, dass es die richtige Entscheidung war die Medikation zu beenden! Fühl dich gedrückt!

    Danke dir!


    ich habe übrigens nicht meine gesamte Medikation abgesetzt, abends nehme ich nach wie vor meine 50mg Quetiapin, das hilft mir und tut mir gut.


    ExilRoter :bussi:

    Einmal editiert, zuletzt von Ventil ()

  • Ventil :trösten:


    Das klingt echt heftig.Aber ich bin überzeugt davon dass du die Kraft hast damit fertig zu werden!



    Hast du mal nach einer Selbsthilfegruppe oder Entzugsklinik gesucht ? Du wirst ja nicht die einzige Person mit dem Problem sein...

  • danke dir!


    die Einweisung in die Klinik hatte ich schon, bin auch hin, aber das brauchte ich nicht...man hätte mir den Entzug mit irgendwelchen Tabletten leichter gemacht...den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

    das möchte ich nicht...und wohin mit den Hunden?


    ich schaffe das allein, unter anderem auch mit diesem Outing hier:)

  • man weiss ja nicht...wie wird reagiert werden??

    Ich frag mich ernsthaft, ob du diese Situation unter deinem Tisch sinnbildlich meinst oder gar ernst? Nicht, dass ich mir das nicht vorstellen kann, ich frag nur. ;)


    Ansonsten ja, mit dem Enke-Tod...das kann ich schon nachvollziehen. Mein Vater hat da bei der Trauerfeier geweint. Mir gegenüber hat er nie irgendwelche echten Emotionen gezeigt bezüglich meiner Depressionen. Klar, kann einen Zusammenhang geben mit den Tränen bei Enkes Trauerfeier - so als Brücke. Dennoch...


    Wenn man sich selbst ein Stück weit gern mag, braucht man nicht viele Freunde, Ventil. Gib Gas, du schaffst das mit dem Entzug! Und wenn nicht, dann gibts immer noch einen Versuch zwei und drei und....

  • danke niedersachse1896 !


    und ja, ich meine die Sache mit unterm Tisch ernst...das Ding ist groooß und da unter ist ne Kudde, sehr gemütlich und wenn ich Angst hab, sehr traurig bin, liege ich da mit meinen warmen, weichen, lieben Hunden...bis das Gewitter vorüber gezogen ist:)


    Grüße an den Herrn Papa!


    ich glaube, es ist extrem schwer für Nichtbetroffene sich in die Gefühlswelt eines Erkrankten hineinzuversetzen...dennoch...etwas Mitgefühl, Toleranz, Empathie, Verständnis, oder auch nur der Versuch...ist nicht zuviel verlangt:)

  • Es gibt doch Gruppen, ähnlich wie AA für Menschen, die drogenabhängig waren oder sind. Vielleicht auch für Dich eine Option, auch wenn es eine verschriebene Sucht ist?

  • Ich habe so lange darauf gewartet, dass du mal wieder von dir hören lässt, Ventil. Nun bist du wieder da und schreibst regelmäßig, das freut mich sehr. ♥️ Bleib mit dem Forum in Kontakt. :bussi:

  • Vor allem lerne den unnötigen Ballast abzuwerfen, und dich gegen den Scheiß der dich zermürbt mental zu stärken. Um die Geschwindigkeit geht es nicht, lerne, und vieles wird dadurch besser, ja, es ist anstrengend, manchmal fühlt man sich sogar nicht in der Lage Widerstand zu leisten, aber den Stinkfeiner zu zeigen macht Spaß, aber nicht nur das.

  • Ich hatte heute morgen meinen standardmäßigen Termin bei meiner Psychiaterin. Der war auch bitter nötig. Meine Therapeutin ist seit 6 Wochen in Mutterschutz, und ja, wir haben so einige Sachen vereinbart, wie ich in der Zeit ohne sie (sie plant Ende Februar wieder zu kommen) klar komme. Das funktioniert ohne ihren Input jede Woche aber bislang überhaupt nicht. Ich kriege zwar ab November wieder ein monatliches Gespräch bei ihrer Vertretung, aber das ist ja nicht das gleiche.


    Ich merke immer mehr, wie ich mich zurück ziehe, wie alles um mich herum wieder nebliger wird, ich zur Zeit überhaupt keinen Antrieb mehr habe, auch hier zuhause nur so nebenher laufe und ich kaum zu etwas motivieren werden kann.

    Das ist so ein ähnlicher Zustand, den ich auch schon im Frühjahr hatte. Und Und ich hatte so ein bisschen Schiss, dass meine Psychiaterin da an der Medikamentenschraube dreht. Das war zum Glück nicht so.


    Dafür hatte sie einen Vorschlag, der mir von der ersten Sekunde an gefiel. Die Praxis hat eine Kooperation mit einem mobilen therapeutischen Pflegedienst. Das ist ein Programm, dass über 4 Monate läuft, und in dieser Zeit kommt je nach Bedarf 1-2x die Woche eine therapeutisch ausgebildete Pflegekraft nach Hause und arbeitet mit mir daran, wie man bessere Struktur und Hilfe in den Alltag bekommt. Ist auch immer die gleiche Person, und ja, ich bin mal gespannt. Ich habe sowas vorher auch noch nie gehört, und es soll auch als Unterstützung dienen, grad wenn Klinikaufenthalt oder Tagesklinik aus Gründen nicht möglich sind.

  • ich hatte schonmal diesen ambulanten psychiatrischen Pflegedienst...war nicht sooo toll...hatte den Eindruck, die Dame wußte gar nicht so recht, was sie hier sollte und war nur scharf auf meine Unterschrift unter ihren Stundenzettel.


    aber das ist sicherlich ganz individuell und kommt immer ganz darauf an.


    drück dich Kassen-Meyer:trösten:

  • Kasse, Ventil - Danke für Eure Offenheit.

    Kämpft und seid gut zu Euch - Ihr werdet es schaffen, ich wünsche es Euch von Herzen.